"Schaut die Lilien ..."  - Andacht für den 06.04.2020

"Schaut die Lilien ..." 

 

Andacht für den 06.04.2020 

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gesprochen von Pastor Achim Neubauer

Download als MP3 - niederdeutsch - gelesen von Petra Bohlen

 

 

"Schaut die Lilien ..." 

 

Es gibt kaum ein schöneres Bild, das auffordern will zur Gelassenheit. In ganz einfacher Sprache geht es um Vertrauen, um einen neuen, frischen, anderen Blick. Weg von den Gedanken um sich selbst, die Zukunft, die Fragen auf die es doch sowieso keine Antwort gibt. Wer sich lösen kann, mag eine freie Sicht bekommen. 

 

Damals ist es eine ziemliche Menschenschar, die den Gottessohn umringt; Große und Kleine um ihn herum. Neugierig sind sie alle, die diesem Jesus zuhören. Das sind welche dabei, voller Trauer; sie suchen nach Trost. Andere sind erschöpft und brauchen etwas Ruhe. Sicher, da stehen auch solche, die zweifeln; keine besonderen Erwartungen haben. Aber sie hören zu. Irgendwie hatte sich herumgesprochen, dass dieser Wanderprediger auf seinem Weg durch das Land Israel in ihre Nähe kommen würde. 

 

Sie wollen etwas hören: Über sich und über ihr Leben und dazu gehört doch auch, sich Gedanken zu machen über das was kommt.


"Seht die Vögel am Himmel!", dann wenn der Blick dem Alltag auf der Erde verhaftet ist, dann bleiben die Gedanken, die nach Zukunft fragen, automatisch in den irdischen Kategorien gefangen. Eigentlich – bei allem Respekt – kein wirklich neuer Gedanke, auch damals nicht; schon die Psalmbeter suchten ihre Hoffnung nicht im Staub der Ebene. Von Gott erwarten sie Hilfe. Und genau diesen Gedanken nimmt Jesus auf. 

 

Ja, sagt er; die ausgetretenen Pfade der Vergangenheit haben schon viele versucht. 

Tränen der Sorge wurden millionenfach geweint, um Kinder, um Erwachsene: Gott, unser Vater, weiß, was seine Geschöpfe bedrückt. 

 

Und dann zeigt er den Menschen um sich herum eine Lilie: Schaut, die hat sich nicht angestrengt, um euer Auge zu erfreuen. Gott hat für sie gesorgt. Sie wächst, sie blüht, sie sieht schön aus, weil Gott sich um diese kleine Pflanze kümmert. Um jeden Teil seiner Schöpfung sorgt er sich: Auch um Dich und um mich. 

 

Das klingt für unsere Zeit ein wenig zu romantisch. Aber wie Balsam waren die Worte auf die Seelen der besorgten Jünger und Jüngerinnen. Nicht wenige hatten sich ja gefragt, ob es wohl richtig ist, alles zu verlassen, ihm zu folgen, in ein Leben ohne jede Absicherung für Gottes Reich und seine Gerechtigkeit. 

 

Reich Gottes – das ist da, wo alles Sehnen zur Erfüllung kommt, wo seine Liebe alles in allem ist, da wo tatsächlich alle Menschen Geschwister sind. Es herrscht Friede; alle gehören genauso dazu wie Du und ich. Mit Jesus ist dieses Reich schon angefangen und in seinen Worten ist schon ein bisschen zu sehen, wie es sein wird. 

 

Später gehen die Menschen dann wieder nach Hause. Ob sie sich auf dem Heimweg noch darüber unterhalten haben, was Jesus gesagt hat? Das mit den Lilien jedenfalls, das haben sie sich gemerkt, damals. Später haben sie das dann auch aufgeschrieben. Sie fanden es wichtig, dass auch Menschen anderer Zeit wissen sollten: "Der himmlische Vater weiß, wessen ihr bedürft." 

 

Du bist gar nicht allein, das mag manches kleiner machen und erträglicher.

 

Ihr Pastor Achim Neubauer 

 

ins Niederdeutsche übertragen von

Annegret Peters / Hude

 

„Schaut die Lilien...“

 

 

Dat gifft woll kien Bild wat moier is, un us opfoddern will, mit Roh un Achtsamkeit dör dat Leven to gahn. In heel slichte Spraak geiht dat um Vertroen, um een ne´en, frischen, annern Blick. Weg von de Gedanken um sik sülvst, de Tokunft, de Fragen, op de dat doch sounso kien Antwoord gifft. Wer sik lösen kann, mag een free´e Sicht kriegen. 

 

Damals sünd dat teemlich veel Minschen, Grote un Lütte, de um den Söhn van usen Herrgott umto staht. All Lüe, de düssen Jesus tohört, sünd neeschierig. Dor sünd wecke dorbi, de sünd vull von Troer, se söökt na Trost. Anner sünd mööd, ahn Knööv, un bruukt een beten Roh. Seker, dor staht ok wecke, de nix besünners vermoden doot, de twiefelt. Aver se höört em to. Jichtenswie harr sik dat rumsproken, dat düsse Wannerprediger op sienen Weg dör dat Land Israel in ehre Neegde kamen wöör. 

 

Se wüllt wat hören: Över sik un över ehr Leven un dorto hört doch ok, sik Gedanken to maken över dat, wat kummt.

 

„Seht de Vagels an´n Heven!“, denn, wenn de Blick in´n Alldag op de Eer hangen blifft, denn blievt Fragen na de Tokunft automatisch in irdische Kategorien fungen. Egens – bi allen Respekt – kien würkelk neen Gedanken, ok damals nich; al de Psalmbeter hebbt ehr Hapen nich in ´n Tüterkram van´n Alldag söcht. Se töövt op Help van usen Herrgott. Un just düssen Gedanken nimmt Jesus op. 

 

Ja, seggt he; op düssen olen Padd sind all veele unnerwegens ween un hebbt mit ehr Tranen un ehr Sorgen düssen Padd noch deeper maakt. Se hebt blarrt um Kinner un utwussen Lüe. Use Herrgott sütt dat allns un nimmt sik dat to Harten.

 

Un denn wiest Jesus de Minschen um sik to een Lilie: Kiekt mal, de hett sik nich besünners anstrengt, um joe Ogen een Freid to maken. Gott hett för ehr sorgt. Se wasst, se bleuht, se süht moi ut, wiel Gott sik um düsse lütte Plant kümmert. Um jedeen Deel van siene Schöpfung sorgt he sik: Ok um Di un um mi.

 

Dat höört sik för use Tied´n beten to romantisch an. Aver för de besorgten Jünger un Jüngerinnen weern düsse Wöör as Balsam op ehre Seelen. Veele von se harrn sik ja fraagt, of dat woll richtig is, allens stahn to laten, um em to folgen, in een Leven ahn jede Sekerheit, för „Gott sien Riek“ un siene Gerechtigkeit.

 

„Gott sien Riek“ - dat is dor, wo all Lengen in Erfüllung geiht, wo siene Levde allens is, dor wo würkelk all Minschen as Süster un Broder sünd. Dor ist Freden; all höört genau so dorto as Du un ik. Mit Jesus is dütt Riek al anfungen un in siene Wöör is al ´n beten to sehn, wo dat in Tokunft ween kunn.  

 

Later gaht de Minschen denn woller na Huus. Of se woll op den Weg na Huus noch doröver snackt hebbt, wat Jesus seggt hett? Op jeden Fall dat mit de Lilien hebbt se sik markt, damals. Later hebbt se dat denn ok opschreven. Se funnen dat wichtig, dat ok Minschen in later Tieden dat to weten kriegen schullen: „Der himmlische Vater weiß, wessen ihr bedürft.“

 

Du büst nich alleen. Dat makt allns veel lichter.

Ihr Pastor Achim Neubauer

         

Palmsonntag

Palmsonntag

Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen

 

Andacht für den 05.04.2020 

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gelesen von Stephan Bohlen

Download als MP3 - niederdeutsch - gelesen von Helge Ihnen

 

Palmsonntag

 

Der Sonntag vor Ostern trägt den Namen „Palmsonntag“. Das erinnert an die Geschichte in der Bibel, wie Jesus in Jerusalem einzieht. Die Leute am Straßenrand jubeln ihm zu, sie schlagen Palmzweige von den Bäumen und legen sie auf die Straße, wie man es tut, um einem König die Ehre zu erweisen. Nun ist er da, Jesus, der sehnlichst erwartete König und Messias. Nun wird alles gut werden.

Manche werden freilich auch stutzig. Jesus ist nicht, wie es sich für einen König gehört, auf einem stolzen Ross in die Stadt geritten, sondern auf einem Esel, einem Lasttier. Was soll das heißen? Und die, die ihm zugejubelt haben, müssen in den nächsten Tagen begreifen: Jesus ist nicht gekommen, um ihre Wünsche und Erwartungen zu erfüllen. Er wird nicht die verhassten Römer aus dem Land jagen. Stattdessen verdirbt er den Händlern und Geldwechslern auf dem Tempelplatz das Geschäft und jagt sie fort. Gottes Haus soll ein Bethaus sein, keine Räuberhöhle. Nicht menschlichen Willen gilt es zu erfüllen, sondern Gottes Willen. Und so kippt in ganz kurzer Zeit die Stimmung. Viele, die Jesus zugejubelt haben, werden wenige Tage später schreien: Kreuzige, kreuzige ihn!

Auch in diesen Tagen haben viele Menschen hohe Erwartungen. Erwartungen an die Medizin, dass es gelingen möge, bald wirksame Mittel zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu finden und herzustellen. Erwartungen an die führenden Politiker, dass sie die in dieser Zeit richtigen und wegweisenden Entscheidungen fällen, ohne dabei den Menschen allzu weh zu tun. Mit diesen hohen Erwartungen an Menschen gehen auch Erwartungen an Gott, an Jesus Christus einher. Möge Gott ein Zeichen geben, dass er es in dieser schweren Zeit gut mit uns Menschen meint.

Gottes Zeichen ist das Kreuz. Das Kreuz, an dem Jesus Christus gestorben ist. Das Kreuz hat damals viele Wünsche und Hoffnungen durchkreuzt und tut dies auch heute. Doch das Kreuz erinnert uns daran: Gott hat sich im Tode von Jesus Christus selber dem tiefsten Dunkel ausgesetzt. Und so ist das Kreuz das Zeichen, dass er auch, wo wir in diesen Tagen tiefes Dunkel um uns und in uns verspüren, an unserer Seite ist. Wir gehen unsere Wege in dieser schweren Zeit nicht allein.

Dietrich Bonhoeffer, dessen Todestag in dieser Woche 75 Jahre zurückliegt, hat es so ausgedrückt: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.“ Darauf können wir vertrauen.

Ich wünsche Ihnen für den Weg durch die vor uns liegende Woche, die Karwoche, Gottes reichen Segen, bleiben Sie behütet!

 

Christoph Müller, Pastor in Hahn-Lehmden

 

ins Niederdeutsche übertragen von

Annegret Peters / Hude

 

Palmsonntag

 

De Sünndag vör Oostern dreggt den Naam „Palmsünndag“. Dat lett us an de Geschicht in de Bibel denken, wo Jesus in Jerusalem intrecken deit. De Lüe an de Straat jubelt em to. Se riet Palmtwiegen von de Bööm un leggt se op de Straat, so as man dat maakt, um een König de Ehr to wiesen. Nu is he dor, Jesus,  de König un Messias, op den se all vull Lengen töövt hebbt. Nu warrt allens goot.

Männich een warrt aver ok stutzig. Jesus kummt nich, as sik dat för een König hören deit, op een stoltet Ross in de Stadt reden. Ne, he sitt op een Esel, op een „Lasttier“. Wat schall dat heten? Un all de, de em tojubelt hebbt, mööt in de tokamen Daag begriepen: Jesus is nich kamen, um ehre Wünsch un Erwartungen to erfüllen. He warrt de verhassten Römer nich ut dat Land jagen. Stattdessen verdarvt he de Hannelslüe un Geldwessler op den Tempelplatz dat Geschäft un jaagt se weg. Gottes Huus schall een Huus to ´n Beden ween, kien Röverhöhl. Nich de Willen von de Minschen schall erfüllt weern, sünnern Gottes Willen. Un so kippt in heel korte Tied de Stimmung. Vele, de Jesus tojubelt hebbt, warrt een poor Daag later schreen: krüzig em, krüzig em!

Ok in düsse Daag hebbt vele Minschen hoge Erwartungen. Erwartungen an de Medizin, dat dat bold so wiet is, dat wi wirksame Middel hebbt, um de Corona-Pandemie to besiegen. Erwartungen an de föhrenden Politikers, dat se in düsse Tied de richtigen un wegwiesenden Entschedungen fällt, ohn de Minschen dorbi allto weh to doon. Mit düsse hogen Erwartungen an Minschen gaht ok Erwartungen an Gott, an Jesus einher. Much Gott een Teken geven, dat he dat in düsse swore Tied goot mit us meent.

Gottes Teken is dat Krüüz. Dat Krüüz, an dat Jesus sturven is. Dat Krüüz hett damals vele Wünsche un Hapen dörkrüüzt un deit dat ok vondagen. Doch dat Krüüz erinnert us doran: Gott hett sik mit den Doot von Jesus Christus sülvst de deepste Düüsternis utsett. Un so is dat Krüüz dat Teken, dat he ok in düsse Daag, wo wi deepe Düsternis um us un in us föhlt, an use Siet is. Wi gaht usen Weg  in düsse swore Tied nich alleen. 

Dietrich Bonhoeffer, sien Doodsdag liggt in düsse Week 75 Johr torügg, hett dat mal so seggt: „Nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen erfüllt Gott.“ Dor köönt wi op vertroen.

Ik wünsch Se för den Weg dör de kamende Week , de Karweek, Gottes rieken Segen, he mag Se behöden!

 

Christoph Müller, Pastor in Hahn-Lehmden

Helfen können und Hilfe annehmen können

Fenster aus der Martin-Luther-Kirche in Süddorf

Helfen können und Hilfe annehmen können

 

Andacht für den 04.04.2020

 

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Download als MP3 – hochdeutsch – gelesen von Britta und Noah Gurrey

Download als MP3 – niederdeutsch – gelesen von Britta und Noah Gurrey

 

„Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ (Luk. 23, 39)

Hilf dir selbst! Das ist doch unser Lebensprinzip. Wir glauben an die Machbarkeit aller Dinge, wir können uns im Leben selbst behaupten. Schließlich sind wir in der Lage, noch alles selbst zu erledigen, zu leisten, voranzubringen. Wir haben bisher in unserem Leben alles hingekriegt, wir werden auch die derzeitige Krise hinkriegen. Hilf dir selbst! Das ist unser Maßstab für das, was wir unter einem selbständigen Leben verstehen: sich in allen Lebenslagen, auch den schlimmsten, selbst zu helfen wissen. Wie oft habe ich dies in den letzten Tagen in Telefongesprächen immer wieder gerade von den älteren Menschen gehört: Einkaufen gehen kann ich selbst, mir fehlt doch nichts und ich fühle mich fit. Ich brauche keine Hilfe, ich schaff das alles allein! 

 

Hilf dir selbst! Mit diesem Maßstab versuchte man den am Kreuz sterbenden Jesus zu verspotten. Wenn er wirklich der Sohn Gottes ist, dann kann er sich ja wohl selbst helfen und vom Kreuz heruntersteigen. Aber mit diesem Motto verkannte man Jesus. Hätte Jesus nach diesem Prinzip gelebt, so hätte ihm keiner etwas angetan. Allerdings wäre dann auch den Vielen, denen er begegnete, nicht geholfen worden. Denn dass er „der Christus“ war, zeigte sich gerade darin, dass er nicht für sich selbst, sondern für andere lebte. Nicht nach dem Grundsatz „Rette sich, wer kann“ lebte Jesus, sondern nach dem Motto: „Rette, wer zu retten ist!“ So richtete er seine Blickrichtung von sich selber weg hin zu den Menschen, die Hilfe brauchten: die Kranken, die Angefochtenen, die Mühseligen und Beladenen.

 

Das Verhalten Jesu ist doch zum Prinzip unseres christlichen Glaubens geworden. Dieses Prinzip steht doch gegen das Motto: Hilf dir selbst! So steht unser Glaubensprinzip im Widerspruch zu unserem Lebensprinzip, trifft aber in besonderer Weise gerade uns, die wir uns als Christen verstehen. Wie oft haben wir in den Gottesdiensten in unseren Kirchengemeinden etwas gehört von dieser Nächstenliebe, die von sich selbst wegsieht und sich den anderen Menschen zuwendet. Gerade in diesen Tagen der Corona-Krise wird dieses Prinzip „Nächstenliebe“ mehr und mehr gefragt sein, auch wenn die Umsetzung besonders erschwert ist durch umfangreiche Kontaktverbote. Aber die letzten Tage haben auch gezeigt, dass sich mit viel Fantasie doch manches ausrichten lässt. Viele Selbsthilfegruppen und Nachbarschaftshilfen sind entstanden.

 

Hilf dir selbst! Dieses Prinzip gilt gerade in dieser so schwierigen Zeit des Zusammenlebens nicht. Immer noch und ganz besonders gilt: Hilf auch anderen, wo du helfen kannst! Und es heißt auch: Lass dir helfen, wo du Hilfe erhalten kannst. Denn auch diese Seite gehört zum Glaubensprinzip der Nächstenliebe, dass man Hilfe annehmen kann. Sicher ist das ein ganz schwieriges Eingeständnis, aber nötiger denn je. Akzeptiere einfach einmal, dass es besser ist, nicht immer noch alles selbst zu erledigen, sondern die Unterstützung einiger weniger anzunehmen, die bei allen Einschränkungen hilfreich sein wollen und können. Lass dir helfen – auch wenn du es doch vom eigenen Gefühl her noch selbst könntest.

Das hilft nicht nur dir, sondern letztlich allen.

