Ammerländer-Impulse

Gedanken zur Zeit

Es kommt ein Schiff geladen

Ein neuer Morgen bricht an

Wie ein Schiff sich den Weg bahnt auf offenem Meer

Ammerländer Impuls zum 21.12.2020

Es kommt ein Schiff geladen….

 

Neuer Morgen bricht an.

Gedankenvoll

mein Weg am Strand,

am Rand der Brandung.

Hoch schlagen Wellen.

Gischt im Gesicht

streichelt

wie der Wind

meine Wangen.

Wunderbar!

Mein Hören

im Einklang

mit dem

Rauschen des Meeres.

Salz auf den Lippen.

So schmeckt Freiheit.

Meeresvögel fliegen auf.

Gedanken weichen

dem Spiel der Natur.

Ich atme durch,

fühle Geborgenheit,

Schönheit der Schöpfung,

deren Teil

ich bin.

Das Licht des Morgens bricht an.

Ein neuer Tag beginnt.

Ich darf sein.

 

Am Horizont

ein Schiff,

ein kleiner Punkt,

wieder und wieder

in die Wellen sinkend

und

aus den Wellen

sich hebend.

 

„Es kommt ein Schiff geladen.“

 

Schwer

wiegt es hin und her

in der wogenden See.

Erstaunlich,

kein Versinken.

Solch ein Gewicht

bleibt im Lot,

wird getragen!

Sturm und Wellen

ein Nichts.

Unaufhaltsam

auf dem Weg

zum Ziel.

 

Es ist Advent.

Unaufhaltsam,

verborgen

Gott auf dem Weg

zu uns.

 

„Es kommt ein Schiff geladen bis an sein‘ höchsten Bord,

trägt Gottes Sohn voll Gnaden, des Vaters ewigs Wort.“

 

Und schlagen die Wellen auch

hoch

Er ist auf dem Weg

zu uns.

Vielleicht

nur

wie ein kleiner Punkt

am Horizont

erkennbar.

Auch im eigenen Leben

hohe Wellen,

ein Auf und Ab.

Aber Er kommt

verborgen,

nicht gleich zu sehen,

erst im Nachhinein

zu erkennen.

Er kommt

im tröstenden Wort,

im Aufleuchten von Hoffnung.

Er kommt

im unerwarteten Lächeln

eines Fremden,

in der Hand,

die ein anderer reicht.

Neuer Morgen bricht an.

Die Nacht ist im Schwinden.

 

Ein altes Marienlied

aus dem 15. Jahrhundert.

Die schwangere Maria

ein beladenes Schiff.

Gott kommt verborgen

zu den Menschen,

als kleines Kind,

von einer jungen Frau geboren

wie alle Kinder dieser Erde.

Gott

verborgen

in der Armut des Stalls,

ohne Obdach.

Nur wer sich auf den Weg macht

zum Stall,

wird das erkennen

wie die Hirten,

wie die Weisen aus dem Morgenland.

Gott kommt zu uns

verletzbar,

hilfebedürftig,

liebebedürftig,

liebenswert.

 

Es ist Advent.

Ich warte

auf die Ankunft des Herrn.

Ich gehe meinen Weg.

Neuer Morgen bricht an,

geheimnisvoll und hoffnungsvoll,

im Dunkel meiner Nacht.

 

 

Pastorin Dorothea-Katharina Herbst, Apen

Vom Warten und der Erwartung

26 Tage bis Weihnachten

Die Türen weisen den Weg

Ammerländer Impuls zum 14.12.2020

Wieso man wartet

 

Kindern fällt es in der Regel schwer, die Zeit zu begreifen. Viel zu oft kriegt man zu hören: ,,Wie lange denn noch bis Heiligabend?’’.

 

Ungefähr im Jahre 1840 fingen Eltern an ihren Kindern die Zeit greifbarer zu machen. ,,Du musst noch fünf Mal schlafen, dann ist es soweit.’’ Oder sie malten 24 Kreidestriche an die Wand und die Kinder durften jeden Tag einen Strich wegwischen.

 

Irgendwo hebt es auch die vorweihnachtliche Zeit hervor und macht es umso aufregender.

Dieses Jahr sind es schließlich ganze 26 Tage vom 1. Advent bis zu Heiligabend!

 

Ich habe es selbst auch schwer geduldig zu sein, denn die Weihnachtszeit ist meine liebste Zeit. Zu schön ist es, mit der Familie zusammen zu sitzen, zu reden, zu lachen und die Gemeinsamkeit zu genießen. Dieses Jahr ist es nun leider anders, doch da wird einem umso mehr bewusst, wie wichtig die Zeit mit seinen Liebsten ist.

 

Jetzt muss man auch geduldig sein und abwarten, wann es besser wird. Warten ist schöner, wenn es auf einer begründeten Hoffnung basiert. Nicht zu vergessen: Israel wartete auch vierzig Jahre auf das verheißene Land.

 

Advent bedeutet ,,Ankunft’’ und wir warten auf den Geburtstag unseres Jesus Christus. Doch davor bereiten wir viel vor: Wir schmücken den Baum, backen Kekse und verpacken Geschenke. Wir wissen, dass, wenn die vierte Kerze brennt, es nur noch ein paar Tage und ein paar Stunden sind. Aber ist es nicht schön zu wissen, dass das Warten ein Ende hat?

 

Das Warten hat ein Ende, wenn wir unserer Zukunft entgegenblicken. Es ist begrenzt und auch wir sind es, denn eines Tages nimmt unser Herr uns an die Hand und auch er muss nicht mehr auf uns warten. 

 

Lasst uns diese Weihnachtszeit genießen und uns entsinnen, dass das Warten sich lohnt. Gott ist zu uns gekommen und hat uns aufgesucht. Das wird er wieder tun und bis dahin: ,,Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig.’’ (Jes 40, 3.10). 

 

Karina Kuzki

studiert Theologie auf Lehramt und

absolviert zur Zeit in Rastede ein Praktikum

Auf dem Weg nach Bethlehem

Auf Umwegen zum Ziel

"Ich steh an deiner Krippen hier" EG 37 Paul Gerhardt

Ammerländer Impuls zum 07.12.2020

Auf dem Weg nach Bethlehem

 

Schon seit vielen Jahren gibt es in der Friedenskirche Augustfehn und der Kapelle in Vreschen-Bokel eine Kinderchristvesper mit Krippenspiel. Die Proben für das Krippenspiel beginnen immer nach den Herbstferien. Bis Weihnachten wird sich einmal in der Woche getroffen, geprobt, Kostüme anprobiert, Kulissen gebaut und eine gute Zeit miteinander verbracht.

In diesem Jahr ist nun alles anders. Ein Virus hat die Welt fest im Griff. Wir alle mussten uns in diesem Jahr auf viele Dinge neu einstellen. Schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr erreichen mich von den Krippenspielern die Fragen nach dem Krippenspiel in diesem Jahr.

Kerstin – wie wird es in diesem Jahr? Kerstin – kann das Krippenspiel überhaupt stattfinden? Kerstin – müssen wir es vielleicht 15-mal aufführen? Kerstin – Fällt Weihnachten dieses Jahr aus?

 

Nein, Weihnachten fällt nicht aus. Ich habe lange überlegt. Ich wollte im Sommer natürlich noch nichts absagen. Mir war aber auch bewusst, dass es nicht so sein kann wie in den Vorjahren. Aber ein kleines Stück Normalität würde sicherlich auch allen guttun.

So habe ich mich im Sommer bei sommerlichen Temperaturen an den PC gesetzt und mich mit den verschiedenen Charakteren der Weihnachtsgeschichte auf den Weg nach Bethlehem gemacht. Entstanden ist ein Krippenspiel aus der Sicht von Maria und Josef, Esel und Ochse und allen anderen Beteiligten. Es kommt ohne Bewegung und gemeinsamen Spiel aus.

Mittlerweile sind die Texte verteilt, die Mitspieler haben ihre Texte geübt und die ersten Proben in verschiedenen Zeitfenstern und mit Abstand haben stattgefunden. Wir sind gemeinsam auf dem Weg.

 

Das wünsche ich Ihnen auch, dass Sie sich durch diese besondere Adventszeit hindurch, auf den Weg nach Bethlehem machen können. Ich wünsche Ihnen, dass Sie dem Licht von Weihnachten entgegen gehen können. Sei es durch die Gottesdienste, durch zu Hause gefeierte Andachten oder auch durch die vielen digitalen Möglichkeiten. Vielleicht auch bei einem Spaziergang, beim Plätzchen backen, bei einem guten Buch oder beim Hören von Musik.

Denn trotz allen, was dieses Jahr an Veränderungen gebracht hat, wird es wieder Weihnachten werden. Überall in der Welt werden die Menschen die Weihnachtsgeschichte hören und Kraft und Hoffnung aus der Botschaft schöpfen.

 

Denn in der Weihnachtsgeschichte (Lk 2, 10-11) hat der Engel uns zugesagt: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;  denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

 

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit.

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Kerstin Grusemann-Wahl, Prädikantin in der Kirchengemeinde Apen.

Tatort

Am Ende wird alles wieder gut... ?!

50 Jahre Tatort

© Repro – WDR

Ammerländer Impuls zum 30.11.2020

Trimmel, Borowski, Lürsen, Faber & co.

 

Alles wird gut, das ist die Hoffnung im Großen wie im Kleinen. Dass das Gute siegt und das Böse entlarvt wird. Seit fünfzig Jahren erfüllt im Fernsehen der „TATORT“ an fast jedem Sonntagabend die Erwartung: Am Ende wird alles gut.

 

Sicher war es damals Zufall, dass diese Reihe im Jahr 1970 ausgerechnet an einem ersten Advent ihren Anfang nahm - aber gerade diese Wochen tragen ja wie keine zweite Zeit im Jahr die Hoffnung auf ein gutes Ende in sich; dass sich heimliche Sehnsüchte erfüllen mögen.

 

Nach ziemlich genau 88 Minuten und 30 Sekunden ist am Sonntagabend manches wider geordnet: Ballauf und Schenk trinken ihr Bier im Schatten des Kölner Doms, Thiel und Prof. Boerne frozzeln sich in Münster zum Schlußgag und Thorsten Falke kann sich in Hamburg um Elliot, seinen Kater kümmern:

Die Welt ist ein bisschen gerechter geworden.

 

Ihre Lasten nehmen die Ermittler wieder mit: Faber leidet in Dortmund immer noch unter dem Verlust von Frau und Tochter, in Bremen ist Lürsen dazu vergattert ihren Rotwein alleine zu trinken und in Kiel geht Borowski segeln um den Kopf wieder frei zu bekommen:

Die Welt bleibt, wie sie ist.

 

„Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“

 

Er jauchzt geradezu, der Prophet Sacharja, bei dem dieser Bibelvers für den 1. Advent zu finden ist. Wenn der König kommt, sagt er, dann wird wirklich alles gut. Das Zerbrochene heilt, die Völker leben in Frieden.

 

Größer, schöner und gewaltiger kann Hoffnung nicht sein. Wer wirklich hofft, hat das große Ziel: Alles wird gut. Darunter ist es nicht zu machen.

 

Dafür braucht es allerdings Geduld und die ist keine Tugend an sich. Sie hat ihren Wert. Sie kann auch falsch sein, wenn Dinge geändert werden könnten und das dann nicht passiert. Die Not der Mitmenschen, die Not auch der Schöpfung dulden keinen Aufschub. Da ist zu tun, was getan werden kann, um zu helfen und das Andere dann getrost in Gottes Hand zu legen.

 

Pastor Achim Neubauer
Edewecht

Hoffnungsbilder - Hoffnungsworte

Was Kraft geben kann

Herbststimmung im Ammerland

Ammerländer Impuls zum 23.11.2020

Abschied

 

Da, wo es für uns hart auf hart kommt, wo es ernst wird und sich der Horizont unseres Lebens verdunkelt, die Wege enger werden, die Haut unserer Seele dünn und verletzlich wird, uns alles so vorkommt, als seien wir im falschen Film, wir mitgerissen werden vom Fluss der Dinge, da scheint mit einem Mal die Zeit in uns still zu stehen.

Dann fühlt es sich mitunter so an, als wären wir aus uns selbst herausgetreten. Als stünden wir neben uns und den Dingen, die da geschehen, die uns aber eben nicht nur passieren, sondern die uns tatsächlich widerfahren – und die uns einen solchen Schmerz  zufügen können, dass wir aus uns selbst geradezu herausgeworfen werden, um uns nicht vollends zu verlieren.

 

Vielleicht ist es Ihnen so ergangen, als Sie im Verlauf des nun zu Ende gehenden Kirchenjahres Abschied nehmen mussten von einem lieben und nahen Menschen, an den Sie sich in dieser Zeit besonders erinnern.

 

Mag sein, dass schon die Zeit vor dem Abschied, die Zeit des Loslassens,  die Spanne, in der deutlich wurde,  dass dieser Weg unvermeidlich sein würde, Sie diese Dinge erfahren lassen hat, dieses „Herausgeworfensein“ aus Raum und Zeit, aus dem eigenen Selbst. Dieses „Neben-sich-Stehen“. Dieses Gefühl, man sei im „falschen Film“, es würde einem anderen geschehen, was einem da selbst widerfährt.

 

Und dann war der Moment des endgültigen Loslassens da. Und wir haben funktioniert. Haben die Dinge geregelt, die zu regeln waren. Wie im Traum mitunter. Wundern uns in der Rückschau,  wie wir das geschafft haben.

 

Seitdem hat sich unsere Welt verändert.

