Ammerländer-Impulse

Gedanken zur Zeit

Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen

Vom Mut, über sich hinaus zu gehen

Dahinter geht's weiter!

Ammerländer Impuls zum 10.08.2020

Mit meinem Gott, kann ich über Mauern springen.

Psalm 18, 30

 

Ich mag diesen Spruch.

Gott hilft mir. Gott schenkt mir, dass ich etwas kann. Das ist das eine.

Und da sind Mauern. Die Mauern sind kein Hindernis das mich gefangen halten kann. Mit Gottes Hilfe vermag ich die Mauern zu überwinden - sogar überspringen kann ich sie.

Am Beginn eines neuen Schuljahres, Ausbildungsjahres, Corona-Situationsabschnittes? denke ich daran, dass Gott jedem eigene Fähigkeiten gegeben hat. Und wenn ich diese meine Fähigkeiten nutze, dann darf ich erleben, dass Gott an meiner Seite ist. Gott ist dabei, wenn etwas Neues anfängt, ein neuer Abschnitt, oder ein neuer Anfang.

 

Als wir uns Anfang Juli endlich wieder „echt“ treffen durften, haben wir bei einem Action Gottesdienst mit unterschiedlichen Stationen gleich mal ausprobiert, was wir können und worin wir besonders gut sind. Da gibt es ein Spiel, bei dem mehrere Personen einen an Seilen befestigten Kran bedienen um gemeinsam einen Turm zu bauen. Und gerade dieses Spiel haben die Teilnehmenden mit Eifer und Spaß betrieben. Wir waren verschieden groß, ganz unterschiedlich alt und eben zufällig zusammen. Wir haben probiert, umgekippt, wieder aufgestellt, noch einmal versucht, gelacht, und uns gefreut, denn wir haben es am Ende geschafft. Nicht die Wettbewerbe sondern Zusammenarbeit war eine der besten Fähigkeiten.

Nein, es geht nicht darum, Sieger im Mauerspringen zu sein.

 

Gerade auf die ganz kleinen Fähigkeiten möchte ich aufmerksam machen. Da ist zum Beispiel das Lächeln, ein leuchtender Funke nur im Auge, und soo viel ist gesagt - vielleicht eine Mauer zwischen Menschen überwunden?

 

Mit Gott über Mauern zu springen meint aber nicht nur, dass jeder etwas kann, einiges gut, etwas am Besten.

 

Schließlich ist dieser Spruch ein Teil von Psalm 18.

David betet, dass Gott ihn beschützt, ihn vor Feinden rettet und Freiheit gewinnen lässt.

Wenn ich mit meinem Gott über Mauern springe, springe ich in Freiheit.

 

Ich habe das ganz direkt erlebt. Damals 1989 lebte ich in Leipzig, gehörte zur Nikolai-Gemeinde und unsere Friedensgebete waren etwas ganz Besonderes - am Ende ist dann tatsächlich eine Mauer gefallen.

 

Aber die meisten Mauern sind ja nicht aus Stein. Und doch schränken Mauern unsere Freiheit ein.

 

Bin ich gefangen in Gewohnheiten? Bin ich gefangen in Konsumzwängen. Bin ich gefangen, weil mir meine Phantasie einfach keinen Ausweg aus einem eingetretenen Pfad zeigen kann? Bin ich gefangen in einer Situation, die ich mir vor gar nicht langer Zeit nicht hätte vorstellen können?

 

Es ist ein ganz wunderbares Geschenk, dass Gott uns immer und immer seine Hand reichen möchte.

 

Ein Versuch kostet nur den Mut es doch zu versuchen. Und die Erfahrung, es geschafft zu haben ist um so schöner.

 

Deshalb habe ich auf meinem Bild des Psalmspruches drei Ausrufezeichen gemalt.

Das erste heißt, ja das könnt ihr glauben. Ich habe es selbst erlebt. Vielleicht sieht es hinter der Mauer anders aus als ich dachte. Aber Gott hatte da seinen Plan mit mir.

Das eine Ausrufezeichen ist herzförmig, denn die Tatsache, dass Gott mich liebt und mir bei ganz kleinen und ganz großen Sprüngen in Liebe helfen will finde ich sehr wichtig.

Und dann sind es drei Ausrufezeichen. Ja, das ist vollkommen, mehr geht nicht.

 

Ich wünsche allen Glaubenskraft genug, um sich mit Gottes Hilfe an Mauern zu versuchen. Ich wünsche Ausdauer, wenn es nicht sofort gelingt, die Mauer zu bezwingen.

Und ganz besonders wünsche ich allen die gute Erfahrung auf überwundene Mauern zurückschauen zu können.