 

Ihr Pastor Peter Kunst  

 

ins Niederdeutsche übertragen von

Annegret Peters / Hude

 

Helfen können und Hilfe annehmen können

 

„Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns!“ (Luk. 23,39)

 

Help di sülvst! Dat is doch dat Prinzip von us Leven. Wi glöövt doran, dat allens to Maken is, wi köönt us in ´t Leven sülvst dörsetten. Opletzt sünd wi in de Laag, noch allens sülvst op de Reeg to kriegen, vöran to bringen. Wi hebbt bit nu in us Leven allens hen kregen, wi warrt ok de Krise, de in ´n Momang besteiht, henkriegen. Help di sülvst! Dat wi op egen Benen staht, dat is dat Maat för us Leven, in all Lagen, ok in de leegsten, to weten wo een sik sülvst helpen kann. Wo faken hebb ik dat in de leßden Daag an ´t Telefon jümmer woller, just von öllere Lüe hört: To ´n Inkopen gahn kann ik sülvst, mi fehlt doch nix un ik föhl mi fit. Ik bruuk kien Help, ik krigg dat allens alleen hen!

 

Help di sülvst! Mit düssen Satz hebbt se versöcht, Jesus to verspotten as he starvend an ´t Krüüz hung. Wenn he würkelk Gotts Söhn is, denn kann he sik ja woll sülvst helpen un von ´t Krüüz daal stiegen. Aver düsset Motto hett nich to Jesus passt. Harr Jesus na düsset Prinzip leevt, denn harr em nümms wat andaan. Aver denn weer ok de velen Minschen, de em in de Mööt kamen sind, nich hulpen worrn.  Denn dat he „der Christus“ ween is, hett sik ja just darin wiest, dat he nich för sik sülvst, sünnern för de annern leevt hett. Nich na den Grundsatz „Rette sich wer kann“ hett Jesus leevt, sünnern na dat Motto: „Rette, wer zu retten ist!“ 

So lenkt he sienen Blick von sik sülvst weg, hen to de Minschen, de Help bruukt: op de Kranken, op  de, de angrepen sünd, op de, de een swore Last to dregen hebbt. 

 

De Aart un Wies, wo Jesus sik geven hett is doch to dat Prinzip von usen christlichen Gloven wurrn. Düsset Prinzip steiht doch gegen dat Motto: Help di sülvst! So is us Glovensprinzip dat Gegendeel von us Levensprinzip, un dat dröppt besünners us, de wi us as Christen verstaht. Wo faken hebbt wi in de Gottsdeensten in us Gemeenen wat von düsse Nächstenleev hört,  de nich op sik sülvst kickt sünnern sik anner Minschen towennen deit. Just in düsse Daag von de Corona-Krise warrt na düsset Prinzip Nächstenleev  mehr un mehr fraagt , ok wenn dat nich so licht umtosetten is, bi dat  Kontaktverbott. Aver de leßden Daag hebbt ok wiest, dat sik mit veel Fantasie ´n Menge maken lett. Dor sünd vele Minschen, de sik tohoop doot um to helpen, vele Navers, de na de annern Lüe in de Straat kieken doot.  

Help di sülvst! Düsset Prinzip gellt just is düsse so swore Tied för ´t Tosamenleven nich. Jümmer noch un ganz besünners gellt: Help de annern wo du helpen kannst! Un dat heet ok: laat di helpen, wo du Help kriegen kannst. Denn ok düsse Siet hört to dat Glovensprinzip von de Nächstenleev, dat een Help annehmen kann. Seker will een dat nich so geern tolaten, aver dat is bannig nödig. Du schullst eenfach mal annehmen, dat dat beter is, nich jümmer allens sülvst to erledigen, sünnern de Help von de Lüe annehmen, de bi all de Inschränkungen helpen wüllt un köönt. Laat di helpen – ok wenn du na dien Geföhl noch allens sülvst op de Reeg kriegen kunnst. Dat helpt nich blots di, sünnern opletzt all.               

 

Heimat unterwegs - Zuhause in der Gemeinschaft der Suchenden

Heimat unterwegs - Zuhause in der Gemeinschaft der Suchenden

 

Andacht für den 03.04.2020

 

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Liebe Gemeinde am Lautsprecher, 

 

in der vergangenen Woche habe ich zwei ungewöhnliche Trauerandachten gefeiert. Nur zehn Personen sind in dieser Krisenzeit auf dem Friedhof erlaubt. Und beide Verstorbenen haben große Familien, Enkel, die gern bei der Abschiednahme von Oma oder Opa mit getrauert hätten, jahrzentelange Nachbarschaften, denen ein würdiger Abschied versagt wurde. Die Andachten unter freiem Himmel habe ich aufgenommen und den Link versandt. Corona-Not macht erfinderisch. 

Die altgewordene Dame war mit einem aus seinem schlesischen Heimatort Poischwitz Vertriebenen verheiratet. Und der andere, der über 92jährige Verstorbene hatte stets eine Fahne seiner pommerschen Heimatstadt in seinem Garten wehen. Jetzt weht sie auf Halbmast. 

Der Heimatort. Die „Heimat“. Woran denken wir, wenn wir diese Worte hören: an unsere Kindheit mit einem starken Gefühl der Verwurzelung dort, wo wir aufgewachsen sind, an unsere Jugend mit ihren Träumen und ihren Bäumen, an Menschen, die uns geprägt haben, an Sitten und Gebräuche, an Lieder, Sprache oder Dialekte, an die Gräber unserer Ahnen. 

Der Heimatort. Die „Heimat“. Für alle Flüchtlinge und Vertriebenen, für die gewaltsam aus ihrer Heimat Ausgerissenen auf dieser Erde ist die Heimat mit Schmerz, mit Trauer verbunden. Oft ist eine Sehnsucht nach der Heimat mächtig in der Seele, eine Sehnsucht zurück, die ungestillt bleibt. ODER, wie es beide oben genannten Verstorbenen gelebt haben: eine neue Heimat, ein neuer Heimatort wird gefunden und die Wurzeln eines ausgerissenen Baumes finden neuen, fruchtbaren Boden, nehmen manche Sitten und Gebräuche und manche alten Lieder mit in die neue Heimat. 

Die Bibel erzählt von vielen Flüchtlingen und Vertriebenen. Von Adam und Eva, die aus dem Paradies vertrieben werden, den Vertriebenen in Babylon bis zu Maria und Josef, die vor der Verfolgung aus ihrer Heimat flüchten müssen. 

Die Bibel geht noch weiter. Im Hebräerbrief, einer langen Predigt für die vertriebenen Jüdinnen und Juden, die an Christus glauben, heißt es im letzten Kapitel: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“ 

Heißt das, wir haben keine "Heimat", keinen Ort, an dem wir sicher und unter Gottes Segen leben dürfen? Arbeiten wir Christen denn umsonst am Wachsen von Frieden und Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung? 

Im Gegenteil, die Bibel eröffnet uns eine Gemeinschaft der Suchenden, eine Gemeinschaft, die eine neue Heimat sucht und erstrebt, eine Heimat, in der Gott selbst seine Hütte unter den Menschen gebaut hat und mitten unter uns wohnt wie Jesus Christus unter den Menschen gelebt und gewirkt hat. 

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“ Hinter all unserem Erstreben, hinter all unserer Sehnsucht nach einer Heimat, in der kein Kind mehr weint, niemand mehr krank wird und keiner mehr einen sinnlosen oder einsamen Tod stirbt, hinter all unserer Sehnsucht nach einer wahren Heimat öffnet sich für uns der Himmel, das Himmelreich, von dem Jesus gepredigt hat. 

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“ Jesus sagt das in seiner Bergpredigt ganz ähnlich: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Denn das Reich der Himmel ist schon da. Es ist mitten unter uns – unsichtbar. Und wir erstreben es und arbeiten daran, dass es immer sichtbarer wird. 

Und am Ende unseres Lebens, wenn wir unsere irdische Heimat verlassen, wartet der Himmel, das Paradies auf uns. Ein Dichter, der Krieg, den 30Jährigen, Vertreibung und Tod immer wieder hautnah erleben musste, war der Pfarrer und Dichter Paul Gerhardt. Sein Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ kennen viele von uns als Sommerlied. Im zweiten Teil dieses Liedes malt Paul Gerhardt uns das Ende vor Augen - nicht als zukünftige Heimatstadt, sondern als wunderschönen Garten. Ganz am Schluss heißt es dann: „Erwähle mich zum Paradeis / und lass mich bis zur letzten Reis / an Leib und Seele grünen, / so will ich dir und deiner Ehr / allein und sonsten keinem mehr / hier und dort ewig dienen, / hier und dort ewig dienen.“ Amen. 

 

Pastor Michael Kühn, Westerstede 

 

niederdeutsche Übertragung von

Annegret Peters / Hude

 

Leve Gemeen an ´n Luutspreker,

in de verleden Week hebb ik twee besünnere Truerandachten fiert. In düsse Krisentied dröfft blots teihn Personen to glieke Tied op den Karkhoff ween.  Twee grote Familien wullen Afscheed nehmen, Enkel, harrn geern mit de annern tohoop um Oma un Opa truert, Navers, de ehr Leven lang mit de Versturvenen  Siet an Siet leevt hebbt, wurr een würdigen  Afscheed versagt. De Andacht unner free´n Heven hebb ik opnahmen un för de Truergemeen in ´t Internet sett. Corona-Not maakt erfinderisch.

 

De ole Daam weer mit een ut sien schlesischen Heimatoort Poischwitz Verdrevenen verheiradt.  Un de annere, de över 92jährige Versturvene harr jümmer een Fahn von siene pommersche Heimatstadt in sienen Goorn weihen. Nu weiht de op Halfmast.

 

De Heimatoort. De „Heimat“. An wat denkt wi, wenn wi düsse Wöör hört: an use Kinnertied mit een starket Geföhl för use Wuddeln , dor wo wi opwussen sünd, an use Jugend mit ehre  Drööm un Bööm, an Minschen, de Indruck op

us maakt hebbt, an Sitten un Gebräuche, an Leder, Spraak oder Dialekte, an de Graffsteed von use Ahnen.

 

De Heimatoort. De „Heimat“. För all de Flüchtlinge un Verdrevenen, för all de Minschen op düsse Eer, de een mit Gewalt ut ehre  Heimat rutreten hett, is de Heimat mit Schmerz, mit Troer verbunnen. Faken dreggt se een grote Sehnsucht in ehre Seel, een Sehnsucht torügg, de kien Enn hett. ODER, wo de beiden baven benannten Versturvenen dat leevt hebbt: een nee´e Heimat, een nee´en Heimatoort warrt funnen un de Wuddeln von een utreten Boom finndt nee´en , fruchtbaren Bodden, nehmt männich Sitten un Gebräuche un männich ole Leder mit in de nee´e  Heimat.

 

De Bibel vertellt von vele Flüchtlinge un Verdrevene. Von Adam un Eva, de ut dat Paradies verdreven weert, de Verdrevenen in Babylon bit to Maria un Josef, de verfolgt weert, un  ut ehre Heimat flüchten mööt.

De Bibel geiht dor noch wieter. In ´n Hebräerbreef, een lange Predigt för de verdreven Jüdinnen un Juden, de an Christus gloven doot, heet dat in ´t leßde Kapitel: „ Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“

„ Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“ Achter al dat, na wat wi streben doot, achter all use Sehnsucht na een Heimat, in de kien Kind mehr weent, nümms mehr krank warrt un ok nümms een sinnlosen Doot starven mutt, achter all us Sehnsucht na een wahre Heimat, steiht för us de Heven open, dat „Himmelreich“, von dat Jesus predigt hett.

„ Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir!“ Jesus seggt dat in siene Bargpredigt ganz ähnlich: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“  Denn dat Riek von den Himmel is al dor. Dat is meern unner us – unsichtbar. Un wi streevt dorna un arbeidt doran, dat dat jümmer sichtbarer warrt.

Un an dat Enn von us Leven, wenn wi use irdische Heimat verlaten mööt, töövt de Heven, dat Paradies op us. Een Dichter, de den 30jährigen Krieg, Verdrieven un Doot jümmer woller huutnah beleven muss, weer de Pfarrer Paul Gerhardt. Sien Leed „Geh aus , mein Herz, und suche Freud“ kennt vele von us as Sommerleed. In den tweeten Deel von dat Leed maalt Paul Gerhardt us dat Enn för Ogen – nich as tokamen Heimatstadt, sünnern as wunnerbaren Goorn. ganz an ´n Sluss heet dat denn:

 

„Erwähle mich zum Paradeis 

und lass mich bis zur letzten Reis

an Leib und Seele grünen, 

so will ich dir und deiner Ehr 

allein und sonsten keinem mehr 

hier und dort ewig dienen, 

hier und dort ewig dienen.“ 

 

Amen. 

 

Pastor Michael Kühn, Westerstede 

 

Weil es vernünftig ist!

Andacht für den 02.04.2020

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„Weil es vernünftig ist!“

 

„Warum habt ihr euch nicht gewehrt, als man von euch verlangte, die Gotteshäuser zu schließen?“

So wurde ich gefragt. „Ihr hättet protestieren müssen. Kein Karfreitags-, kein Ostergottesdienst, das gab es noch nie in den letzten 1990 Jahren. Da hätte doch was möglich sein müssen.“

„Weil es vernünftig ist“, kann man auf solche oder ähnliche Fragen nur antworten. Gott gab uns den Verstand, damit wir ihn gebrauchen, um die Zusammenhänge des Lebens zu erkennen und das Richtige zu tun. Davon erzählt schon die Bibel. Das ist Gottes große Gabe an uns Menschen, dass wir denken können. Mit dieser Gabe hat er uns ein starkes Werkzeug in die Hand gegeben, um im Leben zurecht zu kommen.

Auf die Bedeutung der Vernunft macht alle Kirchenbesucher*innen der St.-Ulrichs-Kirche in Rastede auch eine Figur an der Kanzel aufmerksam. Die Darstellung einer Frau mit einer Schlange in der Hand erinnert daran: Gebrauche deinen Verstand.  Ich finde es schön, dass diese Figur mich und alle Gottesdienstteilnehmer*innen jeden Sonntag neu an die Tugend der Klugheit erinnert.

Nicht immer handeln Menschen vernünftig. Das wird auch in der Coronakrise deutlich. Manche Menschen müssen  zum guten Handeln gezwungen werden. Wie viel Unverstand spricht aus dem Verhalten einiger Mitbürger*innen, die Ordnungskräfte bespucken, wenn Sie an die Notwendigkeit erinnern, den Abstand zu den Mitbürger*innen zu wahren. Umso mehr freue ich mich darüber, dass die meisten Menschen bereit sind, das Vernünftige zu tun.

Weil es vernünftig ist …

Vielleicht sollten wir uns angewöhnen, nicht nur das Abstandsgebot einzuhalten, weil es vernünftig ist. Es gibt so viel, was die Vernunft sagt und was wir dennoch nicht tun oder lieber unterlassen, weil es so bequem ist, weil wir es so gewohnt sind, weil wir einfach nicht darüber nachgedacht haben. 

Weil es vernünftig ist, … das sollte vielleicht auch eine Richtschnur sein, wenn wir bedenken, was zum Bespiel angesichts der Klimakrise getan werde muss.

Weil es vernünftig ist …

Als Kirche Jesu Christi bekennen wir, dass es auch in Coronzeiten Sinn macht, Gott zu loben und zu preisen und Gott für das Leben zu danken. Auch wenn die Kirchen geschlossen sind. Weil es vernünftig ist, werden wir uns auch weiterhin trösten lassen von der Gewissheit des Glaubens, dass wir endlich sind und unser endliches Leben in Gottes Händen ruht. Denn diese Gewissheit stärkt und richtet auf. Gerade in schweren Zeiten trägt das Vertrauen auf Gott.

Weil es vernünftig ist, behalten wir natürlich auch die Grenzen unserer Vernunft im Blick. Unser Wissen ist und bleibt Stückwerk. Die ganze Wahrheit werden wir wohl nie erfassen. Die Allwissenheit ist nach der kirchlichen Tradition entsprechend auch ein göttliches Prädikat, das wir Menschen uns nicht anmaßen sollten zu besitzen.

Weil ein einzelner Mensch nicht alles wissen kann, sind und bleiben wir auch in Coronazeiten auf das Gespräch angewiesen, den Austausch untereinander, das gemeinsame Ringen um die Wahrheit, um dann, nach bestem Wissen und Gewissen, im Wissen um alle menschliche Unzulänglichkeit, kluge Entscheidungen zu fällen und – auch das ist ganz wichtig -  dann auch entsprechend zu handeln.

Weil das vernünftig ist.

 

Pastor Friedrich Henoch / Rastede

 

ins Niederdeutsche übertragen von

Annegret Peters / Hunde

 

„Wiel dat vernünftig is!“

 

„Woso hebbt ji jo nich wehrt, as se von jo verlangt hebbt, de Karken dicht to maken?“ 

So bün ik fraagt wurrn: „Ji harrn dor tegenan gahn musst. Kien Gottsdeenst an Karfredag, an Oostern, dat hett dat in de leßden 1990 Johr noch nie geven. Dor harr een doch wat tegen maken musst.“

 

„Wiel dat vernünftig is“  kann een op socke Fragen blots antern. Gott hett us den Verstand geven, dat wi em bruken doot. Dat wi den Tosamenhang von ´t Leven  erkennt un dat Richtige doot. Dorvon vertellt al de Bibel. Dat is Gottes grode Gaav an us Minschen, dat wi denken köönt. Mit düsse Gaav hett he us een starket Warktüüg in de Hand geven, dat wi in ´t Leven torecht kaamt. 

 

In de St.-Ulrichs-Kark in Rastede warrt all Besöker*innen op de Bedüden von de Vernunft dör een Figur  an de Kanzel opmerksam maakt. De Darstellung von een Froo mit een Slang in de Hand erinnert doran: Du schallst dienen Verstand bruken. Ik finn dat goot, dat düsse Figur mi un all de annern Besöker*innen elkeen Sünndag woller nee an de Tugend von de Klookheid erinnert.

 

Nich jümmer hannelt de Minschen vernünftig. Dat warrt ok in de Coronakrise düütlich. Männicheen  mutt dwungen weern, richtig to hanneln. Wo veel Unverstand wiest us dat Hanneln von den een or annern, de Ordnungskräfte anspeet, wenn de se beropen doot, den nödigen Afstand to de annern Lüe to wahren. Umso mehr frei ik mi doröver, dat de mehrsten Minschen bereit sünd, dat Vernünftige to doon. 

Wiel dat vernünftig is...   

 

Villicht schullen wi us doran wennen, nich blots dat Afstandsgebott intoholen, wiel dat vernünftig.  Dor gifft dat so veel, wat de Vernunft us seggt un wat wi doch nich maakt oder lever laten doot, wiel dat so bequem is, wiel wi dat so wennt sünd, wiel wi dor eenfach nich över nadacht hebbt. 