 

Sie ist ärmer geworden. Denn der Mensch, der uns den Weg, auf dem wir ihm folgen werden, voraus gegangen ist, fehlt darin. Fehlt uns.

 

Immer wieder sehen wir ihn. Betreten einen Raum im Haus und schauen erwartungsfroh auf seinen Platz. Und erst mit dem zweiten Blick

erkennen wir die Leere, die zugleich nach unserem Herzen greift.

 

Dann kommen die dunklen Schatten des Abschieds zurück. Wie eine Welle, die uns mit sich reißen will. Mitunter halten wir Stand. Mitunter auch nicht.

 

Je mehr die Zeit ins Land geht, desto mehr Halt mag uns das Leben geben. Der Alltag. Der andere, der neue Alltag, der auf diese eine Weise gewiss ärmer geworden ist. Der auf eine andere Weise  aber auch reicher geworden sein mag:

 

Schon im Abschied mögen wir erlebt haben, wie andere Menschen uns neu nahe gekommen sind. Wie da Leute waren, Nachbarn, Bekannte, Familienangehörige, auch vormals Fremde, die für uns da waren. Die sich Zeit genommen haben. Für uns. Die uns ausgehalten haben. Die uns ihr Ohr geliehen haben. Die uns zugehört haben. Mit Geduld und Verständnis. Die uns ihre Schulter angeboten haben, damit wir uns dort anlehnen  und ausweinen konnten. Die uns einen Platz in ihrem Herzen geschenkt haben, so dass unser Herz wieder fest werden konnte auf dem Weg des Abschieds.

 

Dieser Weg ist lang. Und er ist kein einfacher Weg. Da liegen Steine. Da ist es steil und unwegbar. Da kann mit einem Mal auch Finsternis  wie ein Unwetter über uns hereinbrechen. Aber da sind auch grüne Wiesen. Da sind Orte, die zum Verweilen einladen. Da sind diese Menschen, die einem helfen, neu Tritt zu fassen, Orientierung zu finden, auch schwierige Passagen zu meistern, den neuen Weg zu gehen. Gemeinsam.

 

So wird dieser neue Weg mit der Zeit vertrauter. Leichter. Besser zu gehen. Und mit der Zeit mögen wir am Wegesrand  die Blumen der Erinnerung entdecken können, ohne dass der Schmerz übermächtig wird. Dann können wir innehalten. Uns an ihrer Schönheit erfreuen, ihren Duft einatmen. Sie vielleicht sogar pflücken und einen Strauß der Erinnerung aus ihnen flechten, der uns schmückt und reich macht. Dankbar und erfüllt.

 

Diese Hoffnung dürfen wir haben. Sie mag uns tragen. Den Weg weisen.

 

Genauso wie ein Wort aus der Bibel, an dem ich mich immer wieder festhalte, wo es hart auf hart kommt, wo ich den Horizont zu verlieren drohe, weil der Schmerz mich übermannt. Weil ich nicht verstehen kann, was geschieht. Warum etwas geschieht. Wo ich nur noch dastehe und in die Finsternis hinaus schreie:  Warum?

 

Und es bleibt stumm.

Denn es gibt keine Antwort.

 

Das Leben ist, wie es ist. Und wir müssen damit umgehen.

 

Das zu erkennen, das gelehrt zu bekommen durch das Leben selbst, tut entsetzlich weh.

 

Was mir Linderung verschafft, ist die Hoffnung, dass ich in dem Dunklen, das nach mir greift, dass ich in Trauer und Schmerz nicht allein bin, sondern jemanden an meiner Seite habe. Ich erlebe:

  • Menschen, die mir gut sind.
  • Dinge, die sich fügen.
  • Kraft, die mir zuwächst.

 

Und ich spüre, das darin verborgen ein stiller Begleiter über mich wacht: Jesus. Er kennt den Schmerz, das Leid, das antwortlose Fragen, die Not, sich in der Finsternis zu verlieren. Die Angst. Den Tod. Und er hat mir und uns allen versprochen:

„Ich bin jeden Tag bei euch,

bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

 

In der Taufe haben wir darauf Brief und Siegel. Das ist das Wort,  woran ich mich festhalte. Was mir Halt gibt. Kraft und Mut für den nächsten Schritt. Und immer wieder für den nächsten Schritt. Immer nur für diesen einen. Und immer einer nach dem anderen. Anders geht es nicht.

 

Ein Trauerweg ist kein Weg der großen Sprünge, sondern einer der kleinen Schritte.

 

„Ich bin jeden Tag bei euch,

bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

 

Dieses Versprechen gibt mir Kraft, weil ich Jesu Begleitung in der Zuwendung der anderen Menschen entdecken kann. In dem, wie meine Nachbarn und Bekannten, die Familie und Freunde, Fremde und andere für mich da sind. In Zuspruch und Zurechtweisung. In Unterstützung und Herausforderung. Mitunter muss Liebe  auch eine herbe Note haben, um geschmeckt werden zu können.

 

Und auch in den Dingen, die sich fügen, in Wegen, die sich eröffnen, in Widerständen, die überwunden werden, in Irrwegen, die ich erkenne, auf Abwegen, die mich umkehren lassen, in Umwegen, die mich voranbringen, kann ich seine Begleitung erkennen.

 

In aller Liebe, die ich erfahre, ist er da.

 

Das „Warum“ wird ortlos verhallen. Aber dass mein Leben eine neue Bahn gefunden hat, mag mir den Blick auf ein „Wozu“ eröffnen.

 

Ich beginne das „Wohin“ zu erahnen.

 

Und dieses „Wohin“ ist der Ankerpunkt meines Herzens und Hoffens. Johannes der Seher hat es uns aufgeschrieben. Auch so ein Haltewort für mich – wie das Versprechen Jesu,  bei mir zu sein alle Tage.

 

Das „Wohin“,das Johannes beschreibt, ist ein Licht der Hoffnung in der Dunkelheit. Markiert den Zielpunkt all unserer Wege. Ist das Gute,  in dem wir aufgehoben sein werden.

 

Und das wir schon da zu schmecken bekommen, wo wir Hilfe und Zuwendung erfahren, Nähe und Wärme, Orientierung und Kraft.

 

Das „Wohin“ ist das Ziel, auf das wir zugehen. Mit jedem Schritt. Es ist der Ort, an dem sich alles klärt. An dem nur noch Licht ist und Leben, wo wir aufgehoben sein werden in der Liebe selbst.

 

Johannes beschreibt unser „Wohin“ mit diesen Worten:

Danach sah ich einen neuen Himmel

und eine neue Erde.

Der frühere Himmel

und die frühere Erde

waren vergangen;

auch das Meer gab es nicht mehr.

 

Ich sah die heilige Stadt,

das neue Jerusalem,

von Gott aus dem Himmel herabkommen,

schön wie eine Braut,

die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat.

 

Und vom Thron her

hörte ich eine mächtige Stimme rufen:

»Seht, die Wohnung Gottes

ist jetzt bei den Menschen!

Gott wird in ihrer Mitte wohnen;

sie werden sein Volk sein –

ein Volk aus vielen Völkern,

und er selbst, ihr Gott,

wird immer bei ihnen sein.

 

Er wird alle ihre Tränen abwischen.

Es wird keinen Tod mehr geben,

kein Leid und keine Schmerzen,

und es werden keine Angstschreie

mehr zu hören sein.

Denn was früher war, ist vergangen.«

 

Daraufhin sagte der,

der auf dem Thron saß:

»Seht, ich mache alles neu.«

Und er befahl mir:

»Schreibe die Worte auf,

die du eben gehört hast!

Denn sie sind wahr und zuverlässig.«

 

Dann sagte er zu mir:

»Nun ist alles erfüllt.

Ich bin das A und das O,

der Ursprung und das Ziel aller Dinge.

Wer Durst hat,

dem werde ich umsonst

von dem Wasser zu trinken geben,

das aus der Quelle des Lebens fließt.

 

Das alles wird das Erbe dessen sein,

der siegreich aus dem Kampf hervorgeht,

und ich werde sein Gott sein,

und er wird mein Kind sein. (Offb 21,1-7 NGÜ)

Amen.

 

Als seine Kinder sind wir auf dem Weg dorthin.Von ihm kommen wir. Mit ihm gehen wir. Auf ihn hin sind wir unterwegs.

 

Pastor Stephan Bohlen, Edewecht / Süddorf

 

Wenn das Gespräch abgebrochen ist...

... kann der erwachende Tag einen neuen Anfang schenken

Die Morgenröte bringt es ans Licht.

Ammerländer Impuls zum 16.11.2020

Wenn das Gespräch abgebrochen ist…

 

Jahrelang war der Kontakt zwischen den beiden Brüdern abgebrochen. Erbstreitigkeiten! Das Recht des Erstgeborenen hatte er sich ergaunert. Den schon sterbenden Vater hatte er betrogen, um den Segen des Erstgeborenen zu erschleichen. Da blieb nur noch, den Kontakt zur Familie abzubrechen.

 

Nun steht aber ein Wiedersehen nach vielen Jahren an. Voller Angst und doch voller Vertrauen in Gottes Führung bereitet er sich auf diese Begegnung vor. Versöhnung sucht er, wiedergutmachen will er. Dafür ist ihm nichts zu teuer. Die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre haben ihn zur Einsicht geführt. Das Leben soll wieder geordnet sein. So einen Streit hält man vielleicht einige Jahre aus. Aber soll solch eine Missstimmung der Schlussakkord des Lebens sein? Gestärkt durch das Gebet wagt er die Begegnung mit seinem Bruder.

Im Dunkel der Nacht macht er sich auf und lässt die Familie erst einmal zurück. Die Angst vor der Begegnung lässt ihn die Einsamkeit suchen.

 

Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach. Und als er sah, dass er ihn nicht übermochte, schlug er ihn auf das Gelenk seiner Hüfte, und das Gelenk der Hüfte Jakobs wurde über dem Ringen verrenkt. Und er sprach: Lass mich gehen, denn die Morgenröte bricht an. Aber Jakob antwortete: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.

 

Bis zum Schluss bleibt nicht klar, wer in diesem Kampf siegt. Erst am Ende wird erkennbar, dass Jakob mit Gott gekämpft hat. Und Jakob sprach: Ich habe Gott von Angesicht gesehen, und doch wurde mein Leben gerettet.

 

In der Einsamkeit der Nacht beginnt das Grübeln. Da ringt er mit der Angst vor der Begegnung mit seinem Bruder. Da ringt er um das Vertrauen zu Gott. Übermächtig und erdrückend scheint die Angst zu sein. Soll er lieber ausbrechen aus dem Plan? Lieber alles so lassen, wie es ist. Vielleicht hilft Gott ja doch nicht, und dann bringt mich mein Bruder um… Wer gewinnt? Die eigene Angst, der Zweifel? Oder doch das Vertrauen, dass Gott da ist und hilft?

 

Ähnliche Fragen und Zweifel kennt fast jeder Mensch. Eigentlich will man glauben. Und dann gibt es Erfahrungen, die es einem schwer machen, da muss man um den Glauben ringen, manchmal auch in der Einsamkeit.

 

Jakob lässt in diesem Ringen Gott nicht los. Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Du hast es versprochen! Und Gott segnete ihn daselbst (…) Und ihm ging die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

 

Der Kampf hat ihn gezeichnet. Aber er geht gesegnet und gestärkt daraus hervor. Ihm geht die Sonne auf. Er kann der Begegnung mit dem Bruder entgegensehen.

 

Die Versöhnung zwischen den Brüdern gelingt: Esau lief ihm entgegen und herzte ihn und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Und sie weinten. (1. Mose 32 und 33)

 

Pastorin Dorothea Herbst, Apen/Augustfehn

 

Frieden

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen. (Jesus)

Ammerländer Impuls für den 09.11.2020

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Matthäus 5,9

 

Friede sei mit dir, so begrüßen wir einander bei gottesdienstlichen Versammlungen. Gehe hin in Frieden. Oft ist das das letzte Wort, wenn wir auseinandergehen.

Frieden das ist das große Thema der Religion:

Gott schenke dir Frieden!

Wir sehnen und nach Frieden. Doch der Friede hat es in unserer Welt nicht leicht. Wie oft höre ich: „Da ist mal was vorgefallen, und nun reden wir nicht mehr miteinander“, oder auch „das verzeihe ich ihm nie!“ oder „ Dem oder der darfst du niemals vertrauen.“ Den Frieden zu wahren in unseren persönlichen Beziehungen, den Frieden zu entwickeln in unserem Verhältnis zu anderen Ländern und Religionen ist und bleibt eine Aufgabe, die es allezeit neu zu ergreifen gilt.

„Suche den Frieden!“ lautet darum die Aufforderung an uns Christen, aber nicht nur an uns.

Doch wie macht man das: Frieden stiften?

Ich glaube, ganz wichtig ist: Hinschauen, Interessen, Ängste, Erfahrungen, Wertvorstellungen wahrnehmen und ernst nehmen. Man muss sich Zeit füreinander nehmen und sich und den/die andere*n kennen lernen. Man muss miteinander reden und einander verstehen lernen. Die Ermöglichung von Begegnungsfeldern schafft Frieden.

Darüber hinaus ist es, glaube ich, wichtig: Ruhe zu bewahren. Aufgeregte und empörte Reaktionen, die die Emotionen explodieren lassen, tragen nicht zur Konfliktlösung bei. Man braucht Sachlichkeit und viel innere Gelassenheit. Wer Frieden stiften will, muss in sich Frieden haben.