 

- Erst sah es ganz schön schwierig aus - Es ist geschafft - Und Gott war dabei!!!

 

Diakonin Evelyn Nell

Es passiert nichts...

... doch dahinter steckt viel und erfolgreiche Arbeit

Wandmalerei in Baalbek
Foto: Peter Tobiassen

Ammerländer Impulse zum 03.08.2020

Es passiert nichts –

doch dahinter steckt viel und erfolgreiche Arbeit

 

Vor ungefähr fünf Jahren, Anfang September 2015, besuchte ich das Beeka-Tal im Libanon, eine Hochebene, 900 Meter über den Meeresspiegel, 120 km lang, 12 km breit, ca. 1.450 km² groß. Die Hochebene grenzt direkt an Syrien. Seit dem Krieg in Syrien sind zu den 400.000 Einheimischen im Beeka-Tal noch einmal 400.000 Flüchtlinge dazu gekommen*. Es ist eine arme Gegend, die Versorgungsinfrastruktur ist bescheiden, Arbeit und Einkommen sind sehr beschränkt. Die Flüchtlinge leben in kleinen Zeltlagern auf Wiesen und Äckern, die sie von den Bauern gepachtet haben. 

 

 

Zeltlager am Dorfrand im Beeka-Tal / Foto: Tilman Evers

 

Auf meiner Reise lernte ich Friedensfachkräfte und Community-Activists kennen. Sie arbeiten in den Dörfern und den dazugehörigen Zeltlagern. Sie wissen, was Spannungen zwischen Einheimischen und Zugewanderten erzeugt, sie können Interessenkonflikte analysieren und Wege zu gemeinsamem Handeln mit allen Beteiligten entwickeln. Sie bringen kommunale Verwaltungen dazu, einen oder auch den richtigen Schritt vorwärts zu tun, sie vernetzen und vermitteln. Sie durchkreuzen immer wieder Ab- und Ausgrenzungen. Genaueres können Sie hier nachlesen.

 

Die Friedensfachkräfte und Community-Activists sorgen mit vielen anderen Hilfsorganisationen dafür, dass diese Menschen nach wie vor so zusammenleben, dass unsere sensationsorientierte Presse nichts zu berichten hat. 

 

 

Friedensfachkräfte und Community-Activists in Bar Elias / Foto: Peter Tobiassen

 

Während meiner Reise konnte ich im Fernsehen verfolgen, wie Deutschland die Grenzen für vor Krieg und Verfolgung fliehende Menschen öffnete. „Wir schaffen das“ war damals das Versprechen der Bundeskanzlerin. Heute können wir für das Ammerland sagen: Wir haben es gut geschafft. Denn im Ammerland gab und gibt es viele „Community-Activists“, Ehrenamtliche in der Arbeit mit Geflüchteten, die mit Tat und Rat geholfen haben. Sie haben vernetzt und vermittelt, Ab- und Ausgrenzungen durchbrochen, Deutschunterricht gegeben, Kinder betreut und in Kindergärten und Schulen begleitet. Alle trafen auf kommunale und Landkreisbehörden, die wussten, welche richtigen Schritte zu gehen sind. Auch im Ammerland ging die Sensationspresse leer aus. Es ist nichts passiert – eben weil auch hier wie im Libanon viel und erfolgreich gearbeitet wurde.

 

 

Wandmalerei in Baalbek / Foto: Peter Tobiassen

 

Die Friedensfachkräfte, Community-Activists und Ehrenamtlichen im Beeka-Tal und im Ammerland haben sich das zu eigen gemacht, was im Lukas-Evangelium (Lukas 1, 79) nachzulesen ist: „Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens“.

 

Peter Tobiassen, Evangelisches Bildungswerk Ammerland

 

*) Im Vergleich dazu das Ammerland: 728 km², 120.000 Einheimische, 4.000 Geflüchtete)

Der liebe Gott im Homeoffice

Eine Frage der Verantwortung

Gott, wo bist Du?

Schüler*innen arbeiten - nicht nur in Corona-Zeiten - mit "iserv" (BOH)

Ammerländer Impuls zum 27.07.2020

Die Frage nach Gott aus dem Homeoffice 

– Verantwortung übernehmen!

 

Als die Schüler und Schülerinnen, nach der Corona bedingten Schulschließung, so nach und nach wieder in die Schule zurückkehrten, da war alles ganz anders. Die Klassen wurden halbiert und Unterricht in der Schule und Lernen zu Hause wechselten sich ab. 

Die Schüler trafen nur die Hälfte ihrer Mitschüler wieder und auf den Gängen wurde nun Mundschutz getragen.