 

Wiel dat vernünftig is, ... dat schull villicht ok een Richtsnoor ween, wenn wi doröver nadenkt, wat to ´n Bispill wegen de Klimakrise to doon is. 

Wiel dat vernünftig is...

 

As de Kark von Jesus Christus bekennt wi, dat dat ok in Coronatieden Sinn maakt, Gott to loven un to priesen un Gott för dat Leven to danken. 

Ok wenn de Karken dicht sünd. Wiel dat vernünftig is, warrt wi us ok in Tokunft trösten laten von de Sekerheid von den Gloven, dat wi all endlich sünd un us endlichet Leven in de Hannen von Gott rohen deit. Denn de Gewissheid maakt us stark un richt us op. Just in swore Tieden driggt us dat Vertroen op Gott.

 

Wiel dat vernünftig is, beholt wi ok de Grenzen von use Vernunft in ´n Blick. Us Weten is un blifft Stückwark. De hele Wahrheid warrt wi woll nie to faten kriegen. De „Allwissenheit“ is na de Tradition von de Kark een Prädikat wat Gott to steiht, wat wi Minschen us nich anmaßen schullen to besitten.

 

Wiel een eenzigen Minsch nich allens weten kann, bruukt wi besünners in Tieden von Corona dat Gespreek, wi bruukt dat, us mit anner Lüe uttotuschen, mit´nanner um de Wahrheid to ringen, um denn, na bestet Weten un Geweten,  un mit dat Weten um all de minschliche „Unzulänglichkeit“, gode Entschedungen to fällen un -  ok dat is heel wichtig – denn ok dorna to hanneln.

Wiel dat vernünftig is.                 

  

 

 

Der Segen der Klarheit und Entschiedenheit

Der Segen der Klarheit und Entschiedenheit

 

Andacht für den 01.04.2020

 

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Download als MP3 - gesprochen von Stephan Bohlen

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Das hätte er nicht gedacht. Klar, er war kein unbeschriebenes Blatt. Hatte schon das eine oder andere auf dem Kerbholz. Aber - mal ehrlich - wer hatte das nicht. Jeder hat doch schon mal das eine oder andere Ding gedreht. Sich hier und dort nicht so ganz sauber verhalten. War nicht fair mit dem anderen umgegangen, sondern hatte nur den eigenen Vorteil im Blick und hatte dann schnell zugegriffen, wo es Gewinn versprach, auch wenn andere dann eben nicht zum Zuge kamen. So ist halt das Leben. Und wer zu spät kommt,…

 

So bin ich halt. So sind wir Menschen halt. Keiner von uns ist ohne Schuld. Später sollte diese wenig anrührende Erkenntnis einer Frau das Leben retten. Da hatten die Apostel männlicher Machtmoral ganz schnell die Steine wieder fallen lassen, die sie eigentlich auf jene Dame hatten werfen wollen. Der andere Mann, der einfach nur dasaß und mit den Fingern im Sand malte, hatte ihrem Tun Einhalt geboten. Ganz schlicht und einfach: Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein… (Joh 8,2ff)

 

Jetzt aber waren noch andere Zeiten. Jetzt hieß es: Der oder ich. Hier wurde mit anderen Bandagen gekämpft. Aber richtig. Wie aus dem Nichts war der Andere aufgetaucht. Hatte sich ihm entgegengestellt. Die Nacht war schon im Schwinden. Der Fluss mußte noch überquert werden. Und da stellt sich dieser Typ in den Weg. Schnell wurde es handgreiflich. Und so lagen sie nun im Kampf. Hart. Unerbittlich. Keiner wollte nachgeben. Konnte nachgeben. Und so rangen sie. Stunde um Stunde. Irgendwann bekam er einen harten Schlag ab, der ihm die Hüfte verrenkte. Das war´s. Noch nicht ganz. Denn auch wenn er nun für sein Leben gezeichnet war, wollte er nicht von dem anderen lassen: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ (Gen 32,27)

 

Mitunter steht einem etwas im Weg. Da geht es ohne Kampf nicht weiter voran. In der Regel sind wir selber es, die uns da im Weg stehen: Liebgewonnene Angewohnheiten, Marotten, die verfluchte Bequemlichkeit, falscher Stolz, Überheblichkeit, Ignoranz und Dummheit, ein mitunter eingeschränkter Horizont, Unvermögen, Mutlosigkeit, verlogene Träume - und dergleichen mehr liegen uns dann im Weg. Sich darüber hinwegzusetzen, ist nicht einfach. Da ist Konfrontation und Kampf angesagt. Und das ist anstrengend , das kann dauern, und das hinterläßt Spuren. Aber hinterher sind wir ein anderer Mensch. Gewinnen die Wege, die wir gehen, eine neue Qualität.

 

Der da damals bis zur Morgenröte mit dem Anderen gerungen hat, war Jakob. Er erhielt am Ende einen neuen Namen und wurde gesegnet. Vielleicht sind Zeiten wie die, die wir im Moment zu durchschreiten haben, mit ihren Herausforderungen, mit den Auseinandersetzungen und Kämpfen, die sie beinhalten können, für uns der Punkt, der uns zur Entscheidung zwingt. In privaten Dingen, im Beruf, im Freundeskreis, in Familie und Nachbarschaft - aber auch in Glaubensdingen. Vielleicht ist das die Chance, sich auseinanderzusetzen und zu entscheiden. Das ist nicht angenehmen. Das strengt an. Das tut weh. Aber es kann Segen darauf liegen - auch der Segen der Klarheit und Entschiedenheit.

 

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesegnet!

 

Ihr Pastor Stephan Bohlen / Edewecht - Süddorf

 

ins Niederdeutsche übertragen von

Annegret Peters / Hunde

 

Der Segen der Klarheit und Entschiedenheit

 

Dat harr he nich dacht. Kloor, he weer kien unbeschreven Blatt. Harr al dat een or anner op ´t Kerbholz. Aver – mal ehrlich – wer hett dat nich. Jeder hett doch al mal dat een oder anner Ding dreiht. Sik hier un dor nich so ganz richtig benohmen. Is nich fair mit den annern umgahn,  sünnern harr blots den egen Vördeel in ´n Blick, hett denn to gau togrepen, wenn dor wat bi rut springen kunn, ok wenn de anner denn even nich mehr an de Reeg keem.  So is dat Leven. Un wer to laat kummt, denn...

So bün ik nu mal. So sünd wi Minschen nu mal. Nümms von us is ohn Schuld. Later schull düsse wenig anröhrende Erkenntnis een Froo dat Leven retten. Dor harrn de Apostel „männlicher Machtmoral“ ganz gau de Stenen woller fallen laten, de se egens op düsse Daam smieten wullen. De anner Mann, de eenfach blots so dor seten un mit siene Fingers in ´n Sand maalt hett, harr dor een P vör sett. Ganz slicht un eenfach: Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein... (Joh 8,2ff)

Aver nu weern noch anner Tieden. Nu heet dat: De oder ik. Hier wurr mit anner Bandagen kämpft. Aver richtig. As ut dat Nix weer de anner opdükert. Harr sik tegen em stellt. De Nacht weer al bold um. He muss noch över den Stroom. Un dor stell sik em düsse Typ in den Weg. Gau harrn se sik in de Wull (harrn se sik bi de Köpp?). Un so legen se nu in ´n Stried. Steenhart. Ohn dat een nageven wull. Nageven kunn. Un so hebbt se mit´nanner rungen. Stünn um Stünn. Jichtenswann kreeg he een harden Slag af, sien Hüft weer verrenkt. Dat weer ´t. Noch nich ganz. Denn wenn he nu ok för sien Leven tekend weer, wull he nich von den annern aflaten:  „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ (Gen 32,27)

 

Männigmal steiht een wat in ´n Weg. Dor geiht dat ohn Kampf nich wieter vöran.  Meist staht wi us sülvst in ´n Weg: leev wurrn Gewohnheiten, Marotten, düsse verflixte Bequemlickeit, falscher Stolt, jümmer mit ´n grodet Muul vöran, Ignoranz un Dummheid, een faken to engen Horizont, Unvermögen, Mootlosigkeid, verlogen Drööms – un mehr socke Saken liggt us in ´n Weg. Sik dor över weg to setten, is nich so eenfach. Dor is Konfrontation un Kampf anseggt. Un dat is stuur, dat kann duern, un dat lett Sporen na.  Aver achteran sünd wi een annern Minsch. Dor kriegt de Wege, de wi gaht, een nee´e Qualität.

 

De dor damals bit to ´t Morgengrauen mit den annern rungen hett, wer Jakob. He kreeg  amenn een nee´n  Namen un een Segen. Villicht sünd Tieden, as de, dör de wi in ´n Momang gahn mööt, mit ehre sworen Opgaven, dat Strieden un de Kämpfe mit de wi us befaten mööt, för us de Punkt, de us dorto dwingt us to entscheden. Bi private Saken, op de Arbeid, mit use Frünnen, in de Familie un in de Naverschop -  aver ok in usen Gloven. Villicht is dat een Chance, sik dormit uteneen to setten un us to entscheden. Dat is nich angenehm. Dat strengt an. Dat deit weh. Aver dor kann een Segen op liggen – ok de Segen von Kloorheid un Entschedenheid. 

 

In diesem Sinne: Mag een Segen op se liggen! 

 

 

Unterwegs zu guten Gedanken

Unterwegs zu guten Gedanken

 

Andacht für den 31.03.2020

 

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Download als MP3 – hochdeutsch – gelesen von Stephan Bohlen

Download als MP3 – niederdeutsch – gelesen von Britta Gurrey

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

„Herr, wohin sollen wir gehen?“, die Worte des Petrus (Johannes 6, 68) gehen in diesen Tagen vielleicht vielen von uns durch den Kopf. Es ist nicht die Frage, ob ich nach draußen oder auf den Balkon, in den Park oder zum Einkaufen gehe. Es ist die Frage in uns, wo gehe ich hin mit meinen Gedanken, mit meinen Sorgen und Ängsten, mit meinem Bedrücktsein und den täglichen Nachrichten, die sich auf meine Seele legen? Wo gehe ich hin mit meiner Ratlosigkeit, mit dem Gefühl der Ohnmacht und der Überforderung angesichts der Lebens- und Arbeitsveränderungen? Für Petrus ist das keine echte Frage, denn er liefert die Antwort an Jesus gleich mit „Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes“.

 

Ganz einfach. Ganz klar. Es gibt nur den Weg mit Jesus Christus. Es gibt nur das Leben mit ihm. Da gibt es gar keinen Zweifel.

 

Aber wer die Geschichte des Petrus kennt, weiß, dass das auch für ihn nicht immer so ganz eindeutig und sicher sein wird.

 

Und heute?

 

Da ist es auch nicht so ganz einfach mit dem Glauben und unserem Vertrauen in Gottes Liebe. Das Regal im Supermarkt mit der Aufschrift „Glaube“ gibt es nicht. Es wäre auch schon lange leergeräumt. (Und es wäre das einzige leere Regal, für das ich in diesen Tagen Verständnis hätte!)

 

Und diejenigen von uns, die denken, sie haben den Glauben sicher in ihrem Lebensgepäck, müssen immer wieder feststellen, dass es Zweifel gibt, Zeiten, in denen wir Gott weit weg wähnen oder uns selbst weit von ihm entfernen. Nein, so einfach ist das nicht mit dem Glauben!

 

Aber soll uns in diesen Tagen die Angst beherrschen? Soll die Sorge über unser Leben bestimmen? Wollen wir all den düsteren Nachrichten, Gerüchten und Meldungen Tür und Tor öffnen? Ich erlebe in Gesprächen und Begegnungen (auf Abstand, selbstverständlich!), wie diese zentnerschwere Seelenlast in den letzten Wochen um sich greift und Menschen nahezu besetzt.

 

Ich will dagegenhalten! Ich will meinem Glauben, meinem Gott Platz geben in meinem Denken und Tun und daraus Zuversicht und Kraft schöpfen! Ich suche nach Wegen gegen das Dunkel. Also zünde ich jeden Abend um 19 Uhr eine Kerze an und stelle sie ins Fenster. Ich singe für mich, für alle nahen und fernen Menschen und gegen alle Sorgen und Ängste das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“, ( „Gott, lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen“ heißt es in der Strophe 5), und dann spreche ich laut mit meinem Gott. Ich danke für das Gute (wie viel es da doch gibt!), ich bitte für meine Lieben, die ich im Moment nicht sehen und in die Arme nehmen kann, ich bitte für diese Welt, für ein Miteinander und Füreinander und lege mit dem Vater Unser alles in Gottes Hand. Am Ende ermutigt mich ein Segenswort.

 

Wie gut das tut, alles aus der Hand zu legen! Viele zünden in diesen Tagen um 19 Uhr das „Licht der Hoffnung“ an, und ich spüre eine tiefe Verbundenheit. Ich weiß, wir sind füreinander da im Gebet. Und über uns allen steht Gott mit seiner Liebe.

 

Ich lösche das Kerzenlicht.

 

Und dann fragt mich Gott: „Kommst du mit?“ und ich frage „Wohin?“. Und Gott lächelt, legt seinen Arm um mich und antwortet: „Auf gute Gedanken!“

 

Fühlen auch Sie sich geborgen in den Armen Gottes und ermutigt, seiner Liebe und dem Leben zu vertrauen.

 

Dies wünscht Ihnen                  

Ihre Pastorin Dorothee Testa

 

 

niederdeutsche Übertragung von

Annegret Peters / Hude

 

Leve Leserin, leve Leser,

 

„Herr, wohin sollen wir gehen?“, düsse Wöör von Petrus (Johannes 6, 68) gaht vandagen villicht veel  von us dör den Kopp. Dat geiht nich um de Fraag, of ik na buten oder op den Balkon, in den Park oder to ´n Inkopen gah. Dat geiht um de Fraag in us, wo gah ik hen mit miene Gedanken, mit miene Sorgen un Ängste, mit mien Beddröövtween un de dääglichen Narichten, de sik op miene Seel leggt? Wo gah ik hen, wenn ik mi kien Rat mehr weet, mit dat Geföhl ohnmächtig un överfoddert to ween, bi all de Levens- un Arbeitsverännerungen? För Petrus is dat kien echte Fraag, denn he levert de Antwoort an Jesus foors mit „Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes“.

Heel eenfach. Heel kloor. Dat gifft blots den Weg mit Jesus Christus. Dat gifft blots dat Leven mit em. Dor gifft dat kien Twiefel.

 

Aver wer de Geschicht von Petrus kennt, weet, dat dat ok för em nich jümmer so ganz klipp un kloor un seker ween warrt.

 

Un vandagen? Dor is dat ok nich so ganz eenfach mit den Gloven un us Vertroen in Gottes Levde. Dat Regal in ´n Supermarkt mit de Opschrift „Glauben“ gifft dat nich. Dat weer ok woll al lang leerrüümt. (Un dat weer dat eenzige Regal, dat leerrümmt is, vör dat ik in düsse Daag Verständnis harr!)

Un dejenigen von us, de meent, se harrn den Gloven seker in ehr Levensgepäck, mööt jümmer woller faststellen, dat dat Twiefel gifft, Tieden, in de wi meent dat Gott wiet weg is, oder wi sülvst us von em entfernt. Nee, so eenfach is dat nich mit den Gloven!

 

Aver schall us in düsse Daag de Angst unner kriegen? Schall de Sorg över us Leven bestimmen? Wüllt wi all düsse düüster Narichten, Gerüchten un Meldungen Dör un Door open maken? Wenn ik de leßden Daag mit Minschen tohoop kaam, mit se spreken do (op Afstand, versteiht sik!) beleev ik jümmer woller, wo düsse zentnerswore Seelenlast um sik grippt un se blockeert. Ik will dor gegenan gahn! Ik will mienen Gloven, mienen Gott Ruum geven in mien Denken un Doon un dor Toversicht un Kraft ut schöpfen! Ik bün an söken na Wege ut de Düüsternis. Also maak ik elkeen Avend um 19.00 Uhr een Keers an un stell de in ´t Finster. Ik sing för mi, för all de Minsch in de Neegde un wiet weg un tegen all Sorgen un Ängste dat Avendleed „Der Mond ist aufgegangen“, ( „Gott, lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen“ heißt es in der Strophe 5),  un denn snack ik luut mit mienen Gott. Ik dank för all dat Gode (wo veel dat dor noch gifft!) ik bidd för miene Leven, de ik in ´n Momang nich sehn un in de Arms nehmen kann, ik bidd för düsse Welt, för een Mit´nanner un För´nanner un legg  mit dat „Vater Unser“ allens in de Hand von Gott. Am Enn gifft mi een Segen Moot.

 

Wo goot dat deit, allens ut de Hand to leggen! Vele Minschen maakt in düsse Daag um 19 Uhr dat „Licht der Hoffnung“ an, un ik spöör een depe Verbunnenheid. Ik weet dat wi för´nanner  dor sünd in ´t Gebett. Un över us all steiht Gott mit siene Levde.

 

Ik maak de Keers ut.Un denn fraagt Gott mi: „Kommst du mit?“

un ik fraag „Wohin?“.

Un Gott lächelt, leggt sienen Arm um mi to un antert:

„Auf gute Gedanken!“

 

Föhlt ok Se sik geborgen in de Arms von Gott

un faat se den Moot, siene Leev un dat Leven to vertroen.

Dat wünscht Se

 

Ihre Pastorin Dorothee Testa

Worauf es ankommt

Worauf es ankommt

 

Andacht für den 30.03.2020

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gelesen von Stephan Bohlen 

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Recht wackelig sieht dieses Fahrrad aus, es hat wohl schon einige Zeit dort am Zaun gestanden. Das Rad hat bessere Zeiten gesehen. Der Rost nagt, die Steine im Fahrradkorb wiegen schwer. So kommt es keinesfalls von der Stelle. Da fehlt einiges. Die Kette, die Pedale, der Reifen, das Licht – Deko eben. Aber wäre es nicht reizvoll  hier ein wenig nachzuhelfen? Wenigstens die Steine aus dem Korb heben, das könnte man doch, und den Rost entfernen!  Wie wäre es mit einigen Frühlingsblumen, jetzt, passend zu Ostern?