Unablässig auf dem Weg zum Frieden ist auch die Bereitschaft zur Versöhnung. Man muss Frieden wollen und entdeckt haben, dass es mehr bringt, in Frieden das Leben miteinander zu teilen, als sich im Streit zu verlieren. Frieden bringt Gewinn. 75 Jahre Frieden in weiten Teilen von Europa haben segensreiche Spuren hinterlassen.

Im Frieden miteinander leben, das heißt vermutlich nicht: „Wir sind alle eins und allezeit einig.“ In Frieden miteinander leben, wird man nur können, wenn und solange man bereit ist, Unterschiede zu akzeptieren. Frieden und Toleranz gehören zusammen.  Das müssen wir einander eingestehen: Du darfst anders sein.

Auf Dauer in Frieden miteinander leben, geht vermutlich auch nicht, ohne die Kraft der Vergebung. Ich rechne dir deine Schuld nicht zu. Das ist göttlicher Wille und göttliches Recht, dass wir einander vergeben, so wie Gott uns vergeben hat.

Und schließlich ist es wohl auch so. Ein friedliches Miteinander gelingt nicht ohne die Begrenzung der Freiheit. Wir brauchen Regeln, Gesetze, die Einigung auf Verfahrensweisen, damit wir uns nicht im Streit zerreiben. Frieden kann wohl nur gelingen in der Bereitschaft zur Selbstbegrenzung.

Selig sind die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Das heißt dann soviel wie: die Menschen wollen wir achten, die bereit zum Kompromiss sind, die sich nicht rücksichtslos gegenüber anderen durchsetzen, sondern Wege suchen und finden, wie es zum Ausgleich der Interessen kommt, so dass wir alle miteinander das Leben hier auf der Erde genießen und Gott für das Leben preisen können.

 

Pastor Friedrich Henoch, Rastede

Wir sind Reisende, das ist wahr...

Auf der Durchreise

Spuren am Wege

Ammerländer Impuls zum 02.11.2020

Auf der Durchreise

 

Direkt neben dem Büro in dem ich arbeite, wurde in diesem Sommer ein Einfamilienhaus abgerissen. Das Haus stand schon einige Zeit leer und das Unkraut hatte sich überall ausgebreitet. Der Abriss ging schnell. In kürzester Zeit lag dort nur noch ein großer Schutthaufen. Der Abtransport war laut. Viele, viele Container wurden abgefahren.

 

In meinem Kopf kreisten die Gedanken:

Wer hat in dem Haus wohl einmal gelebt? Haben die Menschen sich dort wohlgefühlt? Was ist dort an freudigen und traurigen Dingen passiert? Gibt es noch jemanden der sich an diese Dinge erinnert?

 

Ein paar Wochen lang das Grundstück brach. Nichts erinnerte mehr daran, dass dort einmal ein Haus gestanden hat. Bei meinen Gedanken um die Menschen, die dort einmal gelebt haben, ist mir ein Bibelwort aus dem Hebräerbrief (Kapitel 13, Vers 14) in den Sinn gekommen:

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

Ein, finde ich, passendes Bibelwort für den vor uns liegenden Monat November, mit seinen besonderen Sonntagen. Mit diesem Bibelwort drückt der Verfasser sich aus. Ein Mann des Glaubens. Er macht deutlich: Wir sind nur auf der Durchreise. Unser Ziel ist die zukünftige Stadt. Darauf dürfen wir uns freuen. Das vergangene ist in der neuen Stadt nicht mehr wichtig. Dort dürfen wir sein. Bei Gott, der uns von ganzen Herzen liebt.  Ein tröstendes und Mut machendes Wort für alle, die sich wie ich, viele Gedanken machen. Aber auch für die Menschen, die einen lieben Menschen verloren haben. Die traurig sind. Und die schweren Herzens auf den Ewigkeitssonntag blicken, wenn die Namen der Verstorbenen in den Kirchen vorgelesen werden. Für uns alle, die wir auf der Durchreise sind.

 

Nun haben wir Anfang November. In den letzten Wochen wurde auf dem Grundstück viel gearbeitet. Schweres Gerät rückte an, es wurde ausgekoffert. Wieder fuhren viele Container, diesmal mit Sand an unserem Büro vorbei. Nun wird ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage gebaut. Bald werden dort auch wieder Menschen auf der Durchreise wohnen.

Ich werfe meine Gedanken um das alte Haus aus meinem Kopf. Denn ich glaube fest daran, was uns zugesagt ist.

 

Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

Bleiben Sie behütet.

 

Ihre Kerstin Grusemann-Wahl,

Lektorin in Apen / Augustfehn

Im Museum

Es ist eine Frage der Perspektive...

Ammerländer Impuls zum 26.10.2020

 

Im Museum

 

„Diese Ausstellung MUSS man gesehen haben“ sagt Herr Wenner und wirft Gott einen ermutigenden Blick zu. Ob er denn schon öfter da gewesen sei, fragt Gott verwundert und Herr Wenner erklärt ihm fast entrüstet, dass er schon drei Mal dort gewesen sei. Das müsse man auch. Jedes Mal habe er wieder Neues entdeckt. „Also im künstlerischen Bereich macht mir wirklich keiner etwas vor.“ prahlt Herr Wenner und zählt stolz auf: „Ich habe ‚Das große Buch der Kunst‘ gelesen, besuche den VHS-Kurs ‚Malrausch am Abend’ und bin im letzten Italienurlaub den Dürer-Weg vom Südtiroler Neumarkt zu den Erdpyramiden von Segonzano im Trentino gewandert!“

Sie schlendern durch das Foyer, auf dem per Lichtinstallation der Schriftzug „Werke großer Künstler“ auf den Boden projiziert wird und kommen beim ersten Ausstellungsstück an. „Beeindruckend“ flötet Herr Wenner und ist ganz verzückt. „Diese Farben! Als würden sie einem entgegen kommen!“ Ob er so etwas schon mal gesehen habe, fragt Herr Wenner und blättert aufgeregt in seinem Kunstführer. „Täglich.“ antwortet Gott und Herr Wenner lässt das Buch sinken. „Täglich?“ fragt er und ist gleich Feuer und Flamme. „Also sind Sie ein richtiger Kunstkenner?“ Gott legt den Kopf ein wenig schräg und erzählt von den Ausstellungen, die er zur Zeit gerne besucht:

Von Landschaften, die sich im morgendlichen Nebel verstecken und bei denen er spüre wie die Feuchtigkeit in alle Poren ziehe. Von riesigen Blätterhaufen, die in allen Farben schimmern und durch die Gegend fliegen wenn ein Kind hineinspringt. Von Kranichen am Himmel. Witzig bemalten Kürbissen in Vorgärten - obwohl Halloween im Allgemeinen nicht so seins sei - und glitzernden Teichen mit ein wenig Entengrütze.

„Hmhm.“ murmelt Herr Wenner und verzieht das Gesicht. „Sie sind also eher im Naturalismus zu Hause.“ „So kann man es auch sagen.“ schmunzelt Gott und wirft einen Blick aus dem Fenster.

„Da gibt es aber noch einiges aufzuholen für Sie.“ erwidert Herr Wenner und zieht die Augenbrauen hoch. Jeder könne ja seinen Geschmack haben, aber „Sie müssen sich schon auch für das ganz Andere öffnen. Hier, sehen Sie sich mal diesen Picasso an.“ Er deutet auf ein Bild mit einem abstrakten Gesicht. Die Augen versetzt. Die Nase schief. Und die Haare bunt. „Das ist doch einmalig!“ schwärmt Herr Wenner, vertieft sich in das Bild und drückt Gott seinen Kunstführer in die Hand. Vielleicht habe er ja Lust sich in diesem Bereich noch ein wenig zu informieren.

Gott lächelt und betrachtet Herrn Wenner, wie er hinter seiner kleinen Brille die Augen zusammenkneift, um jedes Detail des Kunstwerks zu erkennen. Er beobachtet, wie seine Fingerspitzen leicht zucken, vor freudiger Erregung, immer wenn er wieder einen neuen Pinselstrich begutachtet. Und er zählt die feinen Haare, die Herr Wenner noch auf dem Kopf hat. Sie stehen etwas wirr ab und lassen schon sehr deutlich die Kopfhaut durchschimmern. Was ihn selbst ziemlich stört. „Ja.“ sagt Gott und gibt Herrn Wenner den Kunstführer zurück. „Wirklich einmalig!“

 

Vikarin Lina Kohring, Wiefelstede

Lieblingsorte

Wo ich ganz bei mir sein kann...

Zur Ruhe kommen - die eigene Mitte finden - Gott hören

Foto: Neubauer

Ammerländer Impuls zum 19.10.2020

Lieblingsorte

 

Es gibt nicht wenige Menschen, die auf Urlaubsreisen immer wieder gerne ganz bestimmte Orte aufsuchen. Orte, an denen sie sich wohlfühlen, wo sie die Seele baumeln lassen können und Kraft schöpfen können für die vor ihnen liegende Zeit. Das können Berge mit einer Aussicht sein, ein schöner Platz am Meer oder am Ufer eines Sees, vielleicht auch eine bestimmte Gaststätte, in die man immer wieder gerne einkehrt.

 

Doch es gibt viele Menschen, die nicht verreisen, weil sie es sich nicht leisten können oder weil ihnen am Reisen nicht gelegen ist. Und in der augenblicklich gegebenen Situation ist das Reisen ohnehin sehr erschwert. Deshalb ist es gut, wenn wir auch zu Hause Plätze haben, die für uns so etwas wie ein Lieblingsort sind: ein gemütlicher Sessel, im Sommer eine Bank im Garten oder was immer es sein mag.

 

Auch unsere Kirchen können Lieblingsorte sein. Und ich bin davon überzeugt, dass sie es für nicht wenige Menschen tatsächlich sind. Sie können selbst dann Lieblingsorte sein, wenn man sie nicht allzu oft aufsucht. Häufig verbinden Menschen wichtige Ereignisse in ihrem Leben mit einer ganz bestimmten Kirche. Sie freuen sich, wenn es einen Anlass gibt, wieder dorthin zu kommen. Und selbst Menschen, die sich von der Kirche abgewandt haben, macht es betroffen, wenn an ihrem Ort die Kirche geschlossen oder gar abgebrochen werden soll. Im Osten unseres Landes engagieren sich recht häufig auch Kirchenferne in Vereinen, die sich um den Erhalt alter Dorfkirchen bemühen.

 

Gottes Gegenwart, seine Liebe und Zuwendung zu uns ist nicht an bestimmte Orte, also auch nicht an Kirchen gebunden. Doch die Kirchen sind Orte, die uns seine Nähe ins Bewusstsein rufen und uns zur Besinnung und zum Gebet einladen, auch zur Feier der Gemeinschaft mit ihm und untereinander. Sie sind Orte, an denen Menschen zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen können. Für Menschen, denen diese Erfahrung geschenkt wird, werden immer wieder Kirchen zu Lieblingsorten.

 

Der Dichter des 26. Psalms hat sein Empfinden gegenüber dem Tempel, dem Gotteshaus des Volkes Israel, in die Worte gefasst:

 

„Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“

 

Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen auch in diesen Wochen immer wieder möglich ist, an Lieblingsorten zur Ruhe zu kommen und aufzutanken.

 

Ihr Christoph Müller, Pastor in Rastede

Helles Leben

Licht und Freude im Herbst

Das Licht der Kerzen erwärmen das Herz

Ammerländer Impuls für den 12.10.2020

Helles Leben

Es geht wieder los. Endlich! Wir können uns wieder von Angesicht zu Angesicht treffen. Der erste Kreisjugendausschuss in Präsenzform steht an. Das letzte Mal hatte man sich im Sommer und nur digital treffen können: im Rahmen einer »ZOOM-Konferenz«. Da saß man allein daheim zusammen vor dem Computer-Bildschirm und schaute sich auf kleinen bewegten Bildern an, blechern und hohl waren die Stimmen der anderen zu hören.

Sicher bieten solche Formen viele Möglichkeiten, die auch von der Jugendarbeit (und nicht nur dort) in der Zeit strikterer Corona-Beschränkungen eifrig genutzt wurden. Aber ein wirkliches Treffen von Mensch zu Mensch ersetzt das nicht. Zu viel bleibt im digitalen Sieb auf der Strecke.

 

Nun stand das erste wirkliche Treffen wieder auf dem Plan. Da ich die Sitzung eröffnen sollte, hatte ich ein »Wort zum Geleit« vorzubereiten. Was konnte ich sagen? Nicht schon wieder eine Corona-Nabelschau - das war mir klar. Auch kein Bad in den Befindlichkeiten. Also schaute ich in die Losung des Tages; da war zu lesen:

 

Meinst du, dass ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen,

spricht Gott der HERR,

und nicht vielmehr daran, dass er sich bekehrt von seinen Wegen

und am Leben bleibt?

Hesekiel 18,23

 

Ich bin als Licht in die Welt gekommen,

auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.

Johannes 12,46

 

In unseren Losungsbüchlein daheim - den auch für ältere Semester sehr zu empfehlenden »Die Losungen für junge Leute« war noch ein Zitat von Charles Haddon Spurgeon dazugesetzt:

 

Das Licht muss unser Leben sein, wenn unser Leben Licht sein soll.

 

Freude und Licht sind für mich die beiden entscheidenden Worte hier.

 

Gott freut sich, wo ein Mensch so lebt, dass sein Leben gelingt. Das Glück des Menschen beglückt Gott!

 

Um etwas finden zu können, braucht es Licht. Ohne Licht verliert man schnell die Orientierung und geht in die Irre. In der Regel stößt man sich nur - und es kann auch Schlimmeres drohen.