 

Nach der allmählichen Schulöffnung wurden zunächst nur die Kernfächer unterrichtet. Das Schulfach Religion gehörte nicht dazu. Es blieb „im Homeoffice“.

 

So bekamen Malin und Valentina aus Klasse 11 gemeinsam mit ihrem Religionskurs, die Aufgabe im Homeoffice eine Hausarbeit zu schreiben. 

„Die Bibel als Inspiration für Literatur, Kunst und Musik“

 

Malin und Valentina tun sich zusammen. Per Video Chat. Sie vereinbaren, jeder recherchiert erst mal im Netz.

 

Malin stößt auf ein YouTube Video des Poetry-Slamers Marco Michalzik „Wo ist dein Gott jetzt?“

 

Der stellt all die Fragen, wo Gott denn angesichts des Leidens in der Welt denn sei? 

Auch wenn der Beitrag von 2015 stammt, ist er mitten in der Pandemie 2020, wo viele geglaubte Gewissheiten plötzlich Kopf stehen, aktueller denn je. 

Führt Leid immer zu Klage und Untätigkeit?

Diesen Poetry-Slam nehmen sich die beiden Schülerinnen vor. Der Text wird genau untersucht und kommentiert. Sie sind fasziniert. 

 

Es gibt viele Fragen an Gott, wo er denn gewesen sei, und nichts gegen das Leid in vielen Situationen getan habe, angesichts der Krisenherde, der Kriegsgebiete, angesichts von Hunger, von Überschwemmungen und anderen Katastrophen.

Immer wieder: 

GOTT, WO BIST DU?

 

Dann die Wende. Michalzik spricht Gott an:

 “Und wenn du es doch kannst, warum hast du nichts dagegen getan? - Beschämendes Erkennen, du könntest mich dasselbe fragen!“  

 

Malin und Valentina schreiben und interpretieren: Die Menschen können die Frage nach dem Leid nicht einfach an Gott abgeben, auf ihn abwälzen! Es ist zu leicht, ihn dafür anzuklagen und die eigene Rolle dabei ganz außer Acht zu lassen! Die Frage darf nicht lauten: Wo ist ER, sondern wo sind WIR? Die Schülerinnen erkennen, dass Gott, als Schöpfer der Welt, auch in uns Menschen ist. 

Wir müssen Verantwortung übernehmen und wir müssen dem Leid begegnen. Gott braucht die Hände und die Herzen von uns Menschen! Wir müssen Hoffnung sähen, damit Gottes Liebe wirken kann.

Die Beiden formulieren ein Fazit mit Thesen zu Freiheit im Handeln und zu Verantwortung.

Verantwortung übernehmen vor Gott und für Gott und den Menschen.

 

Dann noch Quellen- und Literaturverzeichnis hinzufügen. Inhaltsverzeichnis, Gliederung, Deckblatt.

Ganz vorbildlich!

Termingerecht haben die beiden ihre Arbeit wieder auf dem Schulserver hochgeladen. - Fertig!

 

Ein paar Tage später sitzt die Religionslehrerin an ihrem Laptop im Homeoffice und ihr wird ganz warm ums Herz.

Sie freut sich, wie sehr sich die Schülerinnen im Homeoffice Gedanken gemacht und sich Mühe gegeben haben! Für so manchen Schüler und so manche Schülerin war die Zeit des Homeoffice eine großartige Chance. Sie konnten sich ausprobieren, forschen, und sich mit großen Fragen auseinandersetzen. 

Sie kamen dabei zu eigenen neuen Erkenntnissen, die weit über den eigentlichen Lernstoff hinaus gingen!

Malin und Valentina haben erkannt, dass Verantwortung übernehmen die bessere Alternative zur Anklage Gottes ist. Ein großer Schritt in Richtung Erwachsenwerden!

 

(- und ganz nebenbei haben diese Zwei eine der großen Fragen der Theologie für sich beantwortet…)

 

Wenn du die Gabe hast, andere zu ermutigen,

dann mach es auch!

Hat Gott dir die Fähigkeit verliehen,

andere zu leiten, dann nimm diese Verantwortung ernst.

Und wenn du die Begabung hast,

dich um andere, die es nötig haben, zu kümmern,

sollst du es mit fröhlichem Herzen tun. 

Röm 12,8 

 

 

Marianne Brandt

Wahnbek, Rastede

Von Gottes Segen auf den Lebenswegen

Loch an Loch...

Ammerländer Impuls zum 20.07.2020

Auf dem Weg deiner Gebote gehen meine Schritte,

meine Füße wanken nicht auf deinen Pfaden.

Ich rufe dich an, denn du Gott, erhörst mich.