Mich erinnert dieses Fahrrad an uns alle, die wir im Moment still liegen, im übertragenen Sinne gesprochen. Dem Aufruf zu Hause zu bleiben, folgen immer mehr Menschen, auch wenn es manchmal mit großen Anstrengungen verbunden ist. Die Steine im Korb? Vielleicht für den einen die Schwierigkeit sich ans Zuhause Arbeiten gewöhnen zu müssen, für den anderen die Gewissheit, dass man die Großeltern und Freunde lange Zeit nicht wird besuchen können. Die Angst um den Arbeitsplatz, ein weiterer Stein. Jeder von uns wird seinen ganz persönlichen Stein in diesem Korb sehen.

Einfach nur Abwarten, gewissermaßen an der Wand lehnen, bis der Zahn der Zeit das Seine getan hat, und das Rad zerbricht, das wollen viele Menschen nicht. Sie wollen in Bewegung sein. „Wir gehören zusammen“ hallt es abends um 19.00 Uhr von den Balkonen,  Menschen sorgen sich umeinander, kümmern sich. Anders gesagt: Der Rost wird abgeschliffen, poliert, manchmal glänzt sogar  Neues, das man vorher niemals gesehen hätte. Ausgebessert wird natürlich auch, denn das ein oder andere ist vielleicht vorher gar nicht entdeckt worden. Das Ziel – ein leuchtendes Fahrrad! 

Blumen als Symbol der Hoffnung, anstatt der Steine, in den Korb zu pflanzen, das wäre ein Anfang…

Wir Menschen sind zerbrechliche, zarte Wesen, verletzlich, manchmal überheblich und vollmundig, dann wieder einfühlsam und ängstlich, gleichzeitig erwartungsvoll und mit Hoffnung lebend. Unzählige Geschichten der Bibel berichten von diesen Erfahrungen des Menschen, Erfahrungen, die mit dem Handeln Gottes in dieser Welt rechnen – auch wenn es gar nicht danach aussieht. 

„Lebt nicht wie Unwissende, sondern wie Menschen, die wissen worauf es ankommt“schreibt Paulus an seine Freunde im  Epheserbrief (Eph 5,12, GN). Ein Wort, das in Bewegung bringen will, weg von falschen Hoffnungen und Überlegungen, allem erstarren und Rost ansetzen. Leben, jetzt. Anders!

Was ist mir wichtig? Ich, die vollen Regale, wie mein Alltag funktioniert, die zehntausend  Kleinigkeiten,  über die wir uns aufregen - oder der andere, der mich braucht, dem ich mit einem Wort oder einer kleinen Geste etwas Gutes tun kann? Oder dem ich danken kann, für das Gute, das er für diese Gesellschaft leistet?

Was ist wichtig, für mich, für uns als Gemeinschaft? Das Rad, in welchem Zustand lehnt es an der Wand? Was sind meine Steine, und wer trägt sie?

Gott steht zu seinen Verheißungen, erzählt die Schrift. Er ist da, wenn wir nicht mit ihm rechnen. Er ist da, wo wir Trost brauchen. 

Er trägt für uns die Steine mit, die  schwer bepackt im Korb des Fahrrades liegen. Steine, die uns niederdrücken können, ja. Aber Gott schenkt uns auch Hoffnung, unseren Mut, zu vertrauen, Neues zu wagen und nicht aufzugeben. 

Passionszeit, das war und ist eine Zeit des Besinnens, eine Zeit des sich Erinnerns an Jesu Weg des Leides,  eine Zeit des Nachdenkens und Betens, vor allem aber: Eine Zeit des Neuanfangs.

Den Rost entfernen. Zu träumen wagen. Es liegt an uns, das wieder frei zu legen, in dieser Zeit. Und uns davon zu erzählen.  Haben wir damit nicht schon längst begonnen? 19.00 Uhr, jeden Abend, von den Balkonen. 

Mich tröstet das sehr.   

 

Pastorin Sabine Karwath, Westerstede

 

niederdeutsche Übertragung von

Annegret Peters / Hude

 

Teemlich wackelig süht düsset  Fohrrad ut, dat hett woll al ´n ganze Tied lang dor  an ´n Tuun stahn. Dat hett ok al beter Tieden to sehn kregen. De Rost naagt, de Stenen in den Fohrradkorf weegt swoor. So kummt dat op kienen Fall mehr von de Steed. Dor fehlt dat een or anner. De Keed, de Pedalen,  de Reifen, dat Licht – Deko even. Dat kribbelt mi in de Fingers , dor so ´n beten natohölpen. Tominnst de Stenen ut den Korf to nehmen  un den Rost wegmaken, dat kunn een doch doon! Wo weer dat mit ´n paar Fröhlingsblomen, just nu, passt doch to Oostern?

Mi erinnert düsset Fohrrad an us all, de wi in ´n Momang still liggen doot, in ´n överdragenen Sinn meen ik. Den Oproop to Huus to blieven, kaamt jümmer mehr Minschen na, ok wenn dat männigmal mit grote Anstrengungen verbunnen is. De Stenen in den Korf? Dat is villicht för den eenen oder annern swoor, sik doran to wennen,  to Huus to arbeiden, oder to weten, dat een Grootöllern un Frünnen för lange Tied nich besöken kann. Bang to ween, de Arbeid to verleren, kann ok so ´n Steen ween. Jeder von us warrt sienen ganz persönlichen Steen in düssen Korf sehen.   

Eenfach blots aftöven, sotoseggen an de Wand lehnen, bit de Tied ehr Wark daan hett,  un dat Rad twei is, dat wüllt de Minschen nich. „Wi höört tosamen“  klingt dat avends um 19.00 Uhr von de Balkone, Minschen maakt sik Sorgen um de annern, kümmert sik. Anners seggt: De Rost warrt afslepen, poleert, männigmal kummt dor denn ok wat ne´et to ´n Vörschien, wat een vörher nienich  sehn harr. Utbetert warrt natürlich ok, denn dat een oder anner hett ´n vörher gar nich to sehn kregen. Dat Teel – een Fohrrad dat lüchten deit.

Blomen as Symbol vör Hapen, an Steed von den Stenen, in den Korf to planten, dat weer doch een Anfang...

Wi Minschen sünd breekhaftige, zoorte Wesen, licht to verletzen, af un to bildt wi us wunners wat in un hebbt ´n grote Snuut, to glieke Tied leevt wi mit de Hapen, dat  sik dat inlösen deit, mit wat wi reken doot. Ik weet nich woveel Geschichten in de Bibel över düsse Erfahrungen von de Minschen vertellt. Erfahrungen, de mit dat Hanneln von Gott in düsse Welt reken doot – ok wenn dat dor gor nich na utsüht.

   „Lebt nicht wie Unwissende, sondern wie Menschen, die wissen worauf es ankommt“  schrifft Paulus an siene Frünnen in den Epheserbreef (Eph 5,12, GN). Een Woort, dat in Bewegen bringen will, weg von falschet Hapen un Överleggen, von stief warrn un Rost ansetten. Leven, nu. Anners!

Wat is von Bedüden, för mi, för us as Gemeenschop? Dat Fohrrad, in wecken Tostand lehnt dat dor an de  Wand? Wat sünd miene Stenen, un wer dreggt se?

Gott steiht to sien Woort, seggt de Bibel. He is dor, wenn wi nich mit em reken doot. He is dor, wenn wi Trost bruukt.

He driggt för us de Stenen mit, de swoor bepackt in den Korf von dat Fahrrad liggt. Stenen, de us daaldrücken  köönt, ja. Aver Gott schenkt us ok Hapen, usen Moot, to vertroen, wat Ne´et to wagen un nich optogeven. Passionstied, dat weer un is een Tied sik to besinnen, een Tied sik to besinnen an Jesus sienen Liedensweg. Een Tied to ´t Nadenken un Beden, toallereerst aver: Een Tied nee antofangen.

Den Rost wegtomaken. Sik troen to drömen.  Dat liggt an us, dat woller free to leggen, in düsse Tied. Un us dorvon to vertellen. Hebbt wi dormit nich al lang anfungen? 19.00 Uhr, elkeen Avend, op de Balkone?

Mi gifft dat bannig veel Trost.

 

Pastorin Sabine Karwath, Westerstede

Normalität

Normalität

 

Andacht für den 29.03.2020

 

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Download als MP3 - niederdeutsch - gelesen von Petra Bohlen

 

Im Moment ist nichts normal. In dieser Corona-Zeit ist alles anders. Wir können und dürfen nicht so leben, wie wir es gewohnt sind. Viele haben ein ungutes Gefühl, machen sich Sorgen und haben Angst. Ich arbeite in einem Steuerbüro. Zum Glück sind alle gesund und ich kann noch ganz normal im Büro arbeiten. Die Heimarbeitsplätze wurden bereits eingerichtet. Wenn es notwendig wird, können wir von zu Hause aus arbeiten. Das meist genannte Wort der letzten Tage ist „Kurzarbeit“. 

Und doch begegnen mir jeden Tag Dinge, die Corona für einen Moment verschwinden lassen. Da sind die Vögel, die jeden Morgen beim aufstehen schon so freundlich zwitschern. Wunderschöne Sonnenaufgänge wecken den Tag. Die Sonne scheint so wunderbar. Unterwegs zur Arbeit sehe ich die Frau, die jeden Morgen ihre Walking-Runde dreht und den Herrn der sein Vogelhaus mit Futter bestückt. Die Rehe lassen sich auch in diesen Tagen nicht stören und sind an ihrem gewohnten Platz. 

Viele Whatsapp Nachrichten erreichten mich in den letzten Tagen. Grüße, gute Wünsche, schöne Texte zum Frühling, Lieder, Bilder oder Texte zu Möglichkeiten, die passieren könnten, wenn wir nun zu Hause bleiben, die Natur in Ruhe lassen, das Klima bewahren, und uns nur, mit uns selber beschäftigen.

Und dann ist da noch eine Sache, die ich bekommen habe, und das ist die Aussage von Beppo Straßenkehrer aus dem Buch Momo von Michael Ende:

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig.“

Beppo Straßenkehrers Aussage passt, finde ich gut in unsere Corona-Zeit. Der Weg vor uns scheint lang, die Perspektive ernüchternd, ein Ende unbestimmt. 

Wir dürfen sicher sein, dass Gott mit uns auf der Corona-Straße unterwegs ist. Schritt für Schritt steht er uns zur Seite und begleitet uns. Wir dürfen ihm all unsere Sorgen anvertrauen. Er passt auf, dass wir sicher am Ende der Straße ankommen. 

In der Bergpredigt sagt Jesus: Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen (Mt. 6,34). Gott geht den Weg mit uns auf der Straße bis zur Normalität. Ich habe keine Zweifel, dass sowohl der Weg als auch das Ziel unter Gottes Segen stehen.

Und wer weiß, vielleicht können wir aus dieser Zeit der Pause, der Stille, des Innehaltens auch etwas Positives für uns mitnehmen, jeder für sich das, was er braucht. 

Ich hoffe sehr, dass wir alle, unsere Familien, Freunde und Menschen, die uns wichtig sind, gesund bleiben. Möge Gott uns Kraft, Zuversicht und Hilfe schenken, in dieser ungewöhnlichen Zeit. 

Und so lege ich nun meine Hand in eure Hand. Gott segne euch.

Bis bald, in der Normalität!

 

Ihre Kerstin Grusemann-Wahl, Prädikantin in der Kirchengemeinde Apen

 

ins Niederdeutsche übertragen von

Annegret Peters / Hude

 

 

Normalität

In ´n Momang is nix normal. In düsse Corona-Tied is allens anners. Wi köönt un dröfft nich so leven, as wi dat wennt sünd. Vele hebbt een ungodet Geföhl, maakt sik Sorgen un sünd Bang. Ik arbeid in een Stüerbüro. To ´n Glück sünd all gesund un ik kann noch ganz normal in ´t Büro arbeiden. Aver dor is al allens praat maakt wurrn, dat wi, wenn dat nödig warrt, von to Huus ut arbeiden köönt.  Dat Woort, wat een in de leßden Daag an ´n mehrsten höört, is „Kortarbeid“.

 

Un doch kaamt mi jeden Dag Saken in de Mööt, de Corona för een Momang verswinnen laat. Dor sünd de Vagels, de elkeen Morgen al so fründlich an tirileeren sünd, wenn ik opstah. Wunnerbare Sünnenopgäng weckt den Dag. Op den Weg na de Arbeid seh ik een Froo, de elkeen Morgen ehre Walking-Runn dreiht un den Mann, de sien Vagelhuus mit Futter opfüllt.  De Rehe laat sik ok in düsse Daag nich stören un staht an de gewohnte Steed.

Ik krieg  vele Whatsapp Narichten in de leßden Daag. Gröten, gode Wünsche, moije Texten to ´t Fröhjahr, Leder, Biller oder Texten doröver, wat villicht passeern kunn, wenn wi nu to Huus blievt, de Natur in Roh laat, dat Klima bewahrt un us blots mit us sülvst befaten doot.

 

Un denn is dor noch een Saak, de ik kregen hebb, un dat is een Text von Beppo Straßenkehrer ut dat Book Momo von Michael Ende:

 

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du? Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig.“

 

Ik finn, düsse Text von Beppo Straßenkehrer passt goot in use Corona-Tied. De Weg för us schient lang to ween, de Utsichten  eher nöchtern, een Enn is ungewiss. Wi dröfft seker ween, dat Gott mit us op de Corona-Straat unnerwegs is. Schritt för Schritt steiht he an use Siet un geiht mit us. Wi dröfft em all use Sorgen anvertroen. He passt op, dat wi seker an ´t Enn von de Straat ankaamt.

In de Bargpredigt seggt Jesus: Sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen (Mt. 6,34). Gott geiht den Weg mit us op de Straat bit to de „Normalität“. Ik hebb dor kien Twiefel an, dat, wo immer dat ok henn geiht, allns unner Gott sien Segen steiht.

 

Un wer weet, villicht köönt wi ut düsse Tied, ut düsse Paus, düsse Stille, dat Innehalen ok wat Godet för us mitnehmen, jeder för sik dat, wat he bruukt.

Ik will hapen, dat wi all, use Familien, Frünnen un Minschen, de us wichtig sünd, gesund blievt. Mag Gott us Knöf, Toversicht un Hölp schenken, in düsse besünnere Tied.

 

Un so legg ik nu miene Hand in joe Hand. Gott mag jo segnen.

Bit bold, in „Normalität“.

Osterglocken

Osterglocken

 

Andacht für den 28.03.2020

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gelesen von Stephan Bohlen

Download als MP3 - niederdeutsch - gelesen von Helge Ihnen

 

In diesem Jahr gibt der violette Krokus der Passionszeit Farbe. Zu Ostern laden nicht die Kirchenglocken zum Gottesdienst ein, sondern die goldgelben Narzissen. Sie sind die diesjährigen Oster-Glocken. Das Gedenkemein ruft uns ins Gedächtnis, dass Jesus Christus unter uns Gemeinschaft gestiftet hat an seinem Tisch. Doch werden wir nicht aus einem Abendmahlkelch trinken am Gründonnerstag, am Karfreitag und am Ostermorgen. Wir teilen aber miteinander den Anblick der anmutigen Blütenkelche bunter Tulpen – der Märzenbecher ist ja schon verblüht...Und in der Osternacht wird die Sternhyazinthe aufleuchten anstelle der Osterkerze.  Der Kirchenchor muss zu Hause bleiben. Wenn wir frühmorgens das Fenster öffnen, erklingt dafür wieder ein Freiluftkonzert von Amsel, Drossel, Fink und Star...

Die Schöpfung atmet auf, nicht nur in unseren Gärten. Die Natur kann sich in diesem Frühling ein bisschen von uns Menschen erholen. Das ist ein kleiner Trost, und ich denke nicht, dass das zynisch ist angesichts des Leids, den der Corona-Virus bislang schon gebracht hat. So lange schon treten wir die Natur mit Füßen.  Wenigstens sie darf für uns jetzt zu einem Lichtblick werden in dunkler Zeit. 

So ist das Frühlingserwachen der Natur wie kaum je zuvor für uns ein Gleichnis für Ostern, für das große Fest der Verwandlung, für die Auferstehung aus dem Tod ins Leben. Ich bin froh darüber! 

Lätare, so hieß der letzte Sonntag, der 4. Sonntag der Passionszeit, übersetzt „Freut euch!“ nach Jesaja 66,10. Dieser Sonntag wird auch „kleine Ostern“ genannt, es ist das Bergfest in der Leidenszeit: die Hälfte ist schon geschafft. – Wie glücklich dürften wir uns schätzen, wenn schon die Hälfte der Corona-Krise hinter uns läge!

Am heutigen Samstag geht diese Woche des „Lätare“ zu Ende. Morgen wird wieder ein Wochenauftakt, ein Sonntag – eine Auferstehungstag -  begangen. Auf ganz unterschiedliche Weise mit Texten, mit Musik, mit Videos von Gottesdiensten, die in den Medien zu lesen, zu hören und zu sehen sein werden. Auch das ist gut.

Bevor es soweit ist, gebe ich uns noch einmal den Wochenspruch dieser Woche aus dem Johannes-Evangelium 12,24 zu bedenken: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“

Der Evangelist verdichtet Tod und Leid und Trost und Hoffnung in kurzen anschaulichen Sätzen zur frohen Botschaft. Und wieder ist die Natur Patin: die Lebenshingabe Jesu am Kreuz ist keine sinnlose Tat Gottes. Sie trägt in sich den Keim für neues Leben, für vielfältiges Aufblühen von Liebe, Güte, Mitgefühl und Friedfertigkeit in dieser Welt. 

Sie wird wieder eine Ernte einfahren. Wir, die Glaubenden, die Hoffenden, sammeln und verschenken ihre Früchte. Auch in diesem Jahr.

 

Pastorin Sandra Hollatz / Bad Zwischenahn

 

Osterglocken

 

Dütt Johr gifft de violette Krokus de Passionstied de Farv. To Oostern laad nich de Karkenklocken to ´n Gottsdeenst in, sünnern de goldgelen Narzissen. De sünd in dütt Johr us Ooster-Klocken. Dat Gedenkemein erinnert us doran, dat Jesus Christus an sienen Disch Gemeenschop unner us stift hett. Doch wi warrt an Karfredag un an ´n Oostermorgen nich ut een Avendmahlkelch drinken. Aver wi deelt mit´nanner den Anblick von de moijen Bleuden von bunte Tulpen – de Märzenbecher is ja all verbleud...  Un in de Oosternacht warrt de Sternhyazinthe oplüchten ansteed von de Oosterkeers. De Karkenchor mutt to Huus blieven. Wenn wi fröh an ´n Morgen dat Finster opmaakt, klingt us dorför woller een Freeluftkunzert von Amsel, Drossel, Fink un Star entegen.