 

Gott will Licht sein, Orientierung geben, es möglichen, sein Lebensglück zu finden. Damit das gelingen kann, kommt Vertrauen ins Spiel. Dem Licht zutrauen, dass es mir hilft, den richtigen Weg zu finden. Das geschieht nicht abstrakt, sondern ist immer geerdet. Denn das Licht kommt durch andere Menschen zu uns, in unser Leben. Durch Menschen, die hilfreich sind, die unterstützen und tragen; die auch zurecht weisen und nicht nur zurecht bringen. Angesagt zu bekommen, was geht und was nicht, gehört dazu. Das aber funktioniert nur da, wo ich dem anderen zutraue, dass er es gut mit mir meint, in dem ich mich einlasse auf das, was er zu sagen hat, in dem ich ihm vertraue.

 

Ich glaube, durch solche Begegnungen kommt Gott in mein Leben, in unser Leben. Durch Momente, die uns den Blick klären, die hell sind und licht – manchmal auch erst in der Rückschau. Da erkennen wir, wie solch eine Begegnung eine Wendemarke sein kann, die uns geholfen hat, eine Herausforderung zu meistern oder unser Glück zu finden. Und wo das passiert, da freut sich jemand mit uns gemeinsam.

 

Jesus hat ein paar Geschichten davon zu erzählen gewusst: vom Schäfer etwa mit den 99 und einem Schaf, von der Frau mit ihren Silbergroschen - vor allem aber von dem Vater, der seinen Sohn wiederfindet…

 

Mögen jedem von uns viele solcher Licht-und-Freude-Momente zuteil werden. Gerade jetzt im Herbst. Und mögen wir in der Rückschau noch mehr solcher hellen Augenblicke finden können.

 

Als wir dann zu unserer Sitzung zusammenkamen, habe ich die Losung verlesen. Bin aber bei der Geschichte vom Vater und dem Sohn hängengeblieben. Die Liebe, von der hier erzählt wird, hat so viel Strahlkraft und so viel Licht, dass ich nur von dem Wunder und dem Glück erzählen mochte, das darin liegt, angenommen zu sein, Vergebung zu erfahren und neu anfangen zu dürfen. Und wie sehr ich davon lebe, dass meine Mitmenschen mir das ermöglichen. Gott sei es gedankt!

 

Ihr Stephan Bohlen, Edewecht

 

 

 

Offene Straßenkirche

Gebete am Wegesrand

Ein Gästebuch ist mitunter mehr als nur ein Gästebuch

Das Gästebuch der St. Nikolai Kirche zu Edewecht Foto: Achim Neubauer

Ammerländer Impuls zum 05.10.2020

Der Sommer ist vorbei, ein offensichtlich schöner Herbst ist im Kommen. Das Ammerland scheint eine friedvolle grüne Oase in der immer trockener werdenden Welt zu sein. Aber das ist leider auch ein Trugschluß. Es wird auch bei uns immer trockener und die Menschen, welche sich mit der Qualität unseres Oberflächenwassers beschäftigen, schlagen Alarm. Da ist Kreativität und völlig neues ökologisches Management erforderlich. Aber dies sind Dinge, davon nehmen wir als Gärtner unseres kleinen Reihenhäuschens meistens nur nebenbei Kenntnis.

Dabei hat sich doch in diesem Sommer so unheimlich viel verändert. Einschränkungen bei Zusammenkünften, möglichst scharf durchgesetzte Hygienemanahmen, man reicht sich nicht mehr die Hand zum Gruß - ist fast wie in England, wie man als ein Fan der Krimiserie Barnaby gut im Fernsehen erkennen kann. Und zu diesen Einschränkungen kommt - fast nur noch nebenbei - dass es in diesem Jahr auch keine offene Straßenkirche gegeben hat. Viele werden das gar nicht besonders gemerkt haben. Aber es gibt etliche Menschen, denen dies schmerzlich fehlt.

 

Man braucht nur einen Blick in die Gästebücher der letzten Jahre zu werfen. Dort kann jeder Besucher, wenn er möchte, sich anonym verewigen. Wir finden Grüße, wir finden richtige Danksagungen für das eigene Leben und das von Freunden, Bekannten und Verwandten. Es finden sich auch tief ins Herz gehende Wehklagen von Leid und Schuld. Und die Bitte um göttliche Hilfe und Vergebung. Wir können nur erahnen, was die oder den Schreiben bewegt haben mag.

 

Vor einigen Jahren konnte man das folgende Gebet im Gästebuch lesen:

 

Ich bin nicht Hiob
– Du aber schlägst mich mit Krankheiten

und Gebrechen

Ich bin nicht Hiob
– Du aber nahmst mir meinen Sohn

Ich bin nicht Hiob
- Du aber schenkest mir voll ein

Ich bin nicht Hiob

– ich bitte um Vergebung

 

Wir wissen nicht, was diesen Menschen zu diesen Zeilen bewegt hat. Wir können es nur erahnen. Vielleicht kann die Straßenkirche im nächsten Jahr wieder für die Suchenden da sein.

 

Bleiben Sie gesund.

Lektor Eberhard Geier

Edewecht

Driving home for Christmas - mitten im September

Wo Erwartung zum Ziel kommt, da ist Weihnachten

Bild: Pixabay

Ammerländer Impuls zum 28.09.2020

Driving home for Christmas - mitten im September

 

Es ist ein sonniger Mittwoch mitten im September. Die Temperaturen haben mal wieder die 20 Grad-Marke geknackt. Die Stühle vor den Restaurants und Cafés sind noch gut belegt. Es ist ein sternenklarer Abend. Da stört Musik aus der Kirche das spätsommerliche Treiben:

I'm driving home for Christmas

Oh, I can't wait to see those faces

I'm driving home for Christmas, yeah

Well, I'm moving down that line

In der Kirche sind knapp 50 Jugendliche versammelt, natürlich mit dem nötigen Corona-Abstand. Vorne ist eine Bluetooth-Box aufgebaut und spielt die Melodie des bekannten Weihnachtshits ab. Nach der ersten Verwunderung beginnen die ersten leise zu lachen. Spontan fangen manche an leicht zur Musik zu wippen. Andere heben ihre Arme und bewegen sie im Takt. Eine freudige und ausgelassen Stimmung. Als das Lied zu Ende geht, macht sich direkt erwartungsvolle Stille breit. Driving home for Christmas - mitten im September?

Doch dieser Abend ist für viele der Jugendlichen eben kein normaler, sonniger Mittwochabend mitten im September. Für viele ist dieser Abend wie Weihnachten. Denn an diesem Abend endet eine erzwungene halbjährige Pause, in der die Teilnehmenden des Jugendkulturprojekts „alive“ nicht zusammen kommen konnten. Oder anders gesagt: An diesem Abend endet die schier endlose Zeit des Wartens. Warten auf die erlösende Nachricht, dass Gemeinschaft wieder möglich ist. Warten auf die glücklich machende Treffen mit Freunden. Warten auf die frohe Botschaft der Liebe Gottes, die sich in den wöchentlichen Andachten den Weg direkt in die Herzen der Jugendlichen sucht.

 

„Habt keine Angst! Seht doch: Ich bringe euch eine Freudenbotschaft. Im ganzen Volk wird große Freude herrschen. Denn heute ist in der Stadt Davids für euch der Retter geboren worden: Er ist Christus der Herr.“    (aus Lukas 2, 10+11)

 

Diese bekannten Worte aus der Weihnachtsgeschichte des Lukas-Evangeliums bekommen angesichts der Stimmung in der Kirche ein ganz neues Gewicht. Denn eine Freudenbotschaft ist es für viele. Und es ist so offensichtlich, wie groß die Sehnsucht nach der frohen Botschaft von Weihnachten ist. Gott wird in Jesus Christus Mensch. Und Gott möchte uns - Gott möchte dir begegnen. Dir ganz persönlich. Auf Augenhöhe. Und dieses Geschenk lässt auch heute noch die Augen funkeln - ganz so wie an Weihnachten die Kinderaugen.

 

An diesem Abend fahre ich mit der Melodie von „Driving home for Christmas“ nach Hause. Und ich bin dankbar dafür, dass die Liebe Gottes eben nicht nur an Heilig Abend in diese Welt kommt. Wenn sich die Wärme der Nähe Gottes spürbar unter uns ausbreitet ist Weihnachten, ja, auch mitten im September!

 

Diakon Markus Kohring, Rastede

Wenn ein Wort das andere gibt ...

... vom Splitter und dem Balken

„Blöde Ziege!“ – „Dumme Gans!“

Blöde Ziege - Dumme Gans
Ein wunderbares Büchlein

Ammerländer Impuls zum 21.09.2020

„Blöde Ziege!“ – „Dumme Gans!“ - Ein Wort gibt das andere. Immer mehr schaukelt sich das Ganze auf. Bis es zuletzt sogar zu Handgreiflichkeiten kommt. Beleidigt, verletzt und erbost geht es nach Hause. Dampfend vor Zorn. Ich rede nicht von einer Auseinandersetzung zwischen meinen Liebsten daheim auch nicht vom desolaten Ausgang einer Dienstbesprechung oder einer lebendigen Diskussion mit Unterhaltungswert im Sozialraum eines Kindergartens. Nein, das sind Zitate aus einem wunderbaren kleinen Pixibuch mit eben diesem Titel von Isabel Abedi (Text) und Silvio Neuendorf (Bilder). Es fiel mir in die Hände – besser es wurde mir in die Hände gedrückt – bei der Vorbereitung des Schulanfängergottesdienstes in Edewechterdamm vor ein paar Wochen. Da hatten sich die Damen des Kollegiums so ihre Gedanken gemacht, was denn passen würde und hilfreich sei zum Schulanfang und sind auf dieses schöne Büchlein gestoßen. Gott sei dank! Denn dieses Büchlein ist ein Augen- und Herzensöffner. Eben weil es von zwei Seiten zu lesen ist: Ich kann vorne anfangen und lese „Blöde Ziege“. Dann erfahre ich, wie die kleine Gans einen ziemlich doofen Vormittag im Kindergarten erlebt hat. Oder ich drehe das Büchlein und lese „Dumme Gans“. Dann erlebe ich den nämlichen Tag aus der Sicht der kleinen Ziege. Und ich lerne: Es gibt bei Streitereien immer mehr als (m)eine Seite! Jede*r hat seine(n) Anteil(e) daran, wo etwas nicht gut läuft und die Beteiligten dabei sind, sich gegenseitig befeuernd munter die Treppe der Emotionen hochzujubeln und die Eskalationsstufen aufsteigend in Angriff zu nehmen. Dieses Heft fand mich in einem Moment, in dem ich so drauf war, wie Ziege oder Gans in der Geschichte. Ganz und gar nicht erwachsen und abgeklärt, sondern eher Kindergartenkind auf Sandkastenkampfniveau (die Ziege nimmt dort mit ihren Hörnern den Allerwertesten der Ganz ins Visier; die revanchiert sich mit einem beherzten Biss ins Gesäß des zustoßenden Huftieres). Manchmal ist das so. Dann kommt eins zum anderen. Und irgendwann knallt es dann. Schmollend geht es dann heim. Und es braucht eine Zeit – und manches gute Wort (oder den einen oder anderen Kilometer in flottem Galopp) – bis der Dampf sich verliert und der Kopf und das Herz wieder zueinander finden können. Bei Ziege und Gans klappt das. In der Mitte des Buches finden sie zusammen und tollen lachend im Gras.

Jesus hat einmal etwas vom „Splitter“ und „Balken“ gesagt. Sie erinnern sich gewiss: „Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?“ – und fordert uns dann auf: „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.“ (Lukas 6,41f)

Ich habe das Pixibuch nicht nur mit Freude, sondern auch mit Gewinn gelesen. – Und mich an die Worte des weisen Wanderpredigers erinnert. Vielleicht ist ja in diesen immer noch ein wenig "entschleunigten" Tagen ein bißchen Raum dafür, das eigene Beziehungswesen zu begutachten. Splitter und Balken zu identifizieren. Und den ersten Schritt zu tun. Nicht immer leicht. Aber darauf liegt Segen!

Beherzte Schritte unter herbstlich-heiterem Himmel aufeinander zu wünscht Ihnen,

Ihr

Pastor Stephan Bohlen, Edewecht

Ein gutes Wort zum Herbst!

Worte können die Seele wärmen

Worte können einem wohltun wie eine warme Tasse guten Tees.

Ammerländer Impuls zum 14.09.2020

Ein gutes Wort zum Herbst

 

„Oh, ist das schön warm hier.“

Magda fühlt die Kälte aus den Knochen weichen.

Draußen ist es immer noch so kalt und nass.

Eigentlich soll ja noch Herbstsonne sein, aber hier im Norden. Naja, da kann es doch stürmisch zugehen.

 

Darum hat sie auch lange gezögert, ob sie doch noch rausgeht und die Freundin besucht.

Es ist immer ein etwas langer Weg mitten durchs Moor.

Und heute, wo der Wind scharf ist und es einem die Kälte unter die Haut treibt, da war die Überwindung doch groß.

 

„Komm, setzt dich gleich an die Ofenbank.

Ich mach uns schon mal Tee.“ Agnes ist ein wenig besorgt um die Freundin.

Richtig verfroren sieht sie aus.

Nun erst Wasser aufgesetzt und der Freundin schnell die warmen Puschen bringen, die schon auf dem Ofen vorgewärmt sind.

 

Die beiden Frauen sehen sich liebevoll an. Agnes weil sie sich so freut, dass Magda gekommen ist und sie heute mit ihr zusammen reden und lachen und das Herz ausschütten kann, wenn es das braucht.