(Psalm 17, 5-6)

 

Wenn man in diesen Tagen durchs Ammerland, Oldenburger Land und Ostfriesland fährt, finden sich auffallend viele Straßenbaustellen. Die Kommunen nutzen anscheinend den Sommer, um dringend erforderliche Ausbesserungen und Erneuerungen durchführen zu lassen. Diese Baustellen, wie wichtig sie auch sind, bringen so manche Unannehmlichkeiten mit sich: Staus, Umwege, Fahrbahnverengungen und so manches Fahren über Schotter und noch nicht aufgefüllte Schlaglöcher. Wenigstens verhindert so manche Baustellenampel, dass sich zwei Autos auf einer schmalen Straße begegnen, da nimmt man das nervige Warten an diesen Ampeln doch lieber in Kauf als einfach drauf los zu fahren.

Ähneln diese Baustellen nicht auch unserem alltäglichen Leben? Unser Leben verläuft nicht wie auf Schienen, es geht längst nicht immer alles glatt. Probleme tauchen wie Baustellen vor uns auf und wir müssen Umwege in Kauf nehmen, ab und zu fahren wir aber auch mitten hinein und nehmen Schaden. Manchmal sind wir selber Schuld, wenn es kracht, manchmal jemand anders. Auf jeden Fall ist das Leben oft unberechenbar, so sehr wir uns auch bemühen. Sehnen wir uns nicht manchmal auch nach einer Lebensampel, die sagt, wann es besser ist anzuhalten und wann man fahren kann? Und nach jemandem, der uns einfach sagt, wo es jetzt lang geht? Der Psalmbeter aus dem Alten Testament wußte, dass letztendlich nur Gott unserem Leben die richtige Wegweisung geben kann. Seine Gebote sind wie eine Lebensampel, die uns mahnen und warnen. Sein Wort ist wie ein Wegweiser in unsicherer Gegend und in unsicheren Zeiten. Ich bin froh, dass Gott mein Begleiter ist. Denn die Baustellen des Lebens, sie bleiben nicht aus. Wie gut, wenn ich mit ihm dort hineinfahren kann.

 

Pastor Florian Bortfeldt, Idafehn

Kraft zum Leben

Was Mut macht und Lust weckt

Helden des Lebens

Ammerländer Impulse zum 13.07.2020

Kraft für den Alltag

 

Es berührt mich immer wieder neu, erleben zu dürfen, wie Menschen in Liebe miteinander umgehen. Ob bei Gesprächen zu Taufen oder Trauungen oder mit Konfirmand*inneneltern, ob bei Besuchen zu Geburtstagen oder Ehejubliläen oder einfach so, oder bei Beerdigungsgesprächen: in den Worten, die wir wechseln, scheint immer wieder die Liebe durch, die die Menschen miteinander verbindet. Und immer hat schon die Erzählung davon eine Kraft, die das eigene – eigentlich ja „fremde“ – Herz anzurühren vermag. Mir werden in solchen Momenten schnell die Augen feucht. Aber ich heule auch beim Fernsehen, im Kino oder im Theater...

 

Es ist schön, zu hören und zu erleben, wie die Liebe Menschen verändert, ihnen Kraft gibt und Zuversicht, Halt und Richtung. Es bereichert auch das eigene Leben, an solchen „Liebes-Erfahrung“ teilhaben zu dürfen.

 

Wie da zwei Menschen miteinander alt geworden sind. Wie sie zusammen Herausforderungen gemeistert haben, sich gegenseitig gestützt und getragen haben, sich Mut gegeben haben, wie sie zusammen getrauert haben und sich aus dem einen oder anderen Tal wieder herauskämpfen mussten: Hand in Hand. Und gegen so manchen Widerstand mitunter.

 

Wie einer sich übernommen hat, wie eine erkrankt. Allein ist und sich nicht zu helfen vermag. Und dann nimmt ihn ein anderer wahr, kommt eine zu ihr und fragt nicht lange, sondern macht. Und hilft, die Krise zu überwinden. 

 

Wie ein Mensch den anderen wahrnimmt, ihn in dem, was ihn betroffen hat und beschäftigt oder gar bedrängt, erkennt. Sich Zeit nimmt, seinen Alltag unterbricht und ganz einfach da ist. Zuhört. Und Gemeinschaft schenkt.

 

Wie eine Freundschaft die Jahre überdauert hat: Wie sie den Sandkastenzeiten entwachsen, dem Jugendalter entsprungen und über die Jahre sich stetig gewandelt und vertieft hat, bis dahin, dass man sich im Stillen auch über die Distanz hinweg voller Zutrauen und Herzlichkeit, voller Verständnis und durchaus nicht unkritisch begleitet, beisteht, zu Hilfe kommt. Einfach da ist, wo und wann es darauf nötig ist und Not wenden kann.