 

De Schöpfung atent op, nich blots in use Gardens. De Natur kann sik in düsset Fröhjohr ´n beten von us Mischen verhalen. Dat is een lütten Trost, un ik bün nich de Menen, dat dat zynisch is, bi all dat Leed, den de Corona-Virus bit nu al brocht hett. Al so lange Tied treedt wi de Natur mit Föten. Tominnst se draff nu to een Lichtblick weern in een düüster Tied.      

So is dat „Frühlingserwachen“ von de Natur, as bold noch nie tovör, för us een Glieknis för Oostern, för dat grote Fest von de Verwandlung, för dat Opstahn ut den Doot in ´t Leven. Ik bün froh doröver! Lätare, de Naam von den leßden Sünndag, den  4. Sünndag von de Passionstied, heet översett  „Freut jo!“ nach Jesaja 66,10. Düsse Sünndag warrt ok „lüütje Oostern“ nöömt, dat is dat Bargfest in de Liedenstied: de Hälft is al achter us. – Wo glückelk kunnen wi ween, wenn wi  al de Hälft von de Corona-Krise achter us harrn!

An den hütigen Sünnavend geiht düsse Week von „Lätare“ to Enn. Morgen begaht wi woller een Wekenanfang, een Sünndag – een „Auferstehungstag“ . Op ganz verschedene Aart un Wies mit Texten, mit Musik, mit Videos von Gottsdeensten, de een in de Medien to lesen, to hören un to sehn kriegen warrt. Ok dat is goot.

 

Ehrdat dat so wiet is, geev ik us noch mal den Spröök von düsse Week ut dat Johannes-Evangelium 12,24 to bedenken:  „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ 

 

De Evangelist  schrifft in siene frohe Botschaft över Doot un Leed un Hapen op korte, düütliche Aart un Wies. Un woller is de Natur Patin: dat Jesus sien Leven an ´t Krüüz hen geven hett, is kien sinnlose Daat von Gott. Se driggt den Keim för ne´et Leven in sik, för veelfältiget Opbleuhen von Levde, Güte, Mitgeföhl un Freedfertigkeit in düsse Welt.  

 

Se warrt woller een Arnt infahren. Wi, de wi glöven un hapen doot, sammelt un verschenkt ehre Früchten. Ok in düsset Johr.       

             

Glaube, Liebe Hoffnung bleiben!

Glaube, Liebe, Hoffnung - Sticker (Foto: Gundolf Krauel)

Glaube, Liebe Hoffnung bleiben!

 

Andacht für den 27.03.2020

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gesprochen von Gundolf Krauel

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Liebe Menschen in unserem Kirchenkreis! 

 

Auf einem Pin, einem kleinen Anstecker eines Fanclubs des Hamburger Sport Vereins, finden sich neben den Symbolen Anker und Herz auch die drei Worte Glaube, Liebe und Hoffnung.

 

Sie stammen aus dem 1. Korintherbrief im Neuen Testament, in dem der Apostel Paulus schreibt:

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei;

aber die Liebe ist die größte unter ihnen

( 1. Korinther 13, 13 ).

 

Was für mich erstaunlicherweise sogar Fußballfans ausdrücken, gilt in dieser für uns alle so schweren und bedrückenden Zeit ganz besonders: 

Als Christen*innen richten wir unseren Glauben und unser Vertrauen auf Gott und seinen Sohn Jesus Christus.

Wir richten unsere Hoffnung auf die Nähe und Begleitung durch unseren Herrn.

Wir antworten darauf mit unserer Liebe zu Gott und zu den Nächsten. Diese können die Verwandten in einer Familie, gute Freunde*innen oder auch Menschen aus unseren Kirchengemeinden sein.

Ihnen schenken wir unsere Liebe, Zuwendung und Aufmerksamkeit.

 

Aus dem gemeinsamen Glauben, der grundlegenden Hoffnung und der absoluten Liebe dürfen wir gerade in dieser im Moment so besonders stark empfundenen Passions-, das bedeutet Leidenszeit, Kraft und Mut für unser eigenes und unser gemeinsames Leben ziehen.

 

Die Passionszeit erinnert uns immer wieder sehr deutlich an den Weg des Gottessohnes Jesus Christus.

Er ist diesen Weg radikal gegangen, der ihn über Verurteilung und Verspottung bis hin zum Kreuz geführt hat.

Er hat das Kreuz anschließend durch seine Auferstehung am Ostermorgen durchbrochen und für immer hinter sich gelassen.

 

Darum steckt für mich und meinen Glauben auch in einer solch krisenhaften Zeit, die uns alle aktuell bewegt und umtreibt, dennoch das Licht des neuen Lebens, das Jesus Christus uns nach der Passion und nach dem Kreuz durch seine Auferstehung eröffnet.

 

Jede und jeder von uns kann so wie die Fußballfans aus Hamburg darauf vertrauen, dass Gottes Gnade und Beistand sie oder ihn niemals verlassen. 

Er schenkt uns besonders in solch bewegenden Tagen und Wochen, die wir auf der ganzen Welt aktuell erleben, Glaube, Hoffnung und Liebe.

 

Im Gebet dürfen wir Gott jederzeit all das sagen, was uns gerade umtreibt, was uns beschwert und bedrückt.

In der Fürbitte bringen wir andere, uns wichtige Menschen immer wieder direkt vor Gott.  

 

Dass Ihnen und Euch dieses grundlegende Vertrauen auf Gott Ermutigung und Gelassenheit schenken möge, wünscht von ganzem Herzen 

 

Pfarrer Gundolf Krauel

Rastede-Wahnbek

 

 

Leve Minschen in usen Karkenkreis!

 

Op een Pin, een lütten Anstecker von een Fanclub von den Hamborger Sport Vereen,  finndt sik neben de Symbole Anker un Hart ok de dree Wöör „Glaube, Liebe und Hoffnung“.

Se stammt ut den 1. Korintherbrief in ´t ne´e Testament, in den de Apostel Paulus schrifft:   Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen ( 1. Korinther 13, 13 ).

Ik hebb mi wunnert, dat sogar Footballfans hier to ´n Utdruck bringt, wat för us all gellen deit, besünners in so swore un bedrückende Tieden. As Christen*innen richt wi usen Glauben un us Vertoen op Gott un sienen Sohn Jesus Christus.  Wi richt use Hoffnung op de Neegde un de Begleitung dör usen Herrn. Wi antert dorop mit use Liebe to Gott un to usen Nächsten. Dat köönt de Verwanden in een Familie, gode Frünnen oder ok de Minschen in us Karkengemeen ween. De schenkt wi use Levde, Towendung un Opmerksamkeit

Ut den gemeensamen Gloven, de togrund liggende Hapen un de afslute Levde dröfft wi, just in düsse, in ´n Momang besünners stark to föhlende Passions-, dat heet Liedenstied, Kraft un Moot för us egen un us gemeensamet Leven trecken. 

De Passionstied erinnert us jümmer woller heel düütlich an den Weg von Gottes Sohn Jesus Christus.  He is düssen Weg radikal gahn, de em över de Veroordelung un dat Verspotten bit hen an ´t Krüüz föhrt hett. He hett dat Krüüz denn dör siene „Auferstehung“  an ´n Ostermorgen dör broken un för jümmer achter sik laten.

Dorum steckt för mi un mienen Gloven ok in düsse kritische Tied, de us all aktuell bewegt un umdrifft, dennoch dat Lücht von ´t ne´e Leven, dat Jesus Christus us na de Passion un na dat Krüüz dör siene „Auferstehung“ wiesen deit. 

Jede un jeder von us kann so, as de Footballfans ut Hamborg, dorop vertroen, dat de Gnaad un de Bistand Gottes se oder em nienich verlaten warrt. He schenkt us besünners in so bewegte Tieden, de wi op de ganze Welt im Momang beleven doot, Glaube, Hoffnung und Liebe. 

In ´t Gebett dröfft wi Gott alltied all dat seggen, wat us just umdrifft, wat us dat Hart swoor maakt un us bedrückt. In de Förbidde bringt wi anner, us wichtige Minschen jümmer woller direkt vör Gott.

Dat för Se un för Jo düsset Grundvertroen op Gott Moot gifft un  „Gelassenheit“ schenkt wünscht von ganzen Harten,

 

Gundolf Krauel. Pastor in Wahnbek

Konfirmation für alle!

Zum Festmachen da: Der Altar in der St. Ulrichs Kirche zu Rastede. (Foto: Grohs)

Konfirmation für alle!

 

Andacht für den 26.03.2020

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gesprochen von Pastorin Birgit Grohs

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Sich festmachen, stärken, ermutigen - das alles sind mögliche Übersetzungen des lateinischen Verbs „confirmare“, von dem sich unser Wort „Konfirmation“ ableitet.

In diesen Wochen hätten die Konfirmationsfeiern begonnen. Viele junge Menschen und ihre Familien haben ein schönes Fest geplant, etwas Schickes zum Anziehen besorgt und vielleicht schon Einladungskarten vorbereitet. Und nun? Keine Gottesdienste, also auch keine Konfirmationsfeste.

Wir werden diese Feiern hoffentlich auf andere Weise nachholen können, aber zunächst einmal überwiegt ganz klar die Enttäuschung.

Trotzdem oder vielmehr gerade deshalb hier ein Vorschlag, wie wir alle jeweils für uns persönlich in diesen Tagen „Konfirmation“ feiern können, „Konfirmation“ im oben genannten Sinne von „sich festmachen“:

Hinter jeder Konfirmation steht ein Versprechen. Gottes Versprechen, das uns mit der Taufe zugesprochen wurde: „Ich bin für dich! Du gehörst zu mir!“

Wenn wir mit den Jugendlichen Konfirmation feiern, fordern wir sie auf, sich zu dem Freundschaftsangebot Gottes zu verhalten. Willst Du diese Nähe? Möchtest Du zu Jesus Christus gehören? Willst du dich an Gott „festmachen“?

Bei einem Konfirmationsgottesdienst vor einigen Jahren gab ich den Jugendlichen einen Karabinerhaken und forderte sie auf, sich mit ihrem Haken nacheinander symbolisch an dem Altarkreuz festzumachen. So entstand eine lange starke Kette, festgemacht am Kreuz, festgemacht an Jesus.

Wenn Sie mögen, können Sie in diesem Sinne auch zu Hause „Konfirmation“ feiern:

Haben Sie vielleicht ein Kreuz und einen Karabinerhaken im Haus? Wissen Sie vielleicht noch Ihren Tauf- oder Konfirmationsspruch oder können ihn noch auf einer Urkunde oder im Stammbuch finden? 

Zünden Sie sich doch eine Kerze an und stellen Sie diese zu Kreuz und Karabinerhaken. Beginnen Sie ein Gespräch mit Gott. Erzählen Sie ihm, was Sie gerade beschäftigt, was Sie ängstigt, freut und wo Sie sich vielleicht unsicher fühlen oder einen guten Rat brauchen.

Wie lautete auch noch der Taufspruch, den Sie vielleicht im Stammbuch gefunden haben? 

Dann gönnen Sie sich ein paar Minuten der Stille. 

Kommt ein neuer Gedanke dazu?

Fügt sich etwas neu zusammen?

Tut mir dieser Moment in der Nähe Gottes gut?

Schließen Sie Ihr Gebet, wenn Sie mögen, mit dem Vaterunser oder folgenden Worten ab:

„Gott, Du kennst mich! Du siehst mich! Du bist hier bei mir! Danke!

Ich mache mich bei Dir fest, denn ...

`Der HERR ist meine Stärke und mein Schild;

auf ihn traut mein Herz und mir ist geholfen.

Nun ist mein Herz fröhlich,

und ich will ihm danken mit meinem Lied.` (Psalm 28,7)

Amen.“

Und wenn Ihnen dann zum Singen zumute sein sollte, tun sie es.

 

In all dem geschieht ein Stück „Konfirmation“: Ich mache mich neu fest an dem, der mich und diese Welt trägt, werde gestärkt und ermutigt.

 

Gute Erfahrungen mit dieser „Konfirmation für alle“ wünscht Ihnen 

 

Pastorin Birgit Grohs /  Rastede

 

 

Konfirmatioon för all!

 

Sik fast maken, stark maken, Moot maken – dat allens steiht för dat latiensche Verb „confirmare“, ut dat sik use Woort „Konfirmatioon“ ergeven hett. 

In düsse Weeken harrn egens de Konfirmationen ween schullt. Vele junge Lüe un ehre Familie hebbt een moijet Fest plaant, püüke Kledaasch besorgt un villicht al Inladungn schreven. Un nu? Kiene Gottsdeenste, also ok kiene Konfirmatioonsfeste. 

Wüllt hapen, dat wi düsse Fiern op anner Aart un Wies naholen köönt, aver eerstmal is de Enttäuschung groot. Liekers oder veel mehr just darum hier een Vörslag, wo wi all in düsse Daag „Konfirmatioon“ fiern köönt, jeder vör sik persönlich, so as dat mit dat Woort „confirmare – fastmaken“  meent is.

Achter jede Konfirmatioon steiht een Verspreken.  Een Verspreken von Gott, dat us mit de Dööp geven wurrn is: „Ik bün för di (dor?)! Du hörst to mi!“ Wenn wi mit de jungen Lüe Konfirmatioon fiern doot, foddert wi se op, to dat Fründschopsangebott von Gott Stellung to nehmen. Wullt du düsse Neegde? Wullt du to  Jesus Christus hörn? Wullt du di an Gott „fastmaken“? 

Wenn se wüllt, köönt Se in düssen Sinn ok tohuus „Konfirmatioon“  fiern: Hebbt Se villicht een Krüüz un een Karabinerhaken in ´t Huus? Besinnt Se ik villicht noch op den Spröök to Ehre Konfirmatioon, oder köönt den noch op een Urkund in´t Stammbook finnen? 

Stickt Se sik een Keers an un stellt de to dat Krüüz un den Karabinerhaken. Fangt Se een Gespreek mit Gott an. Vertellt Se em, wat Se just nu umdrifft, wat Se Bang maakt, wat Se freit un bi wat Se sik nich seker föhlt oder wo Se een goden Rat bruukt. Wat weer dat ok noch för een Spröök, den Se vielleicht  in ´t Stammbook funnen hebbt. Günnt Se sik ´n paar Minuten Stille. – Kummt dor noch een ne´en Gedanken dorto?  - Finndt dor jichtenswat nee tosamen? – Deit mi düsse Momang in de Neegde von Gott goot? 

Sluut Se Ehr Gebett, wenn Se da möögt, mit dat „Vaterunser“ oder de folgenden Wöör af: 

„Goot, Du kennst mi! Du sühst mi! Du büst hier bi mi! Danke!

Ik maak mi bi di fast, denn...

`Der HERR ist meine Stärke und mein Schild;

auf ihn traut mein Herz und mir ist geholfen.

Nun ist mein Herz fröhlich,

und ich will ihm danken mit meinem Lied.`

(Psalm 28,7)

Amen.“

Un wenn Se denn to ´n Singen tomoot wenn schull, den maakt Se dat.

In dat all passeert een Stück „Konfirmatioon“ : Ik maak mi nee fast an denn, de mi un düsse Welt dreggt, he maakt mi stark un gifft mi Moot. 

Gode Erfahrungen mit düsse „Konfirmatioon för all“ wünscht Se

Pastorin Birgit Grohs /  Rastede

Das fehlt uns in diesen Tagen!

Das fehlt uns in diesen Tagen!

 

Andacht für den 25.03.2020

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gesprochen von Sabine Feuerhake

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Die Nähe zu anderen Menschen, sich geborgen fühlen, sich in den Arm nehmen zu können.

Enkelkinder vermissen die Großeltern oder andere Familienmitglieder und umgekehrt.

Junge Menschen, Freunde, Cliquen vermissen es, sich eine gute Zeit miteinander zu machen, Partys zu feiern.

Kinder vermissen ihre Freunde in Schule und Kindergarten.

Frauen und Männer vermissen es, einfach zur Arbeit zu gehen, den Tag zu planen, Bekannte zu treffen, abends auf ein Bier oder eine Cola zusammen zukommen.

Ältere Menschen vermissen es, einfach beim Bäcker einen Kaffee zu trinken, ein bisschen Zeitung zu lesen und ein Stück Kuchen zu essen. Und so vieles anderes mehr vermissen wir.

 

Und gleichzeitig gibt es oft zu viel Nähe. Die von uns, welche nicht allein leben, spüren auch täglich, dass wir jetzt sehr eng miteinander leben. Eltern mit den Kindern in einer Wohnung, in einem Haus, mit Garten, ohne Garten. Eltern mit kleinen Kindern, die toben wollen und die ganze Aufmerksamkeit einfordern. Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen, die in diesen Tagen eng zusammen leben.

Sie und andere vermissen einen Freiraum für sich selbst, mal Luft holen können, mal einen räumlichen Abstand nehmen können. Das ist so wichtig – und jetzt nicht so möglich.

 

Der erste Streit gleich am Morgen beim Frühstück und die kommende Zeit ist sehr angespannt. Die Nerven sind dünn. Die Nachrichten über Radio, Lifeticker und Internet lassen nicht aufatmen. Die Nachrichten im Fernsehen machen uns deutlich, es ist nicht möglich, eine zeitliche Begrenzung aller Maßnahmen zu geben. Das macht uns Druck, das macht uns auch Angst.

Kinder fragen nach dem Virus, sie machen sich ihre Gedanken und schnappen ja so vieles auf, was geredet und gesendet wird. Sie zu beruhigen und gleichzeitig aufzuklären, zeigt uns anderen, wie sensibel wir sind, wie wichtig es ist, jedes Wort abzuwägen und gleichzeitig besonnen und beruhigend zu reden.