Und Magda ist so dankbar, eine solche Freundin zu haben, die ihr die warme Ofenbank zurechtmacht und ihr schon vorgewärmte Puschen bringt.

„Da hat sie sich richtig um mich gesorgt und an mich gedacht. Oh, wie das gut tut!“, sagt sie zu sich im Stillen.

 

„Gottes Liebe ist wie ein herrlich glühend warmer Backofen“, sagte Martin Luther.

 

Gott, der uns mit Fürsorge und Güte und Wärme durchstrahlt, der unser Herz erwärmt und uns fühlen lässt, wir sind Gottes geliebte Kinder.   

 

Ihre Pastorin Sabine Feuerhake, Reekenfeld

Fehler!

Vom Geschenk, neu anfangen zu dürfen

... und wieder daneben

Bild von Pixabay

Petrus, Jesus, Du und ich

Fehler!

 

Oh nein, da ist es schon wieder passiert! Wie mache ich das jetzt bloß wieder gut?

Ein Fehler, ich hasse es, Fehler zu machen! Manche kleinen Fehler, die übersieht man vielleicht einfach… zumindest, wenn man gerade gute Laune hat. Andere Fehler können gravierende Folgen haben. Was, wenn die Ärztin bei der lebensrettenden Operation mit dem Messer abrutscht? Oder der Statiker die Decken oder Wandstärke des Hauses völlig falsch berechet? Dagegen ist die Vorstellung, dass die Pfarrerin den Termin für die Beerdigung vergisst, ja beinahe noch harmlos. Hilfe, denke ich da, wie viel Verantwortung wir immer wieder tragen – müssen, denn irgendjemand muss es tun. Natürlich sind wir für solche Aufgaben meistens extra ausgebildet, natürlich geben wir auch fast immer unser Bestes… Natürlich kann es passieren, dass wir trotzdem Fehler machen.

Auch in Partnerschaft oder Freundschaft, in der Kindererziehung, überhaupt, wenn wir unser Leben mit anderen teilen, machen wir immer wieder Fehler. Hier gibt es kein Studium und keine Ausbildung, es gilt „Lerning by doing“. Und vielleicht haben uns unsere Ursprungsfamilien das Zeug dazu mitgegeben, mit anderen zusammen zu leben. Vielleicht auch nicht. Fehler machen wir alle und manche Fehler verfolgen uns unser ganzes Leben lang.

Petrus hat auch einen üblen Fehler gemacht und sich richtig über sich selbst geärgert. Petrus war der beste Freund, den Jesus damals hier auf der Welt hatte. Sein engster Vertrauter und sein wichtigster Mitarbeiter am Reich Gottes. Als es ernst wurde und Jesus schon wusste, dass er nun bald verhaftet und getötet werden würde, da sagte Petrus zu ihm: „Ichlass dich nicht im Stich, niemals!“ Was für eine Zusage! Aber, Jesus wusste leider schon, dass Petrus den Mund zu voll nahm. „Ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal gesagt haben, dass du mich nicht kennst.“, sagte Jesus zu Petrus. Und die folgende Nacht zeigte leider, dass Jesus mit seiner Behauptung Recht behalten sollte.

Armer Petrus! Der Hahn krähte und Petrus weinte bitterlich. Es dauerte nicht lange, da war Jesus tot. Petrus hatte ihn im Stich gelassen. Und nun blieb er allein zurück –  mit seinem Versagen und seiner Schuld.

Aber, diese Geschichte ist noch nicht zu Ende. Sie geht weiter. Jesus stirbt für unsere Schuld. Dass das so ist, ist ein ganz wichtiger Teil unseres christlichen Glaubens. Jesus stirbt also auch für Petrus, seinen Fehler, sein Versagen. Er nimmt es mit seinem Tod auf sich. Petrus weiß das zu diesem Zeitpunkt aber vermutlich nicht.

Dann kommt es noch besser: Jesus wir von den Toten auferweckt, er lebt wieder. Jetzt sitzen die beiden einander am Ufer des Sees Tiberias gegenüber. „Hast du mich lieb, Petrus?“, fragt Jesus ihn. „Ja“, sagt Petrus, du weißt doch, dass ich dich lieb habe!“ Aber, Jesus fragt ihn noch ein zweites – und noch ein drittes Mal, immer das Gleiche. Schließlich seufzt Petrus und sagt: „Herr, du weiß doch alle Dinge, du weißt auch, dass ich dich lieb habe!“ Und Jesus gibt Petrus eine Aufgabe: „Weide meine Schafe!“ Auch das sagt er dreimal. „Kümmere dich um die Leute, die mich lieb haben!“, könnte man diesen Auftrag vielleicht übersetzen.

Petrus hat einen neuen alten Job. Er ist wieder verantwortlich. Es gilt, was jetzt kommt! Heute ist der Tag, an dem er wieder neu anfängt. Jesus traut ihm das zu, trotz allem, was war. Er bleibt sein bester Freund und wichtigster Mitarbeiter.

Und auch wir sind dran – heute! Heute ist ein neuer Tag zum Leben! Was meine Aufgabe ist, die ich anpacken soll, das weiß ich vermutlich selbst am besten. Und, es ist nicht egal, was wir tun, aber wir sind von Gott geliebt, obwohl wir Fehler machen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag!

 

Ihre Pastorin Kerstin Falaturi

 

 

Hilfe und Halt

Neue Werte erfahren

Einer, der mitgeht und hilft

Ammerländer Impuls für den 31.08.2020

„Ich dachte, das muss so sein!“, sagt der junge Mann, der mir gegenübersitzt. Er ist jung. Und er ist noch ganz aufgewühlt. „Ich hab´gedacht, das ist eben so! Jeder nimmt sich, was er will. So ist die Welt eben. Wer anders ist, als die anderen, der kriegt Druck! Schon in der Schule hab´ ich das erlebt. Die Botschaft war irgendwie immer: Pass Dich an. Setz dich durch!“ Er ist mit dieser Einstellung am Ende in einem tiefen Loch gelandet. Aber er hat zum Glück genau in dieser Situation andere gefunden, denen es genauso ging wie ihm. Und sie haben offen geredet: Wie es ist, wenn man immer vorsichtig, angepaßt sein muss. Wie man sich hinter einer Maske aus Coolness langsam verliert, immer rücksichtsloser wird. Eigentlich gar keine Gefühle haben darf. Denkt, man müßte ständig auf Draht sein, schneller sein und härter auch. Und gemeinsam  stellten sie fest, wie wie schrecklich es ist, wenn man am Extrempunkt gar nichts mehr fühlt.

 

Er hat gemerkt, dass er so nicht leben kann und will.

Und ich habe ihn gefragt: „Machst Du jetzt was anders?“ „Ja“, sagte er, „ich habe aufgehört zu glauben, dass alle mir was wollen, dass das Leben ein ständiger Konkurrenzkampf ist. Ich gebe den Menschen nun erst einmal einen Vertrauensvorschuß. – Und, ehrlich gesagt, ist es ziemlich spannend, wie viele es doch eigentlich gut mit mir meinen. Meine Familie habe ich so richtig neu kennengelernt. Ich erlebe, dass sie mich tragen kann. Und dabei hab ich immer gedacht, meine Eltern sind von gestern und meine Geschwister haben ihre eigenen Sorgen.“ So kommen wir beiden in ein Gespräch über Barmherzigkeit und Güte. Und er sagt: „Ja, das ist das, was wir brauchen. Das ist wie Sonnenschein und Wasser für die Blumen.“ Und er strahlt dabei. Ja, und jetzt ist er hier und gibt mir diesen Vertrauensvorschuß! Und wir unterhalten uns – und ich freue mich für ihn. Und hoffe, dass er weitergehen kann auf diesem Wege.

 

Für die kommende Woche soll uns ein Satz des Jesaja begleiten. In diesem Satz kündigt er dem Volk einen Helfer an, einen Retter im Namen Gottes. Den ‚Gottesknecht‘ nennt er ihn. Und er sagt von ihm: Er wird ‚das geknickte Rohr … nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.‘ (Jes 42,3) Er kündigt einen Menschen an, der im Namen Gottes all die, die vom Leben ‚geknickt‘ sind, wieder aufrichten wird. Und all jene, deren Lebenslicht nur glimmt, wird er zu neuer Kraft wieder anfachen. Die Christen haben in dieser Botschaft des Jesaja schon früh einen Hinweis auf Jesus gesehen.

 

Bei Jesus gilt ein anderes Maß als in einer Welt, in der es hauptsächlich auf Leistung und Macht ankommt. Bei Jesus dürfen die Menschen Schwächen haben und auch zeigen – weil sie, na klar, an anderen Stellen ihre Stärken haben, mit denen sie andere reich machen können. Da ist ein Lächeln der beste Anfang für ein Gespräch. Da müssen wir nicht nach Geltung trachten, aufweisen, wie ‚gut‘ wir sind. Da dürfen wir einfach das sein, was wir sind: Menschen mit einem Herzen, mit Ängsten und Schwächen und Stärken.

 

Jesus hat aufgebaut, nicht abgebrochen; hat vergeben und nicht verworfen, hat heil gemacht und nicht aussortiert und weggeworfen. Barmherzigkeit und Güte hat er vertreten im Namen Gottes. Und die Liebe gepredigt. Wenn man so will hat er allen Menschen, denen er begegnete immer erst einmal einen ‚Vertrauensvorschuß gegeben‘, hat von ihnen das Gute erwartet und erweckt. Und um ihn herum ist eine andere Gemeinschaft entstanden. Eine Gemeinschaft, in der nicht das Gesetz des Stärkeren gilt, sondern wo man sich hilft, einander annimmt, die Schwachen schützt.

 

Da können wir in uns -und allen anderen- Gottes Kinder, seine Geschöpfe sehen, von ihm beseelt und geliebt. Und nicht ‚Mein Haus. Mein Auto. Meine Yacht‘ machen unseren Wert aus. Und auch nicht, ob wir schlank sind oder nach menschlichem Maß gutaussehend.  Da zählt nicht, ob wir stärker sind, härter oder raffinierter als andere. Gott sieht uns mit den Augen der Liebe an und in der Liebe gehört ein Vertrauensvorschuß einfach dazu. Da gehören die Schwachen geschützt, die Geknickten aufgerichtet und die Verzagten gestärkt. Er weckt die Hoffnung, das alles, was unzulänglich war, nicht immer so bleiben muss. Und wir erleben dann zuweilen, wie gut das tut, anderen so ganz ohne Visier offen und vorurteilsfrei begegnen zu können.

 

Ja, ich wünsche mir, dass da manchmal mehr Barmherzigkeit in dieser Welt ist. Mehr Güte und Rücksicht. Und bin unendlich dankbar für alle, die es schon versuchen, anderen mit Freundlichkeit, Offenheit, Toleranz und Liebe zu begegnen! Lasst euch bloß nicht entmutigen…

 

Ihre Pastorin Regina Dettloff, Edewecht

Wunderbares Wachstum

Wo Gott seinen Segen gibt, da blüht Neues auf

Einmal ein kleines Samenkorn...

Ammerländer Impuls für den 24.08.2020

Jesus Christus spricht: Wem gleicht das Reich Gottes, und womit soll ich's vergleichen? Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und warf's in seinen Garten; und es wuchs und wurde ein Baum, und die Vögel des Himmels wohnten in seinen Zweigen. Lk. 13, 18-19

 

Ich möchte Gott zutrauen, dass er etwas werden lässt aus dem, was ich säe. - Aber viel zu oft bin ich ungeduldig und kann es kaum erwarten, dass Ergebnisse sichtbar werden.

Ich möchte Gott zutrauen, dass er etwas werden lässt aus dem, was ich säe. - Aber viel zu oft nehme ich mich selbst zu wichtig und meine, alles selbst in der Hand haben und kontrollieren zu müssen.

Glaube heißt vertrauen. Glaube heißt, Gott zuzutrauen, dass seine Liebe wirklich mir gilt. Und meinem Nächsten auch.

Ohne säen geht es nicht. Das ist wahr. Es ist nicht egal, was ich tue. Wo ich nichts säe, kann auch nichts wachsen. Aber das ist es auch schon. Mehr ist nicht nötig und hilft auch nicht weiter.

 

Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und gedeihen steht in des Himmels Hand. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn! (Ev. Gesangbuch 508)

 

Säen und ernten, hoffen und danken soll die Bewegung meines Lebens sein. Nicht mehr und nicht weniger. Aber das mit ganzem Herzen. Geduldig sein und die Augen öffnen. Das ist schon ganz viel. Den Baum sehen, der Schatten spendet. Den Vögeln lauschen, die seine Zweige bevölkern. Das Wunder bestaunen, dass aus einem klitzekleinen Senfkorn ein großer Baum wachsen kann. Aufmerksam werden für das, was andere gesät haben. Meine Nächste und meinen Nächsten in den Blick nehmen. Schwierigkeiten nicht ausweichen. Nach der Wahrheit suchen und finden, dass ich gefunden bin. Das Reich Gottes ist nahe.

 

Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Sommer

Ihr Kreispfarrer

Lars Dede

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Frage der Einstellung

Vom Umgang mit Herausforderungen

Ammerländer Impuls zum 17.08.2020

 

Erste Szene: Ich gehe die Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich falle hinein. Ich bin verloren… Ich bin ohne Hoffnung. Es ist nicht meine Schuld. Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

Zweite Szene: Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich tue so, als sähe ich es nicht. Ich falle wieder hinein. Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein. Aber es ist nicht meine Schuld. Immer noch dauert es so lange herauszukommen.