 

So etwas mitgeteilt zu bekommen, so etwas selber erleben und leben zu dürfen, das ist für mich ein ganz kostbares Geschenk. Das gibt mir Lebenskraft und -mut. Die Energie für den nächsten Schritt.

 

Und manchmal denke ich dann: Das ist eine Gotteserfahrung! In der Liebe, in der Kraft, die darin steckt, da ist Gott. Das ist Gott. Und dann weiß ich: Es ist alles gut. Egal, was sonst noch ist. Solange die Liebe da ist – und sei es in der Erzählung der anderen, -  ist alles gut.

Vielleicht ist es das, was mich immer wieder neu an diesen einen Satz aus der Bibel denken läßt: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Joh 4,16).

 

Viele gute und mutmachende Erfahrungen in Sachen Liebe wünscht Ihnen

Ihr Stephan Bohlen

So eine Zumutung!

Von den Herausforderungen des Miteinanders

Wenn ein Wort das andere gibt...

Ammerländer Impulse zum 06.07.2020

So eine Zumutung! -

von den Herausforderungen des Miteinanders

 

Kennen Sie das auch: Angegriffen zu werden aus heiterem Himmel. Noch dazu vor vielen Ohren. Zuerst wundert man sich. Das kann doch nicht wahr sein. Ich höre wohl nicht richtig. Zu merken, dass es doch wahr ist und dann zu spüren, wie der Blutdruck steigt, das Gesicht sich rötet, der Puls sich erhöht, die Atmung sich beschleunigt. Die eigenen Gedanken in Unruhe und Unordnung geraten, so dass einem nicht das richtige Wort einfällt, um dem Gesagten direkt und treffsicher zu begegnen.

 

Augenblicke später hört man sich sprechen und ärgert sich zugleich über das, was die eigenen Lippen da hervorbringen. Unsachlich und nicht so richtig treffend. Knapp daneben ist auch vorbei. Dann der entwürdigende Rückzug: Marke „Beleidigte Leberwurst“. Und das ungesunde Wissen darum, dass einen der Ärger über das Geschehen noch Tage oder Wochen begleiten wird. Vor allem, weil es keine Möglichkeit gibt, das erlittene und empfundene Unrecht und die mutmaßlich vielleicht sogar berechnend zugefügte Verletzung heimzahlen zu können.

 

Und dann sitzt man in seinem stillen Kämmerlein und soll für den Sonntag feine Worte finden. Aber die finden zuerst einmal einen selbst:

„Vergeltet Böses nicht mit Bösem“, muss ich da im Predigttext für den 05.07. lesen, und:

„Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.

Lebt mit allen Menschen in Frieden –

soweit das möglich ist und es an euch liegt.“

 

Na, jedenfalls gibt es eine Hintertür: „soweit das möglich ist und es an euch liegt“. Aber das steht ja alles unter dem Grundsatz, Böses nicht mit Bösem zu vergelten. Mist. Die Tür ist zu.

 

Gott mutet uns was zu. Vergeben zu können, ist so eine Zumutung Gottes. Oder ist das ein Zuspruch? Weil Gott es uns zutraut, einander vergeben zu können?

 

Gott hat Zutrauen zu uns. Auch, einander zu vergeben und neu miteinander anzufangen. Und das nicht ohne Grund. Denn er selber befähigt uns dazu, indem er den Grund legt, der uns Halt und Haltung geben will: Seine Liebe.

 

Das klingt abstrakt. Und manchmal fühlt es sich auch so an. Da kann ich mir das nur sagen: Dass ich von Gottes Liebe gehalten bin. Genauso wie der Mensch, der mir das Leben momentan nicht gerade einfach macht. Wir beide stehen auf demselben Grund. Die Basis stimmt. Daran kann ich mich erinnern. Darauf kann ich schauen. Mich selber nötigen, das zu sehen: wie ich gemeinsam mit dem anderen in Gottes Hand aufgehoben bin.

 

Das hebt den Ärger nicht auf. Auch die Verletzung ist nicht sofort weg. Und die Wut und Scham auch nicht. Auch die Wallungen im Gedärm sind nicht verpufft. Und das stille Grollen im Hinterkopf auch nicht. Und doch beginnt sich, etwas zu bewegen.

 

Mitunter hebt einen das dann doch über sich hinaus. Bis hin zu der Basis, auf die ich schon gehoben bin. Ich darf über mich hinaus wachsen. Dahin, wo ich seit meiner Taufe ohnehin schon stehe: In Gottes Liebe, die mir letztlich helfen kann, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Wenn nicht heute, dann morgen oder übermorgen. Wenn nicht jetzt, dann beim nächsten Mal. Denn Gott traut mir das zu:

„Habt den anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.