 

„Ich glaub, ich muss mal auf den Arm!“, diesen Satz gibt es in meiner Familie. Gesagt haben das sogar mehr Große als Kleine. „Ich glaub, ich muss mal auf den Arm!“ Ich brauche jetzt eine warme Schulter, um mich anzulehnen. Ich brauche ein klein wenig Geborgenheit. Ich bin in mir so unruhig und dünnhäutig, ich brauche deinen Trost.

Und dann sitzen da zwei Menschen und lehnen sich aneinander oder schmiegen sich an die Schulter, an den Arm. Sie reden oder schweigen miteinander, trinken Kaffee oder sind ganz still.

 

„Ich glaub, ich muss mal auf den Arm!“ wird zum Aufatmen. Ich darf für mich sorgen, darf sagen, dass ich heute Geborgenheit brauche, darf zeigen, wie dünnhäutig mir zu Mute ist. Ich darf um Zuwendung bitten, darf getröstet werden.

Ob als Kind, als Erwachsene*r, ich bin heute bedürftig nach Nähe und Trost.

In meiner Familie kenne ich viele solcher Zeiten. Ich kenne die Minuten „des auf den Arm nehmens“ auf dem Küchensofa, am Bett des Kindes, unterm Apfelbaum. Ich kenne aus Erfahrung, dass ich genauso „auf den Arm kann“, wenn wir dabei miteinander telefonieren.

 

Ich schreibe darüber und denke an die biblischen Worte  im Alten Testament. Im Buch Jesaja wird von Gott berichtet, dass Gott zu uns Menschen spricht: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Eine Erfahrung, die mich einhüllt. Ich sehne mich danach so getröstet und genährt zu werden, dass ich von mir selber sagen kann, Gott tröstet mich und nährt mich, wie eine gute Mutter.

 

Heute können wir schon erzählen, was uns in diesen vergangenen Tagen geschehen ist, was es mit uns gemacht hat. Jeder kommende Tag wird seine ganz eigene Aufgabe an uns stellen. Mancher Tag wird uns herausfordern und uns an unsere Kraftgrenzen bringen.

 

Wenn Sie mögen, so sorgen sie gut für sich und damit ja auch für andere. Und sagen Sie es, wenn Sie „mal auf den Arm“ müssen.

Es ist jemand für Sie da. Auf dem Sofa. Am Telefon. An der Haustür. Am Handy.

Es ist jemand für uns da – Im Glauben. In Verbundenheit. Im Herzen.

 

Pfarrerin Sabine Feuerhake / Reekenfeld

 

niederdeutsche Übertragung von

Annegret Peters / Hude

 

Dat fehlt us in düsse Daag!

De Neegde to anner Minschen, sik schuult föhlen as in´n Schoot van de Mudder, sik in de Arms nehmen to könen. Enkelkinner vermisst de Grootöllern oder anner Minschen ut de Familie  un annersrum is dat just so. Junge Lüe, Frünnen, Cliquen vermisst dat, sik een gode Tied mit´nanner to maken, Partys to fiern. Kinner vermisst ehre Frünnen in de School un in ´n Kinnergarden. Froonslüe  un Mannslüe vermisst dat, eenfach to de Arbeit to gahn, den Dag to planen, Bekannte to drapen, avends noch op ´n Beer oder ´n Cola tohoop to kamen. Öllere Lüe vermisst dat, eenfach bi ´n Bäcker ´n Koffie to drinken, een beten in ´t Blatt to lesen un een Stück Koken to eten. Un so veel anner Saken mehr vermisst wi.

Un to glieke Tied gifft dat faken to veel Neegde. De von us, de nich alleen leevt, kriegt dat elkeen Dag to spören, dat wi nu bannig eng mit´nanner leevt. Öllern mit ehre Kinner in een Wahnung, in een Huus, mit Garden, ahn Garden. Öllern mit lütte Kinner, de jachtern wüllt un de hele Opmerksamkeit infoddert. Familien mit Angehörige, de Plege bruukt, de in düsse Daag eng tohoop leevt. Se un ok vele anner Lüe vermisst een Ruum för sik sülvst, mal Luft halen könen, mal ´n beten Afstand von´nanner to hebben. Dat is bannig wichtig – un to Tied nich so mööglich.

De eerste Stried glieks an ´n Morgen bi ´t Fröhstück un de tokamen Tied is bannig angespannt. De Nerven liggt blank. De Narichten över ´t Radio, Lifeticker un Internet laat een nich opaten. De Narichten in ´t Feernsehn maakt us klaar, dat dat nich mööglich is to seggen, wo lang dat allens duern warrt. Dat sett us unner Druck un maakt us Bang. Kinner fraagt na den  Virus; se maakt sik ehr Gedanken un snappt ok  veel op, wat dor so snackt un send warrt. Se to begööschen un to glieke Tied allens to verklaren,  wiest us all, wo sensibel wi sünd, wo wichtig dat is, elkeen Woort aftowegen un dorbi  natodenken, wat man snackt.

„Ik glööv, ik mutt mal op ´n Arm!“ düssen Satz gifft dat in mien Familie. Dat hebbt sogor fakener de Groten seggt, as de Lütten. „Ik glööv ik mutt mal op ´n Arm!“ Ik bruuk nu een warme Schuller, um mi dor antolehnen. Ik bruuk ´n lütt beten Geborgenheit. Ik kaam nich to Roh un mien Huut is dünn, ik bruuk  dienen Trost. Un denn sitt dor twee Minschen un lehnt sik een an den annern oder schuult sik an de Schuller, an den Arm. Se snackt oder se swiegt, drinkt Koffie oder sünd eenfach still.

„Ik glööv, ik mutt mal op ´n Arm!“  lett een opaten. Ik draff mi Sorgen maken, draff seggen, dat ik vandagen Geborgenheit bruuk, draff wiesen, wo dünn mien Huut is. Ik draff dorum beden, dat de anner sik mi towennen deit, ik draff mi trösten laten. Of as Kind oder Erwachsene*r, ik leng  mi vandagen na Neegde un Trost. In mien Familie kenn ik ´n Menge von socke Tieden. Ik kenn de Minuten von „op ´n Arm nehmen“ op ´t Kökensofa, an ´t Bett von de Kinner, unner den Appellboom. Ik hebb de Erfahrung maakt, dat ik just so „op den Arm kann“ , wenn wi dorbi mit´nanner telefoneren doot.

Ik schriev doröver un denk an de Wöör in ´t Ole Testament. In ´t Book Jesaja steiht, dat Gott to  us Minschen seggt: „ Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Een Erfahrung, de ganz un gor um mi to is. Ik hebb Lengen dorna Trost un wat to Eten to finnen. Dat ik von mi sülvst seggen kann, Gott gifft mi Trost un wat to Eten, as een gode Mudder.

Vandagen köönt wi al vertellen, wat us in düsse verleden Daag passeert is, wat dat mit us maakt hett. Elkeen tokamen Dag warrt sien ganz egen Opgaav an us stellen.  Männig een Dag warrt us rutfoddern un us an de Grenzen von us Kraft bringen.

Wenn Se möögt, denn sorgt Se goot för sik un dormit ok för anner Lüe. Un seggt Se dat, wenn Se „mal op den Arm“ mööt. Dor is een för Se dor. Op dat Sofa. An ´t Telefon. An de Huusdöör. An ´t Handy. Dor is een för us dor – in us Gloven. In Verbundenheit. In ´t Hart.

Es gibt sie auch bei uns, die Menschen mit der Mailänder Seele, die von Herzen singen und musizieren

„Es gibt sie auch bei uns,

die  Menschen mit der Mailänder Seele,

die von Herzen singen und musizieren“

 

Andacht für den 24.03.2020

 

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Wo seid ihr alle? All ihr Leute mit der Mailänder Seele? Wo seid ihr Sänger und Musikanten? Da war unser Schatz doch mal groß: Es gab große gemischte Chöre. Und von meiner Mutter, Jahrgang 1919 weiß ich, dass sie mit ihren 4 Geschwistern am Abend, wenn alle um das Feuer auf der Tenne herumsaßen, 4-stimmig gesungen haben. Und es klang wunderschön. Ich weiß, dass noch heute die Heimatvereine tun, was sie können, um den Tanz zur Musik an die Kinder weiter zu geben.

Okay, wir dürfen uns im Moment nicht treffen. Aber Balkone oder auch Vorgärten gibt es doch auch hier. Es ist so schrecklich still am Abend um 19.00 Uhr, wo doch überall das Lied >Der Mond ist aufgegangen< gesungen werden soll. Und wie wohltuend könnte das sein, wenn dann noch ein weiteres Lied erklingt. Irgendeines, das jeder kennt, ein Volkslied, ein alter Schlager, von mir aus auch was anspruchsvolles. Hauptsache etwa ermutigendes. Wir haben es am vergangenen Abend so gemacht, dass wir das Lied von Youtube am offenen Fenster richtig laut gespielt und dazu gesungen haben. Wir werden damit fortfahren.

 

Ich möchte also euch, die ihr irgendein Instrument spielen könnt, bitten, am Abend mal eben das Fenster zu öffnen und euer Lieblingsstück erschallen zu lassen. Vielleicht stellt ihr dazu auch eine Kerze ins Fenster – als eine Art Licht der Hoffnung, das zeigt, dass da noch Leben ist. Es soll ein Dank sein an alle, die weiterhin in Pflege und Handel für ihre Mitmenschen da sind. Und es soll ein Gruß sein an alle, die einsam sind, weil ja jetzt auch keine Besuche mehr erfolgen.

Nur – wennn ihr mitmacht, lasst euch nicht zu schnell entmutigen. Vielleicht gehen  erst nach 1 Woche andere Türen auf. Aber das wärs doch wert, oder?

 

Es wurde immer gesungen in den christlichen Gemeinden. Paulus hat im Gefängnis gesungen, bis die Ketten fielen. Der junge David hat für seinen König Saul gesungen und die Laute gespielt, weil nur das dem alten König Frieden geben konnte. Mit Gospels haben die Sklaven Amerikas ihren Herren das singen können, was sie nicht sagen durften: Gott ist mit uns! Und die Wende 1989 war auch nur möglich mit Friedens- und Hoffnungsliedern.

 

Und dann gibt es da ja auch noch den Propheten Jona, der vor Gottes Auftrag weglaufen wollte und den die Mannschaft dann einfach über Bord geworfen hat, als wegen ihm ein furchtbarer Sturm aufkam. Zum Glück kam gerade ein großer Fisch daher...

 

Klaus-Peter Hertzsch hat die Geschichte da so erzählt:

„Er saugte den Propheten ein.

Der rutschte in den Bauch hinein.
Dort saß er, glitschig, aber froh:

denn naß war er ja sowieso.

Da hat er in des Bauches Nacht

ein schönes Lied sich ausgedacht.
Das sang er laut und sang er gern.

Er lobte damit Gott den Herrn.

Der Fischbauch war wie ein Gewölbe:

das Echo sang noch mal dasselbe.
Die Stimme schwang, das Echo klang,

der ganze Fisch war voll Gesang.“

 

Wer weiß, vielleicht können wir es ja irgendwie auch schaffen, solch ein Echo hervor zu rufen in unseren Orten, zumindest hier und da. Ein heilsames Echo. Ein verbindendes Echo. Denn so wie es aussieht, sind wir Menschen ja gar nicht so verschieden, wie manche behaupten. Das Virus kümmert sich jedenfalls nicht um Hautfarbe oder Nationalität. Und außerdem zeigt es, wie weit wir schon vernetzt sind – und daran wird sich auch nicht mehr viel ändern in Zukunft, es sei denn, irgendwelche Staatenführer glauben, dass sie allein mit diesem Problem fertig werden können.

 

Also Ihr lieben Sänger, Organisten, Musiker, Trompetenspieler,  Trommler, und ja, auch ihr YouTuber. Lasst euch hören. Leute, reaktivert eure Mundharmonikas!  Kinder, nehmt was ihr kriegen könnt für den Rhythmus.  Heute abend um 19.00 Uhr – und dann jeden Tag! Macht den Menschen Mut!

 

 

Pastorin Regina Dettloff / Edewecht

 

Niederdeutsche Übertragung von

Annegret Peters / Hude

 

Wo sünd ji all? All ji Lüe mit de „Mailänder Seele“? Wo sünd ji Sängers un Muskanten? Dor weer us Schatz doch mal so groot: Dor geev dat grote gemischte Chöre. Un von mien Mudder, Johrgang 1919, weet ik, dat se mit ehre veer Geschwister avends, wenn se all tosamen op de Deel um dat Füer umto seten, veerstimmig sungen hebbt. Un dat hett wunnerbar klungen. Ik weet, dat ok vandagen de Hematverenen noch dot wat se köönt, um den Danz un de Musik an de Kinner wieter to geven.

Goot, wi dröfft in ´n Momang NICH tosamen kamen. Aver Balkone oder Gardens gifft dat doch ok hier bi us. Dat is bi us so gräsig still avends um 19.00 Uhr, wo doch överall dat Leed „Der Mond ist aufgegangen“ sungen warrt. Wo goot wurr us dat doon, wenn wi dor mit bi ween kunnen, un noch so ´n paar anner Leder to hörn weern. Jichtenswat, dat jedereen kennen deit, ´n Volksleed, ´n olen Schlager, von mi ut ok wat mit mehr Ansprook. Hauptsaak wat, dat us Moot maakt. Wi hebbt dat güstern so maakt, dat wi dat Leed von Youtube an ´t open Finster recht luut speelt un dorto sungen hebbt. Wi warrt so wieter maken.Ik much jo all, de ji jichtenseen Instrument spelen köönt, bidden. avends mal even dat Finster open to maken, un joe levsten Musikstücken erschallen to laten. Viellicht stellt ji denn ok noch een Keers in ´t Finster – as so ´n Aart Lücht för ´t Hapen, dat wiesen schall, dat dor noch Leven is. Dat schall een Dank ween an all de, de wieter in de Plege un ´n Hannel för ehre Mitminschen dor sünd. Un wi wüllt all de gröten, de eensam sünd, wiel ja nu nümms mehr to Besöök kamen draff.

Blots – wenn ji mitmaken doot, laat den Moot nich so gau sinken. Mag ween, un dat duert ´n Week, bit een anner Döör opgeiht. Aver dat weer de Saak doch weert, oder?

Dor wurr jümmer sungen in de christlichen Gemeenen. Paulus hett in ´t Kaschott sungen, bit dat siene Keden fullen. De junge David hett för sienen König Saul sungen un de Laute speelt, wiel blots dat den olen König Freden geven kunn. Mit Gospels hebbt de Sklaven in Amerika ehre Herren dat sungen wat man nich seggen droff: Gott is mit us! Un de Wende 1989 weer ok blots mit  Leder von Freden un Hapen mööglich. Un denn gifft dat dor ok noch den Propheten Jona, de vör den Opdrag von Gott weglopen wull und den de Mannschop eenfach över Boord smeten hett, as wegen em een gräsigen Storm opkeem. Ton ´n Glück keem just een groten Fisch vörbi...

 

Klaus-Peter Hertzsch hat die Geschichte da so erzählt:

 

„Er saugte den Propheten ein.

Der rutschte in den Bauch hinein.
Dort saß er, glitschig, aber froh:

denn naß war er ja sowieso.

Da hat er in des Bauches Nacht

ein schönes Lied sich ausgedacht.
Das sang er laut und sang er gern.

Er lobte damit Gott den Herrn.

Der Fischbauch war wie ein Gewölbe:

das Echo sang noch mal dasselbe.
Die Stimme schwang, das Echo klang,

der ganze Fisch war voll Gesang.“

 

Wer weet, viellicht köönt wi dat ja jichtenswi ok schaffen, so een Echo in use Orte hervor to ropen, tominnst hier un dor. Een heelsamet Echo. Een Echo, dat verbinnen deit. Denn so as dat lett, sünd wi Minschen ja gor nich so verscheden,  as dat seggt warrt. Dat Virus scheert sik nich um Huutfarv oder Nationalität. Un butendem wiest dat, wo wiet wi al vernetzt sünd – un dor warrt sik ok nich mehr veel ännern in Tokunft, uter wenn jichtenswecke Staatsföhrer glöövt, dat se alleen mit düsset Problem fardig weern köönt.

Also Ji leven Sängers, Organisten, Muskanten, Trumpetenspelers, Trummlers, un ja, ok ji You Tubers. Laat jo hören. Lüe, reakteveert joe Mundharmonikas! Kinner, nehmt wat ji kriegen köönt för den Rhythmus. Hüüt Avend um 19.00 Uhr – un denn jedeen Dag!  Maakt de Minschen Moot

Hatten wir wirklich gedacht, dass es immer so weitergeht?

Hatten wir wirklich gedacht, dass es immer so weitergeht?