Dritte Szene: Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich sehe es. Ich falle immer noch hinein….. aus Gewohnheit. Meine Augen sind offen. Ich weiß, wo ich bin. Es ist meine eigene Schuld. Ich komme sofort heraus.

Vierte Szene: Ich gehe dieselbe Straße entlang. Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich gehe darum herum.

Fünfte Szene: Ich gehe eine andere Straße.

Die Corona-Epidemie. Ein Einschnitt. Und vermutlich eine Zeitenwende. Es wird wohl nichts mehr so sein wie es mal wahr. Gravierende Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft zeichnen sich ab. Und vielleicht auch Perspektivwechsel? Die 5 Szenen könnten entweder ein Leid-, oder ein Leitfaden für den heutigen Tag, aber auch für die kommende Zeit gelten. Wer entscheidet dies, ob es ein Leid- oder ein Leitfaden ist. Wohl jeder für sich, jeder einzelne. Wir sind hier ein Haufen von Menschen, die jeder eine eigene Geschichte , eigene Erfahrungen mitbringen. Lebensgeschichten, Kollegengeschichten, Gremiengeschichten, Beziehungsgeschichten. Und je nach den eigenen Erfahrungen, konstruiert auch jeder seine Sicht auf diese Dinge. Leid – oder Leit? Licht oder Schatten? Wo sind die Löcher in den Straßen, in die wir immer wieder hineinfallen? Gerade jetzt, da vieles so löchrig und brüchig wirkt? Wo kann man herumgehen? Und wo geht man eine andere Straße? Es gibt sie, diese tiefen Löcher. Es gibt Gerede, Gerüchte, Neid, Missgunst, andere in Löcher schubsen. Existenzängste um den Job oder die Gesundheit. Dinge tun, dass man als der Gute dasteht, Kommunikation vermeiden und lieber etwas hintenherum als direkt. Sich ständig mit dem eigenen Mangel zu beschäftigen, wo man meint, immer zu kurz gekommen zu sein. Und auch damit kann man sich beschäftigen. Und dabei stets den Blick nach unten in das Schwarze lenken. Sich im Jammern festhalten, dem anderen nichts gönnen. Aufpassen wie ein Luchs, dass man nicht über den Tisch gezogen wird. Sich bemitleiden, als Opfer sehen. „Es ist eben nicht meine Schuld“. Aber es gibt auch den Perspektivwechsel. „Meine Augen sind offen“, ich komme sofort wieder aus dem Loch heraus. Nach vorne gewandt, aus den Erfahrungen lernen, Neues wagen. In allem , manchmal auch dem Negativen, das Gute sehen. Das Gute sehen, wahrnehmen, mit offenen Augen, dem Negativen nicht so viel Raum geben. Dunkles und Finsternis gibt es zuhauf auf dieser Welt. Aber eben auch sehr viel Licht. Wir haben oft die Möglichkeit der Wahl: Die finstren Dinge im Leben zu sehen. Oder die hellen Lichtseiten in uns hineinzulassen. Freude am Leben zu haben. Das Schöne zu entdecken. Uns gegenseitig im Licht zu sehen. Ohne dabei naiv zu werden und die rosarote Brille aufzusetzen. Nicht an dem anderen zu nörgeln oder nur die Defizite zu bemängeln. Das kennen und können viele. Wir haben die Wahl, es anders zu tun. Abends am Lagerfeuer erzählte ein alter Indianer seinem Enkelsohn von einem Kampf, der in seinem Inneren tobt. Er sagte: „Mein Sohn, dieser Kampf wird von zwei Wölfen ausgefochten.“ Der eine Wolf ist böse: Er ist der HASS, der Zorn, der Neid, die Eifersucht, die Sorgen, der Schmerz, die Gier, die Arroganz, das Selbstmitleid, die Schuld, die Vorurteile, die Minderwertigkeitsgefühle, die Lügen, der falsche Stolz und das Ego. Der andere Wolf ist gut: Er ist die LIEBE, die Freude, der Friede, die Hoffnung, die Heiterkeit, die Demut, die Güte, das Wohlwollen, die Zuneigung, die Großzügigkeit, die Aufrichtigkeit, das Mitgefühl und der Glaube. Sein Enkel dachte einige Zeit über die Worte des Großvaters nach und fragte dann: “Und welcher der beiden Wölfe gewinnt den Kampf?” Der alte Cherokee antwortete: „Der den du fütterst!“ Amen.

Holger de Buhr, Pastor in Westerstede

 

 

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen

Vom Mut, über sich hinaus zu gehen

Dahinter geht's weiter!

Ammerländer Impuls zum 10.08.2020

Mit meinem Gott, kann ich über Mauern springen.

Psalm 18, 30

 

Ich mag diesen Spruch.

Gott hilft mir. Gott schenkt mir, dass ich etwas kann. Das ist das eine.

Und da sind Mauern. Die Mauern sind kein Hindernis das mich gefangen halten kann. Mit Gottes Hilfe vermag ich die Mauern zu überwinden - sogar überspringen kann ich sie.

Am Beginn eines neuen Schuljahres, Ausbildungsjahres, Corona-Situationsabschnittes? denke ich daran, dass Gott jedem eigene Fähigkeiten gegeben hat. Und wenn ich diese meine Fähigkeiten nutze, dann darf ich erleben, dass Gott an meiner Seite ist. Gott ist dabei, wenn etwas Neues anfängt, ein neuer Abschnitt, oder ein neuer Anfang.

 

Als wir uns Anfang Juli endlich wieder „echt“ treffen durften, haben wir bei einem Action Gottesdienst mit unterschiedlichen Stationen gleich mal ausprobiert, was wir können und worin wir besonders gut sind. Da gibt es ein Spiel, bei dem mehrere Personen einen an Seilen befestigten Kran bedienen um gemeinsam einen Turm zu bauen. Und gerade dieses Spiel haben die Teilnehmenden mit Eifer und Spaß betrieben. Wir waren verschieden groß, ganz unterschiedlich alt und eben zufällig zusammen. Wir haben probiert, umgekippt, wieder aufgestellt, noch einmal versucht, gelacht, und uns gefreut, denn wir haben es am Ende geschafft. Nicht die Wettbewerbe sondern Zusammenarbeit war eine der besten Fähigkeiten.

Nein, es geht nicht darum, Sieger im Mauerspringen zu sein.

 

Gerade auf die ganz kleinen Fähigkeiten möchte ich aufmerksam machen. Da ist zum Beispiel das Lächeln, ein leuchtender Funke nur im Auge, und soo viel ist gesagt - vielleicht eine Mauer zwischen Menschen überwunden?

 

Mit Gott über Mauern zu springen meint aber nicht nur, dass jeder etwas kann, einiges gut, etwas am Besten.

 

Schließlich ist dieser Spruch ein Teil von Psalm 18.

David betet, dass Gott ihn beschützt, ihn vor Feinden rettet und Freiheit gewinnen lässt.

Wenn ich mit meinem Gott über Mauern springe, springe ich in Freiheit.

 

Ich habe das ganz direkt erlebt. Damals 1989 lebte ich in Leipzig, gehörte zur Nikolai-Gemeinde und unsere Friedensgebete waren etwas ganz Besonderes - am Ende ist dann tatsächlich eine Mauer gefallen.

 

Aber die meisten Mauern sind ja nicht aus Stein. Und doch schränken Mauern unsere Freiheit ein.

 

Bin ich gefangen in Gewohnheiten? Bin ich gefangen in Konsumzwängen. Bin ich gefangen, weil mir meine Phantasie einfach keinen Ausweg aus einem eingetretenen Pfad zeigen kann? Bin ich gefangen in einer Situation, die ich mir vor gar nicht langer Zeit nicht hätte vorstellen können?

 

Es ist ein ganz wunderbares Geschenk, dass Gott uns immer und immer seine Hand reichen möchte.

 

Ein Versuch kostet nur den Mut es doch zu versuchen. Und die Erfahrung, es geschafft zu haben ist um so schöner.

 

Deshalb habe ich auf meinem Bild des Psalmspruches drei Ausrufezeichen gemalt.

Das erste heißt, ja das könnt ihr glauben. Ich habe es selbst erlebt. Vielleicht sieht es hinter der Mauer anders aus als ich dachte. Aber Gott hatte da seinen Plan mit mir.

Das eine Ausrufezeichen ist herzförmig, denn die Tatsache, dass Gott mich liebt und mir bei ganz kleinen und ganz großen Sprüngen in Liebe helfen will finde ich sehr wichtig.

Und dann sind es drei Ausrufezeichen. Ja, das ist vollkommen, mehr geht nicht.

 

Ich wünsche allen Glaubenskraft genug, um sich mit Gottes Hilfe an Mauern zu versuchen. Ich wünsche Ausdauer, wenn es nicht sofort gelingt, die Mauer zu bezwingen.

Und ganz besonders wünsche ich allen die gute Erfahrung auf überwundene Mauern zurückschauen zu können.

 

- Erst sah es ganz schön schwierig aus - Es ist geschafft - Und Gott war dabei!!!

 

Diakonin Evelyn Nell

Es passiert nichts...

... doch dahinter steckt viel und erfolgreiche Arbeit

Wandmalerei in Baalbek
Foto: Peter Tobiassen

Ammerländer Impulse zum 03.08.2020

Es passiert nichts –

doch dahinter steckt viel und erfolgreiche Arbeit

 

Vor ungefähr fünf Jahren, Anfang September 2015, besuchte ich das Beeka-Tal im Libanon, eine Hochebene, 900 Meter über den Meeresspiegel, 120 km lang, 12 km breit, ca. 1.450 km² groß. Die Hochebene grenzt direkt an Syrien. Seit dem Krieg in Syrien sind zu den 400.000 Einheimischen im Beeka-Tal noch einmal 400.000 Flüchtlinge dazu gekommen*. Es ist eine arme Gegend, die Versorgungsinfrastruktur ist bescheiden, Arbeit und Einkommen sind sehr beschränkt. Die Flüchtlinge leben in kleinen Zeltlagern auf Wiesen und Äckern, die sie von den Bauern gepachtet haben. 

 

 

Zeltlager am Dorfrand im Beeka-Tal / Foto: Tilman Evers

 

Auf meiner Reise lernte ich Friedensfachkräfte und Community-Activists kennen. Sie arbeiten in den Dörfern und den dazugehörigen Zeltlagern. Sie wissen, was Spannungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten erzeugt, sie können Interessenkonflikte analysieren und Wege zu gemeinsamem Handeln mit allen Beteiligten entwickeln. Sie bringen kommunale Verwaltungen dazu, einen oder auch den richtigen Schritt vorwärts zu tun, sie vernetzen und vermitteln. Sie durchkreuzen immer wieder Ab- und Ausgrenzungen. Genaueres können Sie hier nachlesen.

 

Die Friedensfachkräfte und Community-Activists sorgen mit vielen anderen Hilfsorganisationen dafür, dass diese Menschen nach wie vor so zusammenleben, dass unsere sensationsorientierte Presse nichts zu berichten hat. 

 

 

Friedensfachkräfte und Community-Activists in Bar Elias / Foto: Peter Tobiassen

 

Während meiner Reise konnte ich im Fernsehen verfolgen, wie Deutschland die Grenzen für vor Krieg und Verfolgung fliehende Menschen öffnete. „Wir schaffen das“ war damals das Versprechen der Bundeskanzlerin. Heute können wir für das Ammerland sagen: Wir haben es gut geschafft. Denn im Ammerland gab und gibt es viele „Community-Activists“, Ehrenamtliche in der Arbeit mit Geflüchteten, die mit Tat und Rat geholfen haben. Sie haben vernetzt und vermittelt, Ab- und Ausgrenzungen durchbrochen, Deutschunterricht gegeben, Kinder betreut und in Kindergärten und Schulen begleitet. Alle trafen auf kommunale und Landkreisbehörden, die wussten, welche richtigen Schritte zu gehen sind. Auch im Ammerland ging die Sensationspresse leer aus. Es ist nichts passiert – eben weil auch hier wie im Libanon viel und erfolgreich gearbeitet wurde.

 

 

Wandmalerei in Baalbek / Foto: Peter Tobiassen

 

Die Friedensfachkräfte, Community-Activists und Ehrenamtlichen im Beeka-Tal und im Ammerland haben sich das zu eigen gemacht, was im Lukas-Evangelium (Lukas 1, 79) nachzulesen ist: „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“.

 

Peter Tobiassen, Evangelisches Bildungswerk Ammerland

 

*) Im Vergleich dazu das Ammerland: 728 km², 120.000 Einheimische, 4.000 Geflüchtete)

Der liebe Gott im Homeoffice

Eine Frage der Verantwortung

Gott, wo bist Du?

Schüler*innen arbeiten - nicht nur in Corona-Zeiten - mit "iserv" (BOH)

Ammerländer Impuls zum 27.07.2020

Die Frage nach Gott aus dem Homeoffice 

– Verantwortung übernehmen!

 

Als die Schüler und Schülerinnen, nach der Corona bedingten Schulschließung, so nach und nach wieder in die Schule zurückkehrten, da war alles ganz anders. Die Klassen wurden halbiert und Unterricht in der Schule und Lernen zu Hause wechselten sich ab. 

Die Schüler trafen nur die Hälfte ihrer Mitschüler wieder und auf den Gängen wurde nun Mundschutz getragen.

 

Nach der allmählichen Schulöffnung wurden zunächst nur die Kernfächer unterrichtet. Das Schulfach Religion gehörte nicht dazu. Es blieb „im Homeoffice“.