Lebt mit allen Menschen in Frieden –  soweit das möglich ist und es an euch liegt.“

 

Das zu können und aktiv zu leben,

wünscht Ihnen und sich

Stephan Bohlen

Den Namen Gottes atmen - ein Leben lang

Lobe den Herrn, meine Kehle

Bild von Trimatiks auf Pixabay

Ammerländer Impulse zum 29.06.2020

„Lobe den Herrn, meine Kehle!“

 

„Lobe den Herrn, meine Kehle!“ Nein, das ist kein Verschreiber, das ist die tatsächliche Übersetzung des bekannten Psalmverses „Lobe den Herrn, meine Seele!“ Psalm 103 und 104 beginnen so. „Näfäsch“ ist zuerst einmal das hebräische Wort für „Kehle“, welches in Psalm 103 und 104 mit „Seele“ übersetzt wird. Im altorientalischen Denken ist mit dem Organ immer auch zugleich seine Funktion verbunden. Die näfäsch steht für den bedürftigen und begehrenden Menschen. Angst schnürt uns die Kehle zu, Freude lässt uns in der Kehle jubeln. Die näfäsch kommt als grundlegende Lebenskraft im Atem.

 

Atmen.

 

„Ich brauch frische Luft, damit ich wieder bisschen atmen kann“, singt Wincent Weiss in seinem Lied „Frische Luft“.

„Ich kann nicht atmen“, hauchte George Floyd, als ihm ein Polizist mit seinem Knie die Kehle abdrückte.

„Ich krieg hier keine Luft!“, das sagen oder fühlen wir manchmal unter Menschen, wenn die Atmosphäre unerträglich oder vergiftet ist.

Wenn wir aufgeregt sind, atmen wir schneller. Sind wir entspannt, atmen wir langsamer.

Viele Menschen sind krank und haben Probleme mit einem richtig guten Atmen. Sie wissen, wie unendlich wertvoll ein einziger gesunder, wohltuender Atemzug ist.

Manchmal gerät unser Leben aus dem Takt, wir sind nervös, verängstigt, gestresst, und wir werden krank. Da kann es helfen, ganz bewusst zu atmen. Unser Atmen können wir beeinflussen. Das hilft uns ruhig zu werden, zu entspannen, wieder in Gleichklang zu kommen, egal, welche Stürme auch toben in unserem Leben. „Qigong“ ist so eine bewusste Atemmeditation in Verbindung mit langsamen Körperbewegungen, die uns hilft, wieder ins Lot zu kommen, wieder ruhig und gelassen zu werden. Und frei. Und heiler.

 

Atmen.

 

Der erste Schrei eines Babys nach der Geburt lässt uns wissen: Das Baby hat gelernt selbständig zu atmen. Was für eine Erleichterung! Was für eine Glück und eine Freude!

Wir können auf vieles lange verzichten, aber auf das Atmen nur wenige Sekunden bis Minuten.

Wir atmen von unserer ersten Stunde bis zur letzten. Erwachsene Menschen atmen ungefähr 12-18 Mal die Minute, Kinder etwas mehr. Wir atmen ungefähr 720 Mal in der Stunde. 17.280 Mal an einem Tag. 6.307.200 Mal in einem Jahr. Und wenn wir 78 Jahre alt sind, haben wir ungefähr eine halbe Milliarde Mal geatmet. Bis wir unseren letzten Atemzug machen, unser Leben aushauchen.

 

Atmen.

 

Nicht atmen können – das haben viele erlebt, die an Covid-19 erkrankten und deren Lungen so befallen waren, dass sie künstlich beatmet werden mussten und die glückselig davon berichteten, wie wunderbar es war, nach der Genesung wieder selbständig und in vollen Zügen atmen zu können. Manchmal sehe ich in diesen Tagen, wie Menschen ihren Mund- und Nasenschutz kurz herunternehmen, einfach um Mal richtig Luft zu holen, die unter den stickigen Masken oft zu knapp wird. Wir haben Bilder vor Augen, wie in Experimenten die Verbreitung unserer Atemluft sichtbar gemacht wird. Wegen der Corona-Pandemie und der Verbreitung der Viren durch Aerosole.

 

Atmen.