 

Andacht für den 23.03.2020

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gesprochen von Holger de Buhr

Download als MP3 - niederdeutsch - gesprochen von Petra Bohlen

 

Hatten wir wirklich gedacht, dass es immer so weitergeht? In den vergangenen Monaten war es zu spüren: Ein großes Unbehagen bei vielen Menschen. In fast allen Lebensbereichen. Drohender Klimawandel, unsichere Renten, drohender Kollaps auf dem Immobilienmarkt, in der Wirtschaft. Das war vor der Corona-Epidemie. Jetzt sind wir mittendrin. Und es ist eine Frage der Zeit, wann alles anders sein wird. Es deutet sich an, dass kein Stein mehr auf dem anderen liegt. Dass sich von nun an vieles verändern wird, was keiner von uns zu diesem Zeitpunkt ahnen kann. Hatten wir wirklich gedacht, wir würden das schon alles im Griff haben? Die meisten schienen es vergessen zu haben, dass wir ein Teil der Natur sind. Die Corona Ausbreitung führt es uns deutlich und hart vor Augen. Sie rüttelt an alle sicher geglaubten Fundamente. Und das schon seit geraumer Zeit bestehende Unbehagen geht bei vielen Menschen in Angst über. Wir stehen vor einer Zeitenwende. „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Joh. 12,24). Für mich bekommt der Wochenspruch zu Lätare jetzt eine besondere Bedeutung. Es wirft in mir Fragen auf. Was bleibt vom Leben? Was bleibt im Leben, wenn wir leben? Es sind die winzigen kleinen Augenblicke – klein, wie ein Weizenkorn. Der verstorbene Roger Willemsen hat es so auf den Punkt gebracht: „Die Ewigkeit findet in diesen kleinen besonderen Augenblicken des Lebens statt. Und dafür lebt er. Aber das bedeutet auch, dass wir wachsam und aufmerksam durch die Welt gehen und diese Augenblicke nicht an uns vorüberziehen lassen. Wer stets an anderem festhält, wer denkt, dass alles unendlich ist in diesem Leben und es immer so weiter geht, wer ständig verschiebt und demnächst anfangen will zu leben, der spürt diese winzigen Augenblicke nicht.“ Jesus schlägt vor, so zu leben, wie ein Weizenkorn, das erst in die Erde fallen und sterben muss. Erst dann bringt es Frucht. Ein drastisches Bild, an nichts festhalten, sondern von allem loszulassen. Es ist ein Augenblick, in dem Jesus selber davon spricht, dass er angesichts des Todes erschüttert ist und Angst hat. Aber wenn wir vertrauen, dann werden wir mit jedem Atemzug anders sein, anders existieren, andere Menschen sein. Solange wir denken, dieses Leben auf der Erde muss man verteidigen mit Krallen und Zähnen, wird es immer eng bleiben. Die Angst vor dem Tod wird uns töten – ehe er uns physisch ereilt. Die Kraft , wirklich zu leben, wird uns genommen, indem wir immer hektischer, immer eingeschnürter darauf aus sind, nicht mehr zu leben. Sondern unser Leben zu sichern, abzusichern, zu versichern, rückzuversichern. Und je sicherer es ist, desto sicherer ist es tot. Man wird das nur so übersetzen können, dass es für Jesus gleichgültig ist, wie lange man lebt, wie sicher und erfolgreich man ist. Denn so kommt man nie zum Wesentlichen, findet nie sich selber und kann in dem Grab, das er sich für sein Leben schaufelt, die Ewigkeit weder glauben noch überhaupt wünschen. Es geht ja um etwas anderes: Dass man die Angst verliert. Auch vor dem eigenen Tod." Wer nur sich selbst sieht, wird einsam! Er verliert den Sinn des Lebens aus den Augen, hängt oft unrealistischen Vorstellungen an, anstatt zu sehen und zu tun, was Glück, Erfüllung und Liebe bringen kann. Nur wer sein "Ego", seine Selbstvergötterung aufgibt, kann sich auf anderes, wichtigeres und höheres als sich selbst einlassen, ist zur Liebe fähig! Man kann weitherzig werden, sagt Jesus. Großzügig. Und hier und da Sicherheiten aufgeben. Denn die Menschlichkeit zu leben, lohnt mehr als die vielen faulen Kompromisse. „Und so lang du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast, auf der dunklen Erde.“ (Goethe). Das kleine Weizenkorn kann für uns ein Bild sein, das zu verstehen. Wir selber mit unserem kleinen und engem Dasein, haben einander unendlich viel zu geben. Ein jedes bisschen Liebe, das wir entgegen aller Angst füreinander aufbringen, macht uns zum Brot – auf dem Weg in die Unendlichkeit. Im Lieben schenken wir uns, geben uns hin. Wir sterben ein wenig, um zu leben. Im Klammern an uns selbst lieben wir nicht. Wir Menschen brauchen uns nicht einschüchtern lassen von dem Gehetze, der üblen Nachrede, dem Status und Erfolg. Leben ist Risiko, Liebe ist Risiko. Bewegen wir uns also aufeinander zu und miteinander fort! Die Corona-Krise kann für jeden von uns eine große Chance sein.  Amen.

 

Pastor Holger de Buhr

Westerstede

 

 

Der Himmel ist so schön, weil Gott da wohnt

Der Himmel ist so schön, weil Gott da wohnt!

 

Andacht für den 22.03.2020

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - eingelsen von Petra Bohlen

Download als MP3 - niederdeutsch - eingelesen von Petra Bohlen

 

„Ich weiß jetzt, weshalb der Himmel heute morgen so schön aussieht. Weil da Gott wohnt.“ Das hat hat ein Kind vor ein paar Tagen zu mir gesagt. Rosa und violett, weiß und blau - in intensivsten Farben hat er uns an dem Tag entgegen geleuchtet. So wie er es in diesen Tagen oft tut, morgens, wenn die Sonne aufgeht. Statt des Weckers wecken mich morgens die Vögel. Ein Konzert des Lebens ist das, laut und fröhlich. Der Frühling kommt. Es ist wie jedes Jahr.

Und doch ist in diesem Jahr alles anders. Wir sehen die Bilder aus Italien. Wir hören von Infizierten bei uns, kennen sie vielleicht. Wir wissen, dass wir die Ausbreitung der Krankheit eindämmen müssen. Wir dürfen uns nicht mehr körperlich begegnen. Wir können nicht einmal in unseren Kirchen Gottesdienst feiern, obwohl doch heute Sonntag ist. Wir sorgen uns um unsere Liebsten und auch um uns selbst.

Dieser Gegensatz ist kaum auszuhalten. Der Gegensatz zwischen dem Zwitschern der Vögel und den Folgen der Krankheit. Es ist so, als hätte sich zwischen Himmel und Erde ein garstiger Graben aufgetan, in dem wir uns selbst kaum wieder finden. Ich möchte mit dem Kind in den Himmel schauen und mich einfach an den Farben freuen. Und ich sehe die Not, die teilweise schon unter uns ist und die mehr noch über uns zu kommen droht.

Heute ist der Sonntag Lätare. In der christlichen Tradition ein kleines Osterfest in der Passionszeit. Und ich denke: Ja, es gibt diesen Graben. Es gibt ihn in unserem Land und in uns selbst. Und selten haben ich ihn so stark gespürt wie jetzt. Mit dem „Himmel auf Erden“ ist es so eine Sache. Nicht erst seit dem Ausbruch der Krise, aber doch jetzt besonders. Es gibt lebensfeindliche Mächte wie diesen Virus. An dieser Krankheit ist nichts gut. Aber es gibt eben auch das andere. Gesten der Liebe und der Zuwendung gerade auch in dieser Zeit. Noch nie haben mich so viele liebe und herzliche Worte erreicht wie in diesen Tagen. Fast jeder Gruß ist mit einem guten Wunsch verbunden. Menschen bieten an, anderen zu helfen und entwickeln Ideen, wie wir unser Zusammenleben in dieser Zeit gestalten können. Vor allem aber - und darauf kommt es an - gibt es die Liebe Gottes, die stärker ist als all unsere Not. Es gibt den einen Gott, der uns tröstet und beisteht, so wie es uns in dem Predigttext für diesen Sonntag zugesagt wird. „Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jes. 66, 13). Wer getröstet werden muss, der ist in Not. Wir müssen uns unserer Not nicht schämen und unserer Ängste auch nicht. Aber wer sich darauf einlässt, von Gott getröstet zu werden, der hat das rettende Ufer schon erreicht. Das Licht von Ostern leuchtet auch in dieser Zeit. „Ich weiß jetzt, weshalb der Himmel heute morgen so schön aussieht. Weil da Gott wohnt“ hat das Kind gesagt. Er wohnt mitten unter uns.

 

Bleiben Sie behütet!

 

Ihr Kreispfarrer Lars Dede / Bad Zwischenahn

Gebrochen, aber nicht zerbrochen!

Die Kirschen blühen

Gebrochen, aber nicht zerbrochen!

 

Andacht für den 21.03.2020 

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gelesen von Petra Bohlen

Download als MP3 - niederdeutsch - gelesen von Hajo Freitag

 

Vor einigen Tagen waren meine Frau und ich am schönen Idasee in Idafehn joggen.  Beim Auslaufen blieb meine Frau unvermittelt stehen und sagte dann zu mir: „Schau mal!“, und zeigte dann auf einen blühenden Ast. Erst verstand ich gar nicht, was sie meinte, aber dann sah ich es auch. Während alle Äste des Busches dicht mit Blüten besetzt waren, die leuchtend weiß blühten, waren an diesem Ast nur 4-5 kleine Blüten zu sehen, alle anderen Flächen des Astes waren kahl. Irgendjemand, vielleicht der Wind, vielleicht ein Spaziergänger oder auch ein spielendes Kind, hatte diesen Ast abgeknickt und so hing er merkwürdig verbogen am Busch herab. Meine Frau meinte dann, das wäre doch ein gutes Bild für eine Andacht in dieser Zeit. Der Ast sei gebrochen, aber er habe das Blühen noch nicht aufgegeben. Ich finde, meine Frau hat recht. Der angeknackste Ast ist nicht gänzlich zerbrochen und hat deshalb das Blühen noch nicht aufgegeben, auch wenn seine Kraft nur noch ganz klein zu sein scheint.

Mir fiel zu diesem kleinen Erlebnis dann auch noch eine bekannte Bibelstelle ein: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“ (Jesaja 42,3). Der Prophet meint damit den „Knecht Gottes“, Christinnen und Christen erkennen in dieser Bibelstelle bereits einen Hinweis auf Jesus, der viele Jahre später gesagt hat: „Siehe,  ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20).

Es sind fast nur schlechte Nachrichten, die uns in diesen Tagen erreichen. Immer mehr Menschen stecken sich weltweit mit dem Virus an und viele sind schon daran gestorben. Wir machen uns Sorgen um uns und oft noch mehr um unsere Lieben, besonders wenn sie bereits ein höheres Lebensalter haben. Viele wirtschaftliche Existenzen sind bedroht, Hamsterkäufe sind allerorten zu beobachten, Verschwörungstheorien und Gerüchte machen die Runde und Endzeitstimmung macht sich breit. Jetzt braucht es Stimmen der Klarheit, der Mäßigung, der Mahnung, der Vernunft und der Ermutigung. Die Ansprache unserer Bundeskanzlerin am vorgestrigen Abend im Fernsehen empfand ich als eine solche Stimme. Sie hat kein Öl ins Feuer gegossen, sondern einen Weg aufgezeigt, wie es vorläufig weitergehen kann und auch muss.

Genauso wichtig aber sind in dieser Zeit Worte des Trostes. Die oben erwähnte Bibelstelle aus dem Jesajabuch ist ein solches Trostwort. Unser Herr und Bruder Jesus Christus, der als Auferstandener unter uns gegenwärtig ist, er kann und will uns die Kraft geben, die wir jetzt brauchen, wenn unsere Körper und/oder Seelen gerade angeknackst sind. Auch wenn wir gerade nicht vor Freude strahlen, so kann doch noch etwas in uns zum Blühen kommen. Z.B. das, was der Apostel Paulus Glaube, Hoffnung und Liebe nennt (1.Korinther 13,13). Ich bin davon überzeugt, diese drei sind stärker als Angst, Sorgen und Zweifel, auch wenn letztere zur Zeit zu dominieren scheinen. Und ich wünsche Ihnen, dass sie spüren, wie nah ihnen unser Gott gerade in diesen Tagen ist, um sie zu trösten und aufzurichten.

 

Ihr Pastor Florian Bortfeldt, Idafehn

 

Niederdeutsche Übertragung von

Annegret Peters / Hude

 

Broken,

aver nich tweibroken!

Dat is ´n paar Daag her, dor weer ik mit mien Froo an den moijen Idasee in Idafehn joggen.  Wi weern just dorbi dat to ´n Enn so ´n beten sinniger angahn to laten, dor bleev mien Froo op ´n Mal stahn un see to mi: „Kiek mal!“ , un wies op een Twieg. Eerst heff ik dat gar nich verstahn, wat se mi seggen wull, aver denn heff ik dat ok sehn. De hele Busch weer full von witte, wiethen lüchten  Bleuden. Jedeen Twieg dicht full. Blots düsse eene Twieg harr blots 4 – 5 lütte Bleuden, de Rest weer kahl. Wer ok jümmer, viellicht de Wind, viellicht Lüüd op ehren Spazeergang oder een Kind bit ´t Spelen, harr den Twieg afknickt. Nu hung he wunnerlich verbogen von den Busch daal. „Dat weer doch een godet Bild för een Andacht in düsse Tied! De Twieg is broken, aver he hett dat Bleuden noch nich opgeven!“ see se. Ik finn, mien Froo hett recht. De anbroken Twieg is nich heel un deel twei, un dorum hett he dat Bleuen noch nich opgeven. Ok wenn dat so utsüht, as wenn sien Kraft blots noch heel lütt to ween schient.

Mi is bi de Gelegenheit denn ok noch een bekannte Bibelsteed infullen: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“ (Jesaja  42,3). De Prophet meent dormit den „Knecht Gottes“, Christinnen un Christen seht in düsse Bibelsteed al eenen Verwies op Jesus, de vele Johren later seggt hett: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ (Matthäus 28,20)

Dat sünd meist blots slechte Narichten, de wi in düsse Daag to hörn kriegt. Jümmer mehr Minschen steckt sik weltwiet mit den Virus an un dor sünd al ´n ganze Reeg an sturven. Wi maakt us Sorgen um us un faken noch mehr um de Minschen de us leev sünd, sünnerlich, wenn se al wat oller sünd. Vele Minschen sind in Gefahr, ehre wirtschaftliche Existenz to verlehren, „Hamsterkäufe“ kann een allerwegens sehn, „Verschwörungstheorien“ un Gerüchten gaht um un „Endzeitstimmung“ maakt sik breed. Wi bruukt nu dringend klare Stimmen, de de Lüüd opropen doot, sik to mäßigen, de mahnt, to Vernunft oproopt un de Moot geevt. De Anspraak von use Bundeskanzlerin, ehrgüstern Avend in ´n Feernsehn heff ik as so een Stimm wahrnahmen. Se hett kien Ööl in ´t Füer goten, sünnern een Weg wiest, wo dat in de nächste Tied wieter gahn kann un ok mutt.

Just so wichtig sünd in düsse Tied aver ok Wöör,  de Trost geevt. De baven beschreven Bibelsteed ut dat Jesajabook is so een Trostwoort. Use Herr un Broder Jesus Christus, eens operstahn un vandagen  unner us gegenwärtig, de kann un will us de Kraft geven, de wi just nu bruukt, wo use Körper un/oder use Seelen anbroken sünd. Ok wenn wi just nu nich för Freud strahlen doot, dor kann doch noch wat in us to ´n Bleuhen kamen. To ´n Bispill dat, wat de Apostel Paulus „Glaube, Hoffnung und Liebe“ nömen deit. (1. Korinther 13,13) Ik bün dorvon övertüügt, dat düsse dree mehr Kraft hebbt as Angst, Sorg un Twiefel, ok wenn de in ´n Momang vörnan staht. Un ik much se wünschen, dat se spören köönt, wo nah use Gott bi us is, just in düsse Daag, um us Trost to geven un us optorichten.   

 

Pastor Florian Bortfeldt, Idafehn

 

 

Sprudelndes Wasser an den Niagara Fällen an der Grenze USA / Canada

„Das waren (noch) Zeiten!“

 

Andacht für den 20.03.2020

 

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Download als MP3 - hochdeutsch - gelesen von Petra Bohlen

Download als MP3 - niederdeutsch - gelesen von Petra Bohlen

 

„Das waren Zeiten!“, diese Worte – oft begleitet von strahlenden Augen, die in die Runde schweifen, um zustimmendes Kopfnicken zu ernten, - begegnen mir bei Besuchen in der Gemeinde immer wieder einmal. Auch Sie werden das kennen, liebe Leserin und lieber Leser: Da wird ein Fest in der Familie gefeiert. Junge und Alte kommen zusammen aus nah und fern. Und dann werden Geschichten erzählt von heute und von damals. Und irgendwann fallen diese Worte: „Das waren Zeiten!“ – mitunter fein garniert mit dem Wörtchen „noch“: „Das waren noch Zeiten!“ Wer so zurückblickt, der schaut nicht selten auf Herausforderungen, die zu meistern waren. Die Zeit nach dem Krieg. Der Start ins Berufsleben. Die erste Zeit als frisch vermählte Eheleute oder als Eltern. „Das waren (noch) Zeiten!“

 

Ich stelle mir vor, wie die Freundinnen und Freunde von Jesus irgendwann einmal zusammen gesessen haben, um sich zu erinnern an die Zeiten mit ihrem Herrn. Mag sein, dass nach dem einen oder anderen Becher Wein dann auch jene Worte zu hören waren: „Das waren (noch) Zeiten!“

 

Vielleicht war dieser Runde dann auch eine Geschichte neu präsent, in der sich die muntere Truppe so ganz und gar nicht munter gefühlt haben mag. Eher ausgeliefert, schutz- und wehrlos dahin gegeben an die Mächte der Natur. „Wisst Ihr noch, damals, als wir mit dem Boot unterwegs waren, um über den See zu fahren? Wir waren schon eine Weile unterwegs und dann kam dieser Sturm auf. Erst war da nur so ein bisschen Wind. Weit weg und nicht bedrohlich waren am Horizont im Osten auch dunklere Wolken zu sehen. Und dann ging es los. Mit einem Mal. Regelrecht überrollt worden sind wir von dieser Entwicklung. Immer schlimmer wurde es. Als würde sich diese dunkle Kraft immer wieder verdoppeln. Mann! Hat uns der Sturm durchgeschüttelt. Das Segel zerrissen. Das Ruder ist dem Steuermann fast aus der Hand geschlagen worden. Und überall war Wasser. Kein Schutz. Nirgends. Völlig ausgeliefert waren wir da – mitten auf dem See.“

 

Ausgeliefert.

 

Das Gefühl kennen wir heute nur zu gut. Ein Virus hat uns im Griff. Erst weit weg. Kaum wahrnehmbar am östlichen Horizont. Und dann mit einem Mal erwischt es uns mit voller Wucht. Rüttelt und schüttelt uns durch. Erschüttert die Selbstverständlichkeiten unseres Lebens. Raubt uns die Sicherheit, den Alltag, das gewohnte Leben. Manchen auch die Gesundheit und noch mehr.

 

Nicht schön. Ganz und gar nicht.

 

Die Freunde Jesu auf dem See, die da von den Naturgewalten in ihrer Nussschale durcheinander gewürfelt wurden, erinnerten sich in allem Aktionismus - von Segelhalten, Ruder sichern und Wasserschöpfen – irgendwann daran, dass sie nicht allein unterwegs waren. Da war doch noch einer mit an Bord in ihrem Lebensschiff. Ganz hinten im Boot war er zu finden. Da hat er gelegen und geschlafen. Ganz entspannt auf einem Kissen: Jesus selbst.