 

So bekamen Malin und Valentina aus Klasse 11 gemeinsam mit ihrem Religionskurs, die Aufgabe im Homeoffice eine Hausarbeit zu schreiben. 

„Die Bibel als Inspiration für Literatur, Kunst und Musik“

 

Malin und Valentina tun sich zusammen. Per Video Chat. Sie vereinbaren, jeder recherchiert erst mal im Netz.

 

Malin stößt auf ein YouTube Video des Poetry-Slamers Marco Michalzik „Wo ist dein Gott jetzt?“

 

Der stellt all die Fragen, wo Gott denn angesichts des Leidens in der Welt denn sei? 

Auch wenn der Beitrag von 2015 stammt, ist er mitten in der Pandemie 2020, wo viele geglaubte Gewissheiten plötzlich Kopf stehen, aktueller denn je. 

Führt Leid immer zu Klage und Untätigkeit?

Diesen Poetry-Slam nehmen sich die beiden Schülerinnen vor. Der Text wird genau untersucht und kommentiert. Sie sind fasziniert. 

 

Es gibt viele Fragen an Gott, wo er denn gewesen sei, und nichts gegen das Leid in vielen Situationen getan habe, angesichts der Krisenherde, der Kriegsgebiete, angesichts von Hunger, von Überschwemmungen und anderen Katastrophen.

Immer wieder: 

GOTT, WO BIST DU?

 

Dann die Wende. Michalzik spricht Gott an:

 “Und wenn du es doch kannst, warum hast du nichts dagegen getan? - Beschämendes Erkennen, du könntest mich dasselbe fragen!“  

 

Malin und Valentina schreiben und interpretieren: Die Menschen können die Frage nach dem Leid nicht einfach an Gott abgeben, auf ihn abwälzen! Es ist zu leicht, ihn dafür anzuklagen und die eigene Rolle dabei ganz außer Acht zu lassen! Die Frage darf nicht lauten: Wo ist ER, sondern wo sind WIR? Die Schülerinnen erkennen, dass Gott, als Schöpfer der Welt, auch in uns Menschen ist. 

Wir müssen Verantwortung übernehmen und wir müssen dem Leid begegnen. Gott braucht die Hände und die Herzen von uns Menschen! Wir müssen Hoffnung sähen, damit Gottes Liebe wirken kann.

Die Beiden formulieren ein Fazit mit Thesen zu Freiheit im Handeln und zu Verantwortung.

Verantwortung übernehmen vor Gott und für Gott und den Menschen.

 

Dann noch Quellen- und Literaturverzeichnis hinzufügen. Inhaltsverzeichnis, Gliederung, Deckblatt.

Ganz vorbildlich!

Termingerecht haben die beiden ihre Arbeit wieder auf dem Schulserver hochgeladen. - Fertig!

 

Ein paar Tage später sitzt die Religionslehrerin an ihrem Laptop im Homeoffice und ihr wird ganz warm ums Herz.

Sie freut sich, wie sehr sich die Schülerinnen im Homeoffice Gedanken gemacht und sich Mühe gegeben haben! Für so manchen Schüler und so manche Schülerin war die Zeit des Homeoffice eine großartige Chance. Sie konnten sich ausprobieren, forschen, und sich mit großen Fragen auseinandersetzen. 

Sie kamen dabei zu eigenen neuen Erkenntnissen, die weit über den eigentlichen Lernstoff hinaus gingen!

Malin und Valentina haben erkannt, dass Verantwortung übernehmen die bessere Alternative zur Anklage Gottes ist. Ein großer Schritt in Richtung Erwachsenwerden!

 

(- und ganz nebenbei haben diese Zwei eine der großen Fragen der Theologie für sich beantwortet…)

 

Wenn du die Gabe hast, andere zu ermutigen,

dann mach es auch!

Hat Gott dir die Fähigkeit verliehen,

andere zu leiten, dann nimm diese Verantwortung ernst.

Und wenn du die Begabung hast,

dich um andere, die es nötig haben, zu kümmern,

sollst du es mit fröhlichem Herzen tun. 

Röm 12,8 

 

 

Marianne Brandt

Wahnbek, Rastede

Von Gottes Segen auf den Lebenswegen

Loch an Loch...

Ammerländer Impuls zum 20.07.2020

Auf dem Weg deiner Gebote gehen meine Schritte,

meine Füße wanken nicht auf deinen Pfaden.

Ich rufe dich an, denn du Gott, erhörst mich.

(Psalm 17, 5-6)

 

Wenn man in diesen Tagen durchs Ammerland, Oldenburger Land und Ostfriesland fährt, finden sich auffallend viele Straßenbaustellen. Die Kommunen nutzen anscheinend den Sommer, um dringend erforderliche Ausbesserungen und Erneuerungen durchführen zu lassen. Diese Baustellen, wie wichtig sie auch sind, bringen so manche Unannehmlichkeiten mit sich: Staus, Umwege, Fahrbahnverengungen und so manches Fahren über Schotter und noch nicht aufgefüllte Schlaglöcher. Wenigstens verhindert so manche Baustellenampel, dass sich zwei Autos auf einer schmalen Straße begegnen, da nimmt man das nervige Warten an diesen Ampeln doch lieber in Kauf als einfach drauf los zu fahren.

Ähneln diese Baustellen nicht auch unserem alltäglichen Leben? Unser Leben verläuft nicht wie auf Schienen, es geht längst nicht immer alles glatt. Probleme tauchen wie Baustellen vor uns auf und wir müssen Umwege in Kauf nehmen, ab und zu fahren wir aber auch mitten hinein und nehmen Schaden. Manchmal sind wir selber Schuld, wenn es kracht, manchmal jemand anders. Auf jeden Fall ist das Leben oft unberechenbar, so sehr wir uns auch bemühen. Sehnen wir uns nicht manchmal auch nach einer Lebensampel, die sagt, wann es besser ist anzuhalten und wann man fahren kann? Und nach jemandem, der uns einfach sagt, wo es jetzt lang geht? Der Psalmbeter aus dem Alten Testament wußte, dass letztendlich nur Gott unserem Leben die richtige Wegweisung geben kann. Seine Gebote sind wie eine Lebensampel, die uns mahnen und warnen. Sein Wort ist wie ein Wegweiser in unsicherer Gegend und in unsicheren Zeiten. Ich bin froh, dass Gott mein Begleiter ist. Denn die Baustellen des Lebens, sie bleiben nicht aus. Wie gut, wenn ich mit ihm dort hineinfahren kann.

 

Pastor Florian Bortfeldt, Idafehn

Kraft zum Leben

Was Mut macht und Lust weckt

Helden des Lebens

Ammerländer Impulse zum 13.07.2020

Kraft für den Alltag

 

Es berührt mich immer wieder neu, erleben zu dürfen, wie Menschen in Liebe miteinander umgehen. Ob bei Gesprächen zu Taufen oder Trauungen oder mit Konfirmand*inneneltern, ob bei Besuchen zu Geburtstagen oder Ehejubliläen oder einfach so, oder bei Beerdigungsgesprächen: in den Worten, die wir wechseln, scheint immer wieder die Liebe durch, die die Menschen miteinander verbindet. Und immer hat schon die Erzählung davon eine Kraft, die das eigene – eigentlich ja „fremde“ – Herz anzurühren vermag. Mir werden in solchen Momenten schnell die Augen feucht. Aber ich heule auch beim Fernsehen, im Kino oder im Theater...

 

Es ist schön, zu hören und zu erleben, wie die Liebe Menschen verändert, ihnen Kraft gibt und Zuversicht, Halt und Richtung. Es bereichert auch das eigene Leben, an solchen „Liebes-Erfahrung“ teilhaben zu dürfen.

 

Wie da zwei Menschen miteinander alt geworden sind. Wie sie zusammen Herausforderungen gemeistert haben, sich gegenseitig gestützt und getragen haben, sich Mut gegeben haben, wie sie zusammen getrauert haben und sich aus dem einen oder anderen Tal wieder herauskämpfen mussten: Hand in Hand. Und gegen so manchen Widerstand mitunter.

 

Wie einer sich übernommen hat, wie eine erkrankt. Allein ist und sich nicht zu helfen vermag. Und dann nimmt ihn ein anderer wahr, kommt eine zu ihr und fragt nicht lange, sondern macht. Und hilft, die Krise zu überwinden. 

 

Wie ein Mensch den anderen wahrnimmt, ihn in dem, was ihn betroffen hat und beschäftigt oder gar bedrängt, erkennt. Sich Zeit nimmt, seinen Alltag unterbricht und ganz einfach da ist. Zuhört. Und Gemeinschaft schenkt.

 

Wie eine Freundschaft die Jahre überdauert hat: Wie sie den Sandkastenzeiten entwachsen, dem Jugendalter entsprungen und über die Jahre sich stetig gewandelt und vertieft hat, bis dahin, dass man sich im Stillen auch über die Distanz hinweg voller Zutrauen und Herzlichkeit, voller Verständnis und durchaus nicht unkritisch begleitet, beisteht, zu Hilfe kommt. Einfach da ist, wo und wann es darauf nötig ist und Not wenden kann.

 

So etwas mitgeteilt zu bekommen, so etwas selber erleben und leben zu dürfen, das ist für mich ein ganz kostbares Geschenk. Das gibt mir Lebenskraft und -mut. Die Energie für den nächsten Schritt.

 

Und manchmal denke ich dann: Das ist eine Gotteserfahrung! In der Liebe, in der Kraft, die darin steckt, da ist Gott. Das ist Gott. Und dann weiß ich: Es ist alles gut. Egal, was sonst noch ist. Solange die Liebe da ist – und sei es in der Erzählung der anderen, -  ist alles gut.

Vielleicht ist es das, was mich immer wieder neu an diesen einen Satz aus der Bibel denken läßt: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Joh 4,16).

 

Viele gute und mutmachende Erfahrungen in Sachen Liebe wünscht Ihnen

Ihr Stephan Bohlen

So eine Zumutung!

Von den Herausforderungen des Miteinanders

Wenn ein Wort das andere gibt...

Ammerländer Impulse zum 06.07.2020

So eine Zumutung! -

von den Herausforderungen des Miteinanders

 

Kennen Sie das auch: Angegriffen zu werden aus heiterem Himmel. Noch dazu vor vielen Ohren. Zuerst wundert man sich. Das kann doch nicht wahr sein. Ich höre wohl nicht richtig. Zu merken, dass es doch wahr ist und dann zu spüren, wie der Blutdruck steigt, das Gesicht sich rötet, der Puls sich erhöht, die Atmung sich beschleunigt. Die eigenen Gedanken in Unruhe und Unordnung geraten, so dass einem nicht das richtige Wort einfällt, um dem Gesagten direkt und treffsicher zu begegnen.

 

Augenblicke später hört man sich sprechen und ärgert sich zugleich über das, was die eigenen Lippen da hervorbringen. Unsachlich und nicht so richtig treffend. Knapp daneben ist auch vorbei. Dann der entwürdigende Rückzug: Marke „Beleidigte Leberwurst“. Und das ungesunde Wissen darum, dass einen der Ärger über das Geschehen noch Tage oder Wochen begleiten wird. Vor allem, weil es keine Möglichkeit gibt, das erlittene und empfundene Unrecht und die mutmaßlich vielleicht sogar berechnend zugefügte Verletzung heimzahlen zu können.

 

Und dann sitzt man in seinem stillen Kämmerlein und soll für den Sonntag feine Worte finden. Aber die finden zuerst einmal einen selbst:

„Vergeltet Böses nicht mit Bösem“, muss ich da im Predigttext für den 05.07. lesen, und:

„Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.

Lebt mit allen Menschen in Frieden –

soweit das möglich ist und es an euch liegt.“

 

Na, jedenfalls gibt es eine Hintertür: „soweit das möglich ist und es an euch liegt“. Aber das steht ja alles unter dem Grundsatz, Böses nicht mit Bösem zu vergelten. Mist. Die Tür ist zu.

 

Gott mutet uns was zu. Vergeben zu können, ist so eine Zumutung Gottes. Oder ist das ein Zuspruch? Weil Gott es uns zutraut, einander vergeben zu können?

 

Gott hat Zutrauen zu uns. Auch, einander zu vergeben und neu miteinander anzufangen. Und das nicht ohne Grund. Denn er selber befähigt uns dazu, indem er den Grund legt, der uns Halt und Haltung geben will: Seine Liebe.

 

Das klingt abstrakt. Und manchmal fühlt es sich auch so an. Da kann ich mir das nur sagen: Dass ich von Gottes Liebe gehalten bin. Genauso wie der Mensch, der mir das Leben momentan nicht gerade einfach macht. Wir beide stehen auf demselben Grund. Die Basis stimmt. Daran kann ich mich erinnern. Darauf kann ich schauen. Mich selber nötigen, das zu sehen: wie ich gemeinsam mit dem anderen in Gottes Hand aufgehoben bin.

 

Das hebt den Ärger nicht auf. Auch die Verletzung ist nicht sofort weg. Und die Wut und Scham auch nicht. Auch die Wallungen im Gedärm sind nicht verpufft. Und das stille Grollen im Hinterkopf auch nicht. Und doch beginnt sich, etwas zu bewegen.

 

Mitunter hebt einen das dann doch über sich hinaus. Bis hin zu der Basis, auf die ich schon gehoben bin. Ich darf über mich hinaus wachsen. Dahin, wo ich seit meiner Taufe ohnehin schon stehe: In Gottes Liebe, die mir letztlich helfen kann, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Wenn nicht heute, dann morgen oder übermorgen. Wenn nicht jetzt, dann beim nächsten Mal. Denn Gott traut mir das zu:

„Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.