 

Der Franziskaner Richard Rohr sagt, dass wir mit jedem Atemzug den hebräischen Namen Gottes -  den die Juden nicht aussprechen, weil er so heilig ist - atmen. Jahwe. Wir schließen weder die Lippen noch benutzen wir unsere Zunge, wenn wir diesen Namen sprechen wollen. Damit ähnele der Name Gottes dem Geräusch unseres Ein- und Ausatmens. So spreche ich im Grunde mit jedem Atemzug den Namen Gottes, oder anders gesagt:

Ich atme den Namen Gottes. Ich atme den Namen dessen, der mir das Leben eingehaucht hat und durch den ich leben und atmen kann. Mit jedem Atemzug. Ich atme den Namen Gottes mit meinem ersten und mit meinem letzten Atemzug. Ich atme, ich hauche ihn mein ganzes Leben lang.

 

Ich wünsche Ihnen, dass ihr Atmen ihnen hilft heil zu werden oder zu bleiben!

 

Ihre Pfarrerin Heike-Regine Albrecht

Geh aus mein Herz und suche Freud

Wovon sich unsere Seele nährt

Geh aus mein Herz

Geh aus mein Herz

Geh aus, mein Herz und suche Freud

 

Es ist wahrscheinlich das bekannteste und beliebteste Sommerlied in unserem Gesangbuch.

Paul Gerhardt hat diesem langen Gedicht eine schöne Ordnung gegeben, so wie Gott seine Schöpfung und seine Heilsgeschichte wohl geordnet hat. Nacheinander nennt er: die Bäume, das Gras, die Blumen, die Vögel, die wilden Tiere, die Tiere, die der Mensch züchtet und schließlich die Menschen selber, alles in seiner Ordnung, wie in der Schöpfungsgeschichte. Nach jedem Schöpfungstag schaut Gott hin und trifft wie ein Refrain immer wieder die Feststellung: „Siehe, es war gut.“ Und so wie in der Schöpfungsgeschichte stimmt Paul Gerhardt in das Lob Gottes ein: „Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen…“ Es folgen Gedanken, die über die irdische Schöpfung hinausweisen. Wenn es hier auf dieser Erde schon so wundervoll ist, wie dann erst dort im himmlischen Paradies! Am liebsten wäre er schon da; aber noch ist er auf dieser Erde, empfindet auch die harten Seiten des Lebens. 

 

In den letzten drei Strophen verwandelt sich das Gedicht in ein Gebet. Ganz direkt redet er jetzt mit Gott. „Hilf mir und segne meinen Geist; mach in mir deinem Geiste Raum; erwähle mich zum Paradeis, so will ich dir hier und dort ewig dienen...“ Damit gibt es im Lied eine erstaunliche Umkehr: „Geh aus, mein Herz“? Nein, es ist umgekehrt: Nicht ich suche den himmlischen Garten. Sondern er, mein Herr und Gott, sucht den Garten in mir. Mein Herz, mein  Inneres, soll der Garten werden, in dem er wirkt und umhergehen kann. Dort soll er seine Freude finden. 

 

Auch wenn wir in einer ganz anderen Zeit leben und in anderen persönlichen Lebensumständen als Paul Gerhardt, so empfinden auch wir die Spannung zwischen der Schönheit der Schöpfung und den harten Seiten des Lebens. Und: Auch wir haben Hunger und Durst nach Freude, der Quelle der Lebenskraft. Nichts schlimmer, als wenn in uns selbst und in unserem Leben keine Freude mehr aufkommt, wenn Angst und Verunsicherung alles überdecken. „Die Seele nährt sich von dem, woran sie sich freut“, so der Kirchenvater Augustinus.  

 

Wie können wir die Quelle der Freude für uns entdecken? Wenn wir den Duft der Blumen riechen, das Rauschen eines Baches oder das Singen der Vögel hören, wenn wir den Wind spüren, der durch die Bäume weht, dann lesen wir im „Buch“ der Schöpfung. Und im Buch der Bibel lesen wir von der Liebe Gottes und wofür er uns geschaffen hat: Zur Gemeinschaft miteinander und mit Ihm. Öffnen wir unser Herz und unsere Sinne für die beiden „Bücher“, die Gott uns geschenkt hat.