 

Der wurde flugs geweckt. Ich mag mir das gar nicht gerne vorstellen, wie das ist, in solch einem Moment aus dem Schlaf gerissen zu werden. Absolut nicht schön, wenn sofort Alarm ist, sobald man die Augen geöffnet hat. Zumal das, was der eben erwachte Jesus sich da anhören musste, wüste Anklagen und Vorwürfe, beileibe nicht nett war.

 

Jesus steht auf. Sagt erst einmal nichts. Und redet zunächst mit Wind und Wellen. Und dann ist Ruhe. Jetzt erst wendet er sich an seine begossenen Mitreisenden. Und fragt nach ihrem Vertrauen. Nach dem, was ihnen Halt gibt.

 

Mich hat diese Geschichte schon immer fasziniert: Jesus ist mit an Bord. Hinten liegt er still und schlummernd auf einem Kissen in meinem Lebensboot. Wind und Wellen mögen daran reißen. Und auch dieses Virus mag mich kriegen. Aber packen kann es mich nicht. Denn ein Anderer hält mich in seiner Hand. Mitunter vergesse ich das. Und manchmal ist es auch verdammt schwer, darauf zu vertrauen. Und gar nicht so selten bin ich auch am Schimpfen und Zweifeln und Klagen und vergesse, dass da einer auf mich aufpasst. Und dann sind da die Momente, wo ich in froher Runde mit lieben Menschen beisammen bin und mich erinnere an die eine oder andere Herausforderung. Und wie es dann weiterging. Irgendwie. Und mitunter auch erst, nachdem man Federn gelassen hatte. Und dann höre ich mich sagen „Das waren (noch) Zeiten!“

Vielleicht – Gott möge es uns geben – werden auch wir irgendwann wieder zusammen kommen können, um miteinander zu feiern und uns zu erinnern. An diese Zeiten. Und wie wir damals den neu entdeckt haben, der uns still begleitet auch auf Wegen wie diesen.

Amen.

 

Niederdeutsche Übertragung von

Annegret Peters / Hude

 

„Dat weern noch Tieden!“, düsse Wöör – faken mit een Lüchten in de Ogen, un een Blick in de Runn, „Dat weet ji doch all noch!“ de kaamt mi jümmer mal woller in de Mööt, wenn ik miene Gemeen besöken do. Dat warrt Se seker ok kennen, leve Leserin un leve Leser: Dor warrt een Fest fiert. Jung un Old kaamt von dicht bi un wiet weg tohoop. Un denn warrt dor Geschichten vertellt von vandagen un von damals. Un jichtenswann fallt düsse Wöör: „Dat weern Tieden!“ – af un an noch mit dat Woort „noch“ dorbi. „Dat weern noch  Tieden!“ Wer op de Aart un Wies torügg kickt, de hett faken sware Tieden un grode Opgaven achter sik brocht. De Tied na denn Krieg. De Start in ´t  Arbeitsleven. De eerste Tied as junge Ehelüüd oder as Öllern. „Dat weern (noch) Tieden!“                        

 

Ik heff vör Ogen, wo de Fründinnen un Frünnen von Jesus jichtenswann mal tohoop seten hefft, um sik op de Tieden mit ehren Herrn to besinnen. Mag ween, dat na denn een or annern Beker Wien denn ok de Wöör to hörn weern „ Dat weern (noch) Tieden!“  

 

Mag ween, dat in düsse Runn denn ok  een Geschicht woller op den Disch kamen is, in de de vergnöögte Truppe sik so ganz un gar nich vergnöögt föhlt hett. Eher utlevert, schutz- un wehrlos gegen de Mächt von de Natur. „Köönt ji jo noch besinnen, damals, as wi mit dat Boot unnerwegs weern, um över den See to föhrn? Wi weern al  ´n Tied lang unnerwegs un denn keem düsse Storm op. Eerst weer dor blots so ´n beten Wind. Wiet weg kunn een an ´n Horizont in ´n Oosten ok düster Wulken sehn, nich besünners leeg. Un denn gung dat los. Mit een Mal. Dat is eenfach över us weg rullt. Wurr jümmer leger. As ween düsse düstere Macht sik jümmer woller verduppeln dee. Mann! Wat hett de Storm us dörschüddelt. De Seils in Fetzen! Dat Roor wurr us Stüermann meist ut de Hannen reten. Un överall weer Water. Du kunnst di nich wahren. Nargens. Heel un deel utlevert weern wi dor – merrn op den See.“

 

Utlevert.

 

Dat Geföhl kennt wi vandagen blots to goot. Een Virus hett us tofaat kregen. Eerst wiet weg. Bold nich to sehn an ´n ööstlichen Horizont. Un mit ´n Mal kriggt he us mit vulle Wucht tofaat. Rüddelt un schüddelt us dör un dör. Bringt us sülvstverständliches Leven to ´n bevern. Nimmt us use Sekerheit, den Alldag, dat gewohnte Leven. Mennigeen ok de Gesundheit un noch mehr.          

 

Nich goot. Ganz un gar nich.

De Frünnen von Jesus op den See wurrn von de Naturgewalten in ehr lüttjet Boot dör un dör schüddelt. Aver in al dat Dör´nanner von Seilsholen, Roorsekern un Waterschöppen  besinnt se sik jichtenswann dorop, dat se nich alleen unnerwegs sünd. Dor weer doch noch Een mit an Boord von ehr Levensschipp. Ganz achtern in ´t Boot weer he to finnen. Dor hett he legen to slapen. Ganz entspannt op een Küssen: Jesus sülvst.         

 

De wurr denn gau weckt. Ik mag mi dat gar nich geern vörstellen, wo dat is, wenn een in so ´n Momang ut den Slaap reten warrt. Afsluut nich moi, wenn foorts Alarm is, sodraa man de Ogen op maakt. Un denn weer dat, wat de just opwakte Jesus sik dor anhörn muss, ok jüst nich nett. Blots wüste Anklagen un Vörhalen.

 

Jesus steiht op. Seggt eerstmal nix. He snackt eerstmal mit den Wind un de Wellen. Un denn is Roh. Nu eerst wendt he sik an siene messnatten Jünger. He fraagt, wo ehr Vertroen bleven is. Na dat, wat se Stütt gifft.     

 

Mi hett düsse Geschicht al jümmer faszeneert: Jesus mit an Boord. He liggt achtern still op sien Küssen to slapen op mien Levensboot. Wind un Wellen möögt dor an rieten. Un ok düsse Virus mag na mi faten. Aver bi de Büx kriggt he mi nich. Denn een Annern hollt mi an de sien Hand. Af un an vergeet ik dat. Un mennigmal is dat ok verdammt stur, dorop to vertroen. Un faken bün ik ok an Schellen un an Twiefeln un an Klagen un vergeet, dat dor een is, de op mi oppasst. Un denn is dor jümmer woller een Momang, wo ik in een frohe Runn mit leve Minschen tohoop sitt un mi an de een or anner sware Tied besinnen do. Un wo dat wieter gahn is. Jichtenswie. Un  faken eerst wenn een Feddern laten hett. Un denn hör ik mi seggen: „Dat weern (noch) Tieden!“                   

 

Viellicht – Gott mag us dat geven – warrt wi ok woller tohoop kamen könen, um tohoop to fiern un us to besinnen.  An düsse Tieden. Un wo wi damals den woller nee funnen hefft, de us still to Siet steiht, ok op een Weg as düssen.   

 

Amen.

 

Pastor Stephan Bohlen

Süddorf / Edewecht

Ausnahmezustand?!

Andacht für den 19.03.2020

 

Ausnahmezustand?!

 

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Ich merke es an den Regalen im Supermarkt. Überall gähnende Leere, wo sonst das Klopapier liegt. Ich merke es daran, dass ich niemanden mehr umarmen oder die Hand geben darf. Abstand ist angesagt. Am besten gar nicht mehr rausgehen- niemanden mehr treffen. „Machen Sie es sich zuhause gemütlich“, sagte unsere Sozialministerin in der Pressekonferenz am Montag. 

Zuhause habe ich es ja auch wirklich schön. Hier erhole ich mich gerne vom Alltagsstress, genieße meinen Feierabend. Gerne bleibe ich auch für einen Kurzurlaub in meinen „4-Wänden“ oder im Garten- je nach Wetterlage.

Aber gerade ist kein Urlaub. Im Moment ist Ausnahmezustand. Alle Verordnungen und Vorsichtsmaßnahmen treffen uns ins Mark, und wir leiden darunter. Fast passend zu unserer Kirchenjahreszeit: Passionszeit- Leidenszeit- der Weg Jesu geht ans Kreuz.

Das Kreuz- unser Markenzeichen als Christ*innen. Ist es uns deswegen wirklich vertraut oder doch auch fremd? Vertraut ist es uns, weil wir es in jeder Kirche sehen und es die Grundlage unseres Glaubens ist. Aber ist es uns nicht auch manchmal fremd mit seiner Botschaft des Leidens mitten in einer Welt, in der nichts stören darf, weil alles so perfekt funktionieren muss? Diese perfekte Welt ist gerade ganz schön ins Wanken geraten. Ausnahmezustand- und niemand weiß so recht, wie lange das alles andauern wird. Das macht Angst. Auch, dass unsere Kirchen und Gemeindehäuser jetzt für das gemeinsame Leben unseres Glaubens geschlossen sind. Das tut weh! Ist das Kreuz jetzt noch fremder, weil wir es noch nicht einmal mehr vor Augen haben?

Das Kreuz- es gehört nicht nur in eine Kirche, es gehört in die Welt- gerade jetzt. Das Kreuz- es ist mehr als nur zwei Balken. Wo das Kreuz ist, egal wie- und sei es nur in unseren Herzen, ist Jesus auch präsent, steht das, worum es uns im Glauben geht, im Raum. Dann ist Jesus unter uns- egal, wo wir sind. Jesus ist da, er leidet mit uns. Darum: Lassen wir uns nicht zu sehr bestimmen durch diese Krise. Nehmen wir die leeren Regale mit Humor und nicht mit Panik. Geben wir unsere Zuversicht weiter an andere, dass es bald wieder ein normales Leben geben wird. Und auch, wenn wir uns gerade im Ausnahmezustand befinden, nicht alles ist abgesagt.

„Sonne ist nicht abgesagt. Frühling ist nicht abgesagt. Lesen ist nicht abgesagt. Liebe ist nicht abgesagt. Lesen ist nicht abgesagt. Zuwendung ist nicht abgesagt. Musik ist nicht abgesagt. Phantasie ist nicht abgesagt. Freundlichkeit ist nicht abgesagt. Gespräche sind nicht abgesagt. Hoffnung ist nicht abgesagt. Beten ist nicht abgesagt...“ 

Diesen Text bekam ich jetzt schon mehrmals von lieben Menschen per WhatsApp. Nun gebe ich ihn an Sie weiter. Denn solche kleinen Zeichen der Ermutigung tun jetzt besonders gut. Sie sind wie ein kleiner Lichtstrahl in der Dunkelheit. Genauso wie die Gewissheit, dass wir nicht alleingelassen sind: Unser Herr der Zeiten, Jesus Christus, geht mit. Er wird uns nie eine Absage erteilen.

Ihre Pastorin Petra Adomeit, Bad Zwischenahn 

Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus?

Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus?

 

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„Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“ – unter diesem Motto steht die diesjährige Fastenaktion 7 Wochen Ohne. Angesichts der Corona-Pandemie bekommt dieses Motto einen ganz neuen, erweiterten Bedeutungshorizont.

In den Ohren von Menschen und Unternehmern, die im Moment um ihre Existenz fürchten, weil Umsätze einbrechen und sie alle Aufträge verlieren klingt dieses Motto möglicherweise sogar sehr zynisch. Wie soll ich zuversichtlich sein, wenn ich nicht weiß, wie lange sich diese außergewöhnliche Situation noch hinziehen wird und wenn ich nicht sicher bin, ob überhaupt und wann konkret staatliche Hilfen wirklich kommen? Zynisch mag es auch in den Ohren der Risikogruppen klingen, die sich angesichts der hoch schnellenden Zahlen an Infizierten ernsthaft um ihre Gesundheit sorgen.

Zuversichtlich sein, ohne Pessimismus in die kommenden Wochen schauen – das ist angesichts der jeden Tag neu hereinbrechenden drastischen Maßnahmen gar nicht so einfach umzusetzen.

Während die einen Berufsgruppen im Moment ungewollt ohne Arbeitsaufträge sind, weil alle Aufträge storniert wurden, arbeiten andere Berufsgruppen am Limit.

Wir haben eine Situation, die uns alle herausfordert. Was wir jetzt erleben, haben viele unter uns so noch nie erlebt.

Wir haben Fastenzeit und normalerweise beschränken wir uns da auf das Fasten von Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol oder anderen Dingen. Nun reduziert sich unser Leben jedoch auf einmal in noch viel mehr Bereichen: Wir reduzieren soziale Kontakte, kulturelle Veranstaltungen, den Sport, das Einkaufen, das Reisen, wir reduzieren ganz elementar auch körperliche Nähe. Wir schütteln uns nicht mehr die Hände. Am Schwersten fällt es mir persönlich, am Grab nicht mehr die Hand zu geben, wenn ich den Angehörigen der Verstorbenen mein Beileid wünsche.

Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus – das ist dennoch genau das passende Motto für diese Zeit. Zuversichtlich und ohne Pessimismus lasst uns diese Tage und Wochen und vielleicht sogar Monate begehen. Jede Krise birgt auch Chancen. Verantwortung füreinander übernehmen, Verantwortung zeigen, in dem Fall der Corona-Pandemie durch Abstand, durch Verzicht, um die Gefahr für diejenigen einzudämmen, die gesundheitlich bedroht sind, sich solidarisch zeigen mit denen, die Sorge haben müssen schwer zu erkranken und mit denen, die wegen der Corona-Krise Sorge haben um ihre Existenz.

„Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“, heißt es im Galaterbrief (Gal 6,2). Wir befinden uns in der Mitte der Passionszeit. Wir gehen den Weg Jesu mit. Wir bedenken sein Leiden und Sterben. Wir wissen, nicht immer endet alles gut. Nicht immer ist alles leicht. Und sicher wird auch die Corona-Pandemie manch schmerzhafte Wunde hinterlassen. Aber lasst es uns gemeinsam tragen.

Jesus fand auf seinem Weg einen, der nahm ihm die schwere Last  seines Kreuzes ein Stück des Weges ab: Als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon, den zwangen sie, dass er ihm sein Kreuz trug (Mt 27, 32).

Auch wir tragen das Kreuz der jetzigen Herausforderungen wie Simon von Kyrene zunächst vielleicht gezwungenermaßen, aber lasst es uns tragen, damit der Weg für die leichter wird, die unter der Last des Kreuzes zusammenbrechen würden. Und lasst uns neben Corona auch diejenigen nicht vergessen, die gerade einen anderen schweren Leidensweg gehen – an der Grenze zwischen Griechenland und der Türkei.  

Tragt einer des andern Last! Bleibt zuversichtlich! Ohne Pessimismus! So werden wir das Gesetz Christi erfüllen.

 

Ihre Pfarrerin Heike-Regine Albrecht

Ostern fällt nicht aus!

Ostern fällt nicht aus!

 

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Das war ein merkwürdiger letzter Sonntag. Ich stand vor der Kirche und habe Menschen wieder nach Hause geschickt, damit sie nicht nur über den Zettel im Schaukasten informiert werden. Wir haben keinen Gottesdienst gefeiert. So war es in den meisten Kirchen und so wird es vermutlich noch über viele Wochen sein, auch über Karfreitag und Ostern hinaus. Dass Ostern ausfällt, das kann doch nicht sein! Zumindest da müssen wir doch Gottesdienst feiern dürfen! Wenn sich alles so weiter entwickelt, wie es gerade zu befürchten ist, dann werden wir unsere Kirchen auch am Ostersonntag nicht öffnen können. Aber deswegen fällt Ostern noch lange nicht aus. Dass es Ostern gibt liegt nicht an uns, sondern an Jesus, der für uns gestorben ist. Der ist auferstanden und er lebt. An dieses Wunder erinnern wir uns immer wieder. Wir können Ostern gar nicht ausfallen lassen. Und Ostergottesdienste müssen auch nicht ausfallen, aber sie werden wohl anders aussehen als wir es gewohnt sind. Das schmerzt. Diese Vorstellung ist nicht leicht zu ertragen, aber unumgänglich. Da ist nichts schön dran. Christsein funktioniert nur mit anderen. Unser Glaube ist auf Gemeinschaft angelegt. Aber in dieser Zeit wird auf schmerzhafte Art deutlich: Du brauchst keine Kirchengebäude um Gottesdienst zu feiern. Du brauchst keine Pastorin/ keinen Pastor um Gottesdienst zu feiern. Du brauchst keine Orgel um Gottesdienst zu feiern. Du brauchst nur Gott und der ist da. Jesus lebt und du kannst ihm überall begegnen. Am vergangenen Sonntag habe ich mit meiner Frau, meinem Sohn (und vielen Kuscheltieren) einen kleinen Gottesdienst in unserem Wohnzimmer gefeiert. Als mein Sohn den Großeltern später am Tag davon erzählte, hat er gesagt, dass es in dem Gottesdienst drei Pastoren gab. Das bringt es sehr gut auf den Punkt. Das vielzitierte „Priestertum aller Gläubigen“ bekommt jetzt Kontur. Jeder kann für sich alleine oder im Kreis seiner Familie Gottesdienst feiern. Dazu gibt es viele bewährte Formen und wir als Hauptamtliche werden in den nächsten Wochen Formen entwickeln, die uns hier für die Menschen vor Ort sinnvoll erscheinen. Sie sind eingeladen sich daran zu beteiligen. Machen Sie sich Gedanken über Ihren Glauben! Was ist da wichtig? Was darf nicht fehlen? Welche Rolle spielen Bibel, Gebet, Musik? Und haben Sie Mut Ihr Glaubensleben selbst zu gestalten, denn „dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und miteinander den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, die ihn in seiner ganzen Fülle widerspiegelt.“ (Eph 4,13 Hfa)

 

Ostern fällt nicht aus und kein Gottesdienst in den nächsten Wochen fällt aus. Wir feiern an verschiedenen Orten und in verschiedenen Formen. Aber unser Gott ist derselbe an jedem Ort und zu jeder Zeit. Amen.

 

Ihr Pastor Tim Rathjen

 

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