Lebt mit allen Menschen in Frieden –  soweit das möglich ist und es an euch liegt.“

 

Das zu können und aktiv zu leben,

wünscht Ihnen und sich

Stephan Bohlen

Den Namen Gottes atmen - ein Leben lang

Lobe den Herrn, meine Kehle

Bild von Trimatiks auf Pixabay

Ammerländer Impulse zum 29.06.2020

„Lobe den Herrn, meine Kehle!“

 

„Lobe den Herrn, meine Kehle!“ Nein, das ist kein Verschreiber, das ist die tatsächliche Übersetzung des bekannten Psalmverses „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Psalm 103 und 104 beginnen so. „Näfäsch“ ist zuerst einmal das hebräische Wort für „Kehle“, welches in Psalm 103 und 104 mit „Seele“ übersetzt wird. Im altorientalischen Denken ist mit dem Organ immer auch zugleich seine Funktion verbunden. Die näfäsch steht für den bedürftigen und begehrenden Menschen. Angst schnürt uns die Kehle zu, Freude lässt uns in der Kehle jubeln. Die näfäsch kommt als grundlegende Lebenskraft im Atem.

 

Atmen.

 

„Ich brauch frische Luft, damit ich wieder bisschen atmen kann“, singt Wincent Weiss in seinem Lied „Frische Luft“.

„Ich kann nicht atmen“, hauchte George Floyd, als ihm ein Polizist mit seinem Knie die Kehle abdrückte.

„Ich krieg hier keine Luft!“, das sagen oder fühlen wir manchmal unter Menschen, wenn die Atmosphäre unerträglich oder vergiftet ist.

Wenn wir aufgeregt sind, atmen wir schneller. Sind wir entspannt, atmen wir langsamer.

Viele Menschen sind krank und haben Probleme mit einem richtig guten Atmen. Sie wissen, wie unendlich wertvoll ein einziger gesunder, wohltuender Atemzug ist.

Manchmal gerät unser Leben aus dem Takt, wir sind nervös, verängstigt, gestresst, und wir werden krank. Da kann es helfen, ganz bewusst zu atmen. Unser Atmen können wir beeinflussen. Das hilft uns ruhig zu werden, zu entspannen, wieder in Gleichklang zu kommen, egal, welche Stürme auch toben in unserem Leben. „Qigong“ ist so eine bewusste Atemmeditation in Verbindung mit langsamen Körperbewegungen, die uns hilft, wieder ins Lot zu kommen, wieder ruhig und gelassen zu werden. Und frei. Und heiler.

 

Atmen.

 

Der erste Schrei eines Babys nach der Geburt lässt uns wissen: Das Baby hat gelernt selbständig zu atmen. Was für eine Erleichterung! Was für eine Glück und eine Freude!

Wir können auf vieles lange verzichten, aber auf das Atmen nur wenige Sekunden bis Minuten.

Wir atmen von unserer ersten Stunde bis zur letzten. Erwachsene Menschen atmen ungefähr 12-18 Mal die Minute, Kinder etwas mehr. Wir atmen ungefähr 720 Mal in der Stunde. 17.280 Mal an einem Tag. 6.307.200 Mal in einem Jahr. Und wenn wir 78 Jahre alt sind, haben wir ungefähr eine halbe Milliarde Mal geatmet. Bis wir unseren letzten Atemzug machen, unser Leben aushauchen.

 

Atmen.

 

Nicht atmen können – das haben viele erlebt, die an Covid-19 erkrankten und deren Lungen so befallen waren, dass sie künstlich beatmet werden mussten und die glückselig davon berichteten, wie wunderbar es war, nach der Genesung wieder selbständig und in vollen Zügen atmen zu können. Manchmal sehe ich in diesen Tagen, wie Menschen ihren Mund- und Nasenschutz kurz herunternehmen, einfach um Mal richtig Luft zu holen, die unter den stickigen Masken oft zu knapp wird. Wir haben Bilder vor Augen, wie in Experimenten die Verbreitung unserer Atemluft sichtbar gemacht wird. Wegen der Corona-Pandemie und der Verbreitung der Viren durch Aerosole.

 

Atmen.

 

Der Franziskaner Richard Rohr sagt, dass wir mit jedem Atemzug den hebräischen Namen Gottes -  den die Juden nicht aussprechen, weil er so heilig ist - atmen. Jahwe. Wir schließen weder die Lippen noch benutzen wir unsere Zunge, wenn wir diesen Namen sprechen wollen. Damit ähnele der Name Gottes dem Geräusch unseres Ein- und Ausatmens. So spreche ich im Grunde mit jedem Atemzug den Namen Gottes, oder anders gesagt:

Ich atme den Namen Gottes. Ich atme den Namen dessen, der mir das Leben eingehaucht hat und durch den ich leben und atmen kann. Mit jedem Atemzug. Ich atme den Namen Gottes mit meinem ersten und mit meinem letzten Atemzug. Ich atme, ich hauche ihn mein ganzes Leben lang.

 

Ich wünsche Ihnen, dass ihr Atmen ihnen hilft heil zu werden oder zu bleiben!

 

Ihre Pfarrerin Heike-Regine Albrecht

Geh aus mein Herz und suche Freud

Wovon sich unsere Seele nährt

Geh aus mein Herz

Geh aus mein Herz

Geh aus, mein Herz und suche Freud

 

Es ist wahrscheinlich das bekannteste und beliebteste Sommerlied in unserem Gesangbuch.

Paul Gerhardt hat diesem langen Gedicht eine schöne Ordnung gegeben, so wie Gott seine Schöpfung und seine Heilsgeschichte wohl geordnet hat. Nacheinander nennt er: die Bäume, das Gras, die Blumen, die Vögel, die wilden Tiere, die Tiere, die der Mensch züchtet und schließlich die Menschen selber, alles in seiner Ordnung, wie in der Schöpfungsgeschichte. Nach jedem Schöpfungstag schaut Gott hin und trifft wie ein Refrain immer wieder die Feststellung: „Siehe, es war gut.“ Und so wie in der Schöpfungsgeschichte stimmt Paul Gerhardt in das Lob Gottes ein: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen…“ Es folgen Gedanken, die über die irdische Schöpfung hinausweisen. Wenn es hier auf dieser Erde schon so wundervoll ist, wie dann erst dort im himmlischen Paradies! Am liebsten wäre er schon da; aber noch ist er auf dieser Erde, empfindet auch die harten Seiten des Lebens. 

 

In den letzten drei Strophen verwandelt sich das Gedicht in ein Gebet. Ganz direkt redet er jetzt mit Gott. „Hilf mir und segne meinen Geist; mach in mir deinem Geiste Raum; erwähle mich zum Paradeis, so will ich dir hier und dort ewig dienen...“ Damit gibt es im Lied eine erstaunliche Umkehr: „Geh aus, mein Herz“? Nein, es ist umgekehrt: Nicht ich suche den himmlischen Garten. Sondern er, mein Herr und Gott, sucht den Garten in mir. Mein Herz, mein  Inneres, soll der Garten werden, in dem er wirkt und umhergehen kann. Dort soll er seine Freude finden. 

 

Auch wenn wir in einer ganz anderen Zeit leben und in anderen persönlichen Lebensumständen als Paul Gerhardt, so empfinden auch wir die Spannung zwischen der Schönheit der Schöpfung und den harten Seiten des Lebens. Und: Auch wir haben Hunger und Durst nach Freude, der Quelle der Lebenskraft. Nichts schlimmer, als wenn in uns selbst und in unserem Leben keine Freude mehr aufkommt, wenn Angst und Verunsicherung alles überdecken. „Die Seele nährt sich von dem, woran sie sich freut“, so der Kirchenvater Augustinus.  

 

Wie können wir die Quelle der Freude für uns entdecken? Wenn wir den Duft der Blumen riechen, das Rauschen eines Baches oder das Singen der Vögel hören, wenn wir den Wind spüren, der durch die Bäume weht, dann lesen wir im „Buch“ der Schöpfung. Und im Buch der Bibel lesen wir von der Liebe Gottes und wofür er uns geschaffen hat: Zur Gemeinschaft miteinander und mit Ihm. Öffnen wir unser Herz und unsere Sinne für die beiden „Bücher“, die Gott uns geschenkt hat.

 

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud.“ Machen wir uns auf den Weg, die Freude zu suchen! Die Jahreszeit lädt uns ja wirklich ein dazu. Wir finden sie, wenn wir unser Herz öffnen für die kleinen Dinge, die uns auf unseren Wegen begegnen. Und wir finden unsere Freude in Gott, in seiner Freude über uns. In seinem vorbehaltlosen Ja der Liebe, das er hat für uns. Er sucht uns, um in uns zu wohnen. Lassen wir uns finden. Einen sicheren Weg zur Freude gibt es in Anlehnung an ein altes Sprichwort „Wer andern eine Freude macht, fällt selbst hinein.“

 

Ihre Pastorin Petra Adomeit  

#blacklivesmatter

Ammerlaender Impulse 08.06.2020

#blacklivesmatter

 

Der Heilige Geist weht, wann und wo er will. Mit der Luft vergleicht die Bibel das Wesen des Geistes. Von Anfang an. Auf den ersten Seiten der Bibel wird erzählt, wie sich die „Geistin“ Gottes über der Urflut hin und her bewegt. Luft belebt und aktiviert. Luft ist Leben. Wo Gottes Geist weht, da geht es lebendig zu. Da sind Vitalität, Lebensfreude, Lebenskraft und Zuversicht – vielleicht ein guter Indikator auch für die Anwesenheit des Geistes in einer Gemeinde.

„Ich kann nicht atmen“ – das sind die Worte von George Floyd. Gesprochen, nein: hingehaucht mit letzter Kraft – am Montag, bevor wir Pfingsten gefeiert haben. Letzte Worte. „Ich kann nicht atmen“.

 

Seitdem geschieht viel in den USA. Ein Wind weht durch das Land – und hat inzwischen weite Teile unserer Erde erfasst. Der Geist der Mitmenschlichkeit und des Mitgefühls hat viele, viele Menschen ergriffen. Und nicht nur in Nordamerika. Auch bei uns und anderswo. In München, Berlin, Köln und Oldenburg und vielen anderen Orten lassen sich Menschen vom Geist des Lebens bewegen. An anderen ist dieser Windhauch vorüber gegangen. Vielleicht haben sie sich ihm gegenüber auch verschlossen. Das kann verschiedene Gründe haben. Einer mag darin liegen, einen Unterschied zu machen zwischen den Menschen, sie einzuteilen, je nachdem, wie sie aussehen, woher sie mutmaßlich kommen. Sie zu bewerten nach ihrer Hautfarbe etwa.

Dass Menschen eine solche Einteilung von ihresgleichen unternehmen, kommt nicht nur in den Vereinigten Staaten vor. Es geschieht auch bei uns. Vielleicht sogar in der eigenen Familie, in der Nachbarschaft, im Verein, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde... Da sieht einer anders aus, wirkt fremd, spricht anders... Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, wer ein Herz hat zu vernehmen und den Mut wahrzunehmen, der weiß, worum es geht. Der kennt das. Und das kann einem schon den Atem rauben. Vor Erschrecken. Wie nah es doch ist, dieses Ungeheuerliche, dieses Monstrum. Mag sein, auch in mir. Vielleicht ist es noch ganz klein. Ein Zwerg. Aber es ist da. Und es will wachsen. Und es wird genährt. Es weiß, sich seine Bissen zu verschaffen. Findet seine Häppchen zwischen den Zeilen: Woher kamen doch noch die da aus Göttingen... ? Und diese Gemeinde aus Bremerhaven, das waren doch vor allem welche aus...? Die da krank waren in der Fleischindustrie, die gehörten doch gar nicht zu uns...? Hast Du gesehen, wie es da aussah, wo die wohnten? - Steckt so ein Denken vielleicht auch in mir? Wo fängt es an? Wo führt es hin? Wo hört es auf? Da, wo der Mensch mit mir nicht mehr zu atmen vermag.

 

Als die „Geistin“ – als Gottes Lebensatem – über den Wassern der Urzeit sich hin und her bewegte, schuf Gott den Menschen. Den Menschen. Als sein Ebenbild. Durch seinen Lebensatem belebt. Es gibt Unterschiede zwischen den Menschen. Ohne Zweifel. Jedes Menschenkind ist anders. Anders schön. Und alle sind Gottes Kinder, Gottes Ebenbild. In allen will Gottes Lebensatem zum Zuge kommen. Durch alle will Gottes Lebensatem schöpferisch in unseren Alltag hineinwehen und -wirken.

 

Wie segensreich das ist, das können wir im Leben vieler Menschenkinder ablesen. Angefangen hat das vielleicht mit einem herumvagabundierenden Handwerkersohn, der so ganz anders war und lebte, als man sich im Ammerland landläufig einen braven Schwiegersohn vorstellt. Durch ihn kam dieser Lebensatem zu den Menschen – und hat sie lebendig gemacht. Auf vielfältige Weise. Über alle Grenzen hinweg. Die Liebe, die er gelebt hat, die durch ihn in unseren Alltag weht, sie mag uns atmen lassen und uns stark machen dafür, Leben zu bewahren und zu schützen. Und allem entgegen zu treten, was jenen frischen Wind des Lebens hindern will. Damit alle atmen können. 

 

Pastor Stephan Bohlen

 

  • Startseite
  • RSS
  • Zum Seitenanfang
  • Seite drucken