 

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud.“ Machen wir uns auf den Weg, die Freude zu suchen! Die Jahreszeit lädt uns ja wirklich ein dazu. Wir finden sie, wenn wir unser Herz öffnen für die kleinen Dinge, die uns auf unseren Wegen begegnen. Und wir finden unsere Freude in Gott, in seiner Freude über uns. In seinem vorbehaltlosen Ja der Liebe, das er hat für uns. Er sucht uns, um in uns zu wohnen. Lassen wir uns finden. Einen sicheren Weg zur Freude gibt es in Anlehnung an ein altes Sprichwort „Wer andern eine Freude macht, fällt selbst hinein.“

 

Ihre Pastorin Petra Adomeit  

#blacklivesmatter

Ammerlaender Impulse 08.06.2020

#blacklivesmatter

 

Der Heilige Geist weht, wann und wo er will. Mit der Luft vergleicht die Bibel das Wesen des Geistes. Von Anfang an. Auf den ersten Seiten der Bibel wird erzählt, wie sich die „Geistin“ Gottes über der Urflut hin und her bewegt. Luft belebt und aktiviert. Luft ist Leben. Wo Gottes Geist weht, da geht es lebendig zu. Da sind Vitalität, Lebensfreude, Lebenskraft und Zuversicht – vielleicht ein guter Indikator auch für die Anwesenheit des Geistes in einer Gemeinde.

„Ich kann nicht atmen“ – das sind die Worte von George Floyd. Gesprochen, nein: hingehaucht mit letzter Kraft – am Montag, bevor wir Pfingsten gefeiert haben. Letzte Worte. „Ich kann nicht atmen“.

 

Seitdem geschieht viel in den USA. Ein Wind weht durch das Land – und hat inzwischen weite Teile unserer Erde erfasst. Der Geist der Mitmenschlichkeit und des Mitgefühls hat viele, viele Menschen ergriffen. Und nicht nur in Nordamerika. Auch bei uns und anderswo. In München, Berlin, Köln und Oldenburg und vielen anderen Orten lassen sich Menschen vom Geist des Lebens bewegen. An anderen ist dieser Windhauch vorüber gegangen. Vielleicht haben sie sich ihm gegenüber auch verschlossen. Das kann verschiedene Gründe haben. Einer mag darin liegen, einen Unterschied zu machen zwischen den Menschen, sie einzuteilen, je nachdem, wie sie aussehen, woher sie mutmaßlich kommen. Sie zu bewerten nach ihrer Hautfarbe etwa.

Dass Menschen eine solche Einteilung von ihresgleichen unternehmen, kommt nicht nur in den Vereinigten Staaten vor. Es geschieht auch bei uns. Vielleicht sogar in der eigenen Familie, in der Nachbarschaft, im Verein, am Arbeitsplatz, in der Gemeinde... Da sieht einer anders aus, wirkt fremd, spricht anders... Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, wer ein Herz hat zu vernehmen und den Mut wahrzunehmen, der weiß, worum es geht. Der kennt das. Und das kann einem schon den Atem rauben. Vor Erschrecken. Wie nah es doch ist, dieses Ungeheuerliche, dieses Monstrum. Mag sein, auch in mir. Vielleicht ist es noch ganz klein. Ein Zwerg. Aber es ist da. Und es will wachsen. Und es wird genährt. Es weiß, sich seine Bissen zu verschaffen. Findet seine Häppchen zwischen den Zeilen: Woher kamen doch noch die da aus Göttingen... ? Und diese Gemeinde aus Bremerhaven, das waren doch vor allem welche aus...? Die da krank waren in der Fleischindustrie, die gehörten doch gar nicht zu uns...? Hast Du gesehen, wie es da aussah, wo die wohnten? - Steckt so ein Denken vielleicht auch in mir? Wo fängt es an? Wo führt es hin? Wo hört es auf? Da, wo der Mensch mit mir nicht mehr zu atmen vermag.

 

Als die „Geistin“ – als Gottes Lebensatem – über den Wassern der Urzeit sich hin und her bewegte, schuf Gott den Menschen. Den Menschen. Als sein Ebenbild. Durch seinen Lebensatem belebt. Es gibt Unterschiede zwischen den Menschen. Ohne Zweifel. Jedes Menschenkind ist anders. Anders schön. Und alle sind Gottes Kinder, Gottes Ebenbild. In allen will Gottes Lebensatem zum Zuge kommen. Durch alle will Gottes Lebensatem schöpferisch in unseren Alltag hineinwehen und -wirken.

 

Wie segensreich das ist, das können wir im Leben vieler Menschenkinder ablesen. Angefangen hat das vielleicht mit einem herumvagabundierenden Handwerkersohn, der so ganz anders war und lebte, als man sich im Ammerland landläufig einen braven Schwiegersohn vorstellt. Durch ihn kam dieser Lebensatem zu den Menschen – und hat sie lebendig gemacht. Auf vielfältige Weise. Über alle Grenzen hinweg. Die Liebe, die er gelebt hat, die durch ihn in unseren Alltag weht, sie mag uns atmen lassen und uns stark machen dafür, Leben zu bewahren und zu schützen. Und allem entgegen zu treten, was jenen frischen Wind des Lebens hindern will. Damit alle atmen können. 

 

Pastor Stephan Bohlen

 